Rechtsterrorismus Mutmaßliche Unterstützer der "Gruppe Freital" belasten sich schwer

Über Jahre hinweg hat die Justiz wegen rechten Terrors auch gegen die "Gruppe Freital" ermittelt. Mehrere Rädelsführer sind bereits rechtskräftig verurteilt worden. Nun wird mutmaßlichen Mitgliedern und Unterstützern der Gruppe aus der zweiten Reihe der Prozess gemacht.

«Gruppe Freital»
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor dem Oberlandesgericht Dresden hat ein zweiter Prozess gegen mutmaßliche Mitglieder der rechtsterrorristischen "Gruppe Freital" begonnen. Drei Männer und eine Frau im Alter von 31 bis 53 Jahren müssen sich als Unterstützer verantworten. Sie sollen sich zum Teil an Sprengstoffanschlägen beteiligt haben. Ihnen wird wechselnde Tatbeteiligung vorgeworfen, einem der Angeklagten Beihilfe zum versuchten Mord. Die 31-jährige Frau soll laut Anklage die Gruppe unterstützt und zudem verfassungsfeindliche Symbole verwendet haben. Einer der mutmaßlichen Unterstützer sagte zu Beginn des Prozesses am Montag ausführlich aus.

Detaillierte Aussagen zu Anschlägen

Der 31 Jahre alte Angeklagte machte teils sehr detaillierte Angaben zu den Treffen der Gruppe, den Beteiligten und Tatvorbereitungen. Ziel dieser "Gruppe Freital" waren Sprengstoffanschläge auf Asylbewerberunterkünfte sowie auf politisch Andersdenkende. Der Mann hatte nach seiner Aussage selbst einmal Sprengstoff aus Tschechien mit anderen Mitgliedern der Gruppe besorgt und war bei dem Anschlag auf das Auto von Linken-Stadtrat Michael Richter im Sommer 2015 beteiligt. Er habe einen der Sprengsätze in das Auto geworfen, sagte er vor Gericht. Richter habe sich für Flüchtlinge eingesetzt.

Zur Gruppe sei er gekommen, nachdem er bei einer Demo gegen ein geplantes Flüchtlingsheim in Kontakt mit Mitgliedern kam. Die Demo hatte der kahlrasierte Mann eigenen Angaben nach "aus Langeweile besucht". Den Protest gegen Flüchtlinge im nahen Heidenau will er am 22. August nur "aus Neugier" besucht und dort gefilmt, die Krawalle vor dem zum Camp umgestalteten Baumarkt aber nicht unterstützt haben. Auf Nachfrage gab er vor Gericht eine rechte Einstellung zum Tatzeitpunkt zu.

Angeklagte zu Gewalttaten: "Ich habe es geduldet"

Auch einzige Frau auf der Anklagebank sagte am Montag aus. Die 31-Jährige hatte demnach durch ihren Freund Zugang zu den Chats der Gruppe. Der Mann war im ersten Prozess gegen die Vereinigung als einer von acht Angeklagten verurteilt worden. Die Frau gab an, die Chats nur "sporadisch" gelesen zu haben. Auch will sie erst im Nachhinein von Aktionen erfahren haben. An der Planung sei sie nicht beteiligt gewesen. "Ich habe es geduldet, sagen wir mal so", sagte sie zu den Gewalttaten. Ziel sei es gewesen, Menschen Angst zu machen. Sie bezog sich dabei sowohl auf die Politiker, die Flüchtlinge unterstützten, als auch auf die Flüchtlinge selbst.

Nach ihren Angaben hat sich die Gruppe schnell radikalisiert, "da hat man dann mitgezogen". Auch zum Fotoshooting der Gruppe mit Hakenkreuzfahne und Hitlergruß sei sie nur gekommen, weil sie ihrem Freund nach einem Konzertbesuch mit anderen Freunden folgte.

Auch die anderen beiden Angeklagten, die mutmaßlichen Mitglieder der Terrorgruppe, haben signalisiert, aussagen zu wollen. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. Für die Hauptverhandlung sind bis Januar 2021 insgesamt 25 Termine angesetzt, 19 Zeugen werden geladen.

Vier Verurteilte aus 1. Prozess schon wieder auf freiem Fuß

Ein Teil der rechten Terrorgruppe stand bereits in einem ersten Prozess 2018 vor Gericht. Damals waren acht Angeklagte rechtskräftig verurteilt worden. Gegen die beiden Rädelsführer wurden Haftstrafen von neun Jahren und sechs Monaten beziehungsweise zehn Jahren verhängt. Vier der vor rund zwei Jahren Verurteilten sind nach Angaben der OLG-Sprecherin Gesine Tews inzwischen wieder auf freiem Fuß - allerdings auf Bewährung. Die "Gruppe Freital" war 2018 vor dem Oberlandesgericht Dresden als rechtsterroristische Vereinigung eingestuft worden.

Quelle: MDR/kk/jr/epd/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 07.09.2020 | in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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