Robert K. Öffentlichkeitsfahndung Mord Dresden Polizei Dresden
Bildrechte: Polizeidirektion Dresden

Mutmaßlicher Mörder aus Dresden Robert K. könnte Munition selbst hergestellt haben

Drei Tage nach dem SEK-Einsatz in Königsbrück haben wir den Schützenverein besucht, in dem der mutmaßliche Mörder Robert K. Mitglied war. Der Vereins-Chef vermutet: K. könnte seine Munition selbst hergestellt haben.

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Der Schützenverein "Privilegierte Scheiben-Schützen-Gesellschaft zu Dresden" steht unter Schock, dass ihr langjähriges Mitglied Robert K. ein mutmaßlicher Mörder ist und sich mit einer gestohlenen Waffe ein Gefecht mit der Polizei lieferte, bevor er sich selbst erschoss. Das können die Verantwortlichen nur schwer verkraften.

Besuch beim Dresdner Schützenverein des Ex-Soldaten Robert K., der mutmasslich eine alte Frau ermordet hat und sich diese Woche ein Schießerei mit der Polizei lieferte, bevor er sich selbst erschoss
Uwe Steffen Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Robert war seit fünfeinhalb Jahren Mitglied im Verein. Wir kannten ihn nur als einen zuverlässigen und kameradschaftlichen Menschen.

Uwe Steffen Präsident der Privilegierten Scheiben-Schützen-Gesellschaft zu Dresden

Er habe ein bis zweimal pro Woche trainiert und viele Freunde im Verein gehabt. Auch Waffenkammerdienste habe er regelmäßig übernommen. Dort sei er für die Ausgabe von Waffen zuständig gewesen. "Die Hintergründe der Tat und auch der kaltblütig geplante Ablauf sind uns unerklärlich", sagt Steffen. Am vergangenen Freitag, als Robert K. die Waffe entwendete, habe es keine Anzeichen gegeben. "Er hat sich ganz normal verhalten und nach dem Schießtraining noch mit ein paar Vereinskameraden zusammengesessen und auf den Geburtstag eines Kameraden angestoßen."

Robert K. hatte keinen Personalausweis dabei

Ein Vorkommnis gab es dennoch: "Eigentlich muss man beim Ausleihen der Waffe den Personalausweis hinterlegen. Robert hatte aber keinen bei sich. Weil er im Verein großes Vertrauen genoss, ging es in diesem Fall mal ohne Ausweis. Dieses Vertrauen hat er auf kriminelle Art ausgenutzt."

Besuch beim Dresdner Schützenverein des Ex-Soldaten Robert K., der mutmasslich eine alte Frau ermordet hat und sich diese Woche ein Schießerei mit der Polizei lieferte, bevor er sich selbst erschoss
In solchen Koffern werden die Waffen bei dem Verein aufbewahrt. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Zunächst absolvierte er dann regulär sein Training, bevor er die Waffe mit nach Hause schmuggelte. "Nach dem Training hat er die Waffe wohl durch ein ähnlich schweres Werkzeug ersetzt, was erst bei der Kontrolle am Sonnabend festgestellt wurde", sagt der Vereinspräsident. Folgen hat dieses missbrauchte Vertrauen vor allem für den Waffenwart: "Wir haben versucht, mit ihm zu sprechen, um den Vorgang zu rekonstruieren. Er ist aber nur sehr schwer ansprechbar und steht unter Schock. Momentan befindet er sich in ärztlicher Behandlung", sagt Steffen.

Waffenkammerdienst wird neu geregelt

Als Konsequenz aus den Vorfällen soll jetzt der Waffenkammerdienst neu geregelt werden. "Wir hatten das ohnehin schon beschlossen, aber noch nicht vollkommen umgesetzt." Statt bisher zehn Leuten, dürften in Zukunft nur noch zwei den Dienst übernehmen. "Außerdem werden wir noch mehr darauf achten, dass die Prozedur der Ausgabe, Rückgabe und Kontrolle strikt eingehalten wird, ohne irgendwelche Vertrauensvorschüsse", sagt Steffen, der darauf verweist, dass es einen solchen Vorfall in seinem Verein bisher nicht gegeben habe.

Robert K. besuchte Lehrgang zur Aufbereitung von Munition

Stellt sich noch die Frage, woher Robert K. die Munition für den 357er Revolver hatte? "Von uns stammt die Munition nicht. Unsere Bestände sind korrekt", sagt Steffen.

Besuch beim Dresdner Schützenverein des Ex-Soldaten Robert K., der mutmasslich eine alte Frau ermordet hat und sich diese Woche ein Schießerei mit der Polizei lieferte, bevor er sich selbst erschoss
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Allerdings habe Robert K. einen Lehrgang besucht, der ihn berechtigte, Munition wieder zu laborieren, so Steffen. Bei dem Vorgang wird verbrauchte Munition erneut aufbereitet, indem leere Patronenhülsen mit einem neuen Anzündhütchen, Pulver und einem Geschoss ausgestattet werden. "Die Vermutung liegt sehr nahe, dass Robert selbst laborierte Munition verwendet hat", sagt der Vereinspräsident.

Behörden hatten keine Hinweise auf Fehlverhalten

Dass nicht nur der Verein keine Anzeichen für die Tat erkannte, sondern auch die offiziellen Stellen nichts bemerkten, bestätigt die Dresdener Stadtverwaltung auf Anfrage von MDR SACHSEN. So habe Robert K. seit 2013 eine Waffenbesitzkarte für Sportschützen besessen und sei regelmäßig auf seine waffenrechtliche Zuverlässigkeit und persönliche Eignung kontrolliert worden. Zudem habe er alle erforderlichen Nachweise einer rechtmäßigen Aufbewahrung erbracht, teilte eine Sprecherin der Stadt Dresden mit.

K. soll aus Rache gehandelt haben

Am Montag hatte es wegen Robert K. einen Großeinsatz der Polizei gegeben. Er wurde verdächtigt, seine 75 Jahre alte Nachbarin getötet zu haben. Durch eine Öffentlichkeitsfahndung konnte der 33-Jährige schließlich in der Königsbrücker Heide ausfindig gemacht werden. Dort hatte er sich in einem alten Garnisonsgebäude einer ehemaligen Kaserne versteckt. Stundenlang verschanzte er sich dort, immer wieder fielen Schüsse. Dabei wurden ein GSG-9-Beamter und ein Diensthund verletzt. Schließlich wurde er tot im Dachgeschoss des Gebäudes entdeckt. Er hatte sich selbst erschossen.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.05.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 17. Mai 2018, 19:30 Uhr