Wissenschaft Bergbau im Erzgebirge älter als gedacht

Die Entdeckung gilt als wissenschaftliche Sensation. Der Bergbau im Erzgebirge ist älter als bislang bekannt. Die Spuren führen bis in die Bronzezeit. Forschern aus Sachsens ist jetzt der Nachweis gelungen: Schon über 2.000 Jahre vor dem Beginn unserer Zeitrechnung bauten Menschen im Osterzgebirge Zinn ab. Das Schwermetall war für die Herstellung von Bronze nötig und damit essenziell für das Zeitalter.

Bergbau im Erzgebirge schon in der Bronzezeit
Es sieht unspektakulär aus, gilt jedoch als wissenschaftliche Sensation. An der roten Weißeritz bei Schellerhau nahe Altenberg entdeckten Forscher Spuren des Bergbaus aus der Bronzezeit. Bildrechte: Landesamt für Archäologie Sachsen, Martin Jehnichen

Im Osterzgebirge ist bereits viel früher als angenommen Zinn abgebaut worden. Das teilte das sächsische Landesamt für Archäologie MDR SACHSEN mit. Forschern zufolge begann die Förderung des wertvollen Rohstoffs bei Schellerhau nahe Altenberg bereits in der Bronzezeit, über 2.000 Jahre vor Christi. Ein Holzkohlefund in drei Metern Tiefe brachte den Beweis.

"Die Entdeckung gleicht einer Sensation. Uns ist ein Beweis mit großem wissenschaftlichen Wert gelungen", sagte Wissenschaftlerin Regina Smolnik MDR SACHSEN. Zwar sei schon lange vermutet worden, dass die Spuren des Bergbau im Erzgebirge viel weiter als nur in das Mittelalter zurückgehen. Doch der Nachweis habe gefehlt. Bislang ist bekannt, dass Silbererzfunde in Freiberg um das Jahr 1168 das sogenannte Berggeschrey im Erzgebirge auslösten.

Zinn aus dem Erzgebirge für ganz Mitteleuropa

"Jetzt können wir die Spuren des Bergbaus bis in Urgeschichte beweisen", freut sich Forscherin Smolnik. Die Bronzezeit sei für Europa eine der wichtigsten Epochen gewesen. "Die Menschen verarbeiteten noch wenig Eisen, hatten aber schon die Steinwerkzeuge verlassen." Metallgegenstände seien in diesem Zeitalter vornehmlich aus Bronze hergestellt worden. Zinn sei dafür ein zentraler Rohstoff gewesen. Und: "Zinn gab es nach bisherigen Erkenntnissen in ganz Mitteleuropa nur im Erzgebirge", sagte Smolnik. Zinn aus dem Erzgebirge war also ein zentraler Rohstoff für ganz Mitteleuropa. Dies wiederum führte zu wirtschaftlichen Vorteilen der Region und einer  Entwicklung von Strukturen und auch Eliten - wie sie andere Regionen nicht kannten. Salopp formulierte: Die Entdeckung zeigt, dass das Erzgebirge schon in der Urgeschichte ein Vorreiter war. Der Bergbau hat nicht nur im Mittelalter, sondern bereits lange Zeit vor unserer Zeitrechnung zu wirtschaftlichen Vorteilen, Wohlstand und einer gewissen Sonderstellung geführt.

Nachweis über Pollen und Zerfall von Kohlenstoff

Doch wie bitte lässt sich denn herausfinden, dass Spuren bis in die Bronzezeit reichen? "Wir hatten auch Glück", erklärt Forscherin Smolnik. "Nach einer Laser-Analyse bei der alle Bäume aus dem Gelände herausgerechnet worden sind, hatten wir in einem Geländemodell einen besseren Überblick und konnten das Suchfeld eingrenzen." Dort habe eine Erdschicht gelagert, von Humus verdeckt und gesichert, die seit der Bronzezeit keinen anderen Einflüssen ausgesetzt war. "Wie ein moderner Zeltplatz", erklärt Smolnik. Auf der untersuchten Fläche seien schließlich Holzkohlefragmente entdeckt worden. Per radioaktiver Messung über den Zerfall des Kohlenstoffs und eine Pollenanalyse sei schließlich der Nachweis gelungen.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Sachsenspiegel | 01.11.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 02. November 2018, 18:33 Uhr

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