Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
Bildrechte: MDR/Friederike Franke

19.05.2019 | 07:00 Uhr Zeitzeugen sprechen über den Jugendwerkhof Königstein

von Friederike Franke

Zwei Frauen sitzen an einem Tisch und unterhalten sich.
Bildrechte: MDR/Friederike Franke

Der Jugendwerkhof war eine Einrichtung in der man nicht freizügig leben konnte. Man war einer bestimmten Ordnung und Zwängen unterworfen.

Hugo Jensch Zeitzeuge

Der Malerwinkel in Königstein wird zum Treffpunkt unterschiedlicher Generationen. Jung und Alt kommen in der Mühlgasse zusammen, um gemeinsam ein Stück Geschichte aufzuarbeiten. Eine Geschichte, auf die viele, anwesende Zeitzeugen mit Unbehagen zurückblicken.

Fünf Personen stehen in einem Kreis und unterhalten sich
Jugendliche von heute treffen auf Zeitzeugen, die einst in ihrem Alter waren, als sie im Jugendwerkhof untergebracht waren. Bildrechte: MDR/Friederike Franke

Lebendige Bibliothek gibt Einblick

Eine größere Gruppe steht vor einem großen Felsen in einem Wald
Geschichte zum Anfassen im Malerwinkel Bildrechte: MDR/Friederike Franke

Es geht um den ehemaligen Jugendwerkhof auf der Festung Königstein. Hier sollten von 1949 bis 1955 schwer erziehbare und straffällig gewordene Jugendliche umerzogen werden. Sowohl die Freizeit, als auch die Arbeit der Jugendlichen, war straff durchorganisiert.

Der Verein "weltbewusst" hat im Malerwinkel eine lebendige Bibliothek organisiert. Zeitzeugen und Menschen, die eine Verbindung zum Jugendwerkhof haben, stehen den Besuchern oder Lesern als lebendige Bücher zur Verfügung. Hier können sie über ihre Erlebnisse und Erfahrungen berichten, sich austauschen. An den Tischen nehmen ganz unterschiedliche Bücher und Leser Platz. Überall hört man Menschen, die ihre Geschichten erzählen und sieht Schüler und geschichtsinteressierte Teilnehmer, die gespannt lauschen.

"Man kann rebellieren oder es hinnehmen"

Der älteste Zeitzeuge ist der Pirnaer Historiker Hugo Jensch. Er ist 93 Jahre alt und war Lehrer eines Jungen, der im Jugendwerkhof einsaß. An dem Tisch von Hugo Jensch sind alle Stühle besetzt, denn er verbindet viel mit dem Jugendwerkhof:

Hugo Jensch, ein älterer Herr mit Brille
Bildrechte: MDR/Friederike Franke

Wenn man in so einer Einrichtung lebt, dann unterwirft man sich einer dort geltenden Ordnung. Das ist auch gar nicht anders möglich. Das kann man als Zwang empfinden und dagegen rebellieren oder man kann es hinnehmen.

Hugo Jensch Zeitzeuge

Nach dem Austausch in der lebendigen Bibliothek wandern die Bücher und Leser hoch zur Festung Königstein, denn 70 Jahre nach der Gründung dieser "Umerziehungseinrichtung" erinnert hier eine Sonderausstellung an diese Zeit. Noch bis Anfang November können sich Besucher der Ausstellung einen ganz eigenen Eindruck vom Leben im Jugendwerkhof verschaffen.

Im Begleitprogramm zur Sonderausstellung "Jugendwerkhof Königstein 1949 - 1955" Am 28. Mai 2019 gibt es in der Gedenkstätte Münchner Platz in Dresden einen Vortrag mit Diskussion zum Thema "Jugendwerkhöfe in der DDR". Als Redner und Vortragende sind der Sächsische Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, Kuratorin Maria Pretzschner, Ingolf Notzke vom Jugendwerkhof Torgau e.V., Zeitzeuge Alexander Müller und die Vorstandsvorsitzende der Betroffeneninitiative "Missbrauch in DDR-Heimen", Manuela Rummel, geladen. Beginn ist 19 Uhr.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 09.05.2019 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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3 Kommentare

19.05.2019 17:09 Paule 3

Habe in der Schule wie viele gelernt, anschließend normal gearbeitet und nie im Jugendwerkhof gewesen. Ging auch in der DDR.

19.05.2019 10:31 Sachse 2

Das ist Sozialismus Kevin!

19.05.2019 07:13 papa 1

Es muß auch die Frage gestellt werden wer kam in den Jugendwerkhof . Es waren nicht nur die gegen das System
rebeliert haben sondern auch andere Jugendliche !
Ich will es nicht schön heißen , aber manche davon waren
Arbeitsscheu und das wäre für manche Jugendlichen heute
mal eine Erziehung .

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