25.04.2020 | 17:42 Uhr Corona-Quarantänetipps aus dem Knast

Abstand halten - das ist nach wie vor die Strategie im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus. Für viele bedeutet das noch immer, dass sie oft alleine sind. Psychologen, Sozialarbeiter und sogar Nonnen geben auf allen möglichen Kanälen Quarantänetipps. In Sachsen melden sich jetzt auch noch ganz andere "Experten" zu Wort.

Eine Person winkt aus einem Gefängnisfenster.
Eingesperrt und isoliert - so sieht der Alltag von JVA-Gefangenen aus. Doch wie gehen sie mit den Beschränkungen in ihrem Leben um? Ihre Tipps von drinnen können in der Krise helfen. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

In der Justizvollzugsanstalt Zeithain sitzen fast 400 Männer hinter Gittern. Monate oder Jahre verbringen sie hier; raus aus ihren Zellen dürfen sie nur selten. Was Isolation bedeutet, wissen diese Männer also sehr genau und haben sich Strategien zurechtgelegt, wie das zusammenleben trotzdem klappt. "Es ist eine angespannte Situation - für jeden. Gerade wenn man lange aufeinander hockt, kommt auch öfter mal Streit auf", erzählt einer der Gefangenen. Da hilft nur: Ruhig bleiben!

Kreativ gegen Langeweile

Das geht am besten mit Kreativität, meinen die fünf Kunsttherapeuten, die im Gefängnis arbeiten. Einer von ihnen ist Alfred Haberkorn. Täglich kümmert er sich um die Gefangenen - jedenfalls war das bis vor zwei Wochen der Fall. Der Therapeut fühlte sich plötzlich krank. Wegen Covid-19 musste er sofort in Quarantäne und erkannte: "Eigentlich sind die Leute, mit denen ich täglich zu tun habe, diejenigen, die sich mit solchen Beschränkungen doch am besten auskennen."

Ein Mann steht vor einem Gefängnis.
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Es wäre doch mal wirklich interessant, die 'Experten' zu fragen, was kann man tun, um nicht wahnsinnig zu werden!

Alfred Haberkorn Kunsttherapeut in der JVA Zeithain

Außergewöhnliche Ratgeber

Nachdem der Kunsttherapeut wieder fit war, hieß es: Film ab für eine außergewöhnliche Ratgeberrunde. Zwei Tage befragte Haberkorn seine Gefangenen. Dabei wird deutlich: Handarbeiten gegen Buden-Koller sind der Renner. Aber auch kochen und Kräuter selbst ziehen: "Wir haben die Fensterbretter voll damit. Petersilie, Schnittlauch, alles, was man jetzt so anpflanzen kann. Demnächst machen wir auch Tomaten." Aber auch das Singen ist ein beliebter Zeitvertreib.

Gefangene als Teil der Gesellschaft verstehen

Tipps von drinnen nach draußen, die gab es so noch nie. Die Anstaltsleitung hofft, dass die Häftlinge von möglichst vielen gehört werden. Oliver Schmidt, Leiter der JVA Zeithain meinte: "Wir wollen resozialisierte Menschen, die sich als Teil der Gesellschaft fühlen. Und was kann man Besseres tun, als als Gefangener Ratschläge an Menschen in Freiheit zu geben, wenn die mal eingeschlossen sind. Das ist eine schöne Sache, dass wir uns da so gegenseitig in der Krise etwas näherkommen."

Tipps im Netz

Auf der Facebook-Seite 'Kunst im Gefängnis' sind die Ratschläge der Gefangenen online abrufbar. Kunsttherapeut Haberkorn hat die besten Tipps zusammengestellt.

Wenn sich jeder daran hält, wirklich mal vier Wochen zu Hause zu bleiben, dann ist das Virus im Nu ausgemerzt. Bleibt stark, haltet durch, wascht Euch die Hände, haltet Euren Abstand, dann haben wir es bald geschafft - mit dem Virus!

Silvio Gefangener der JVA Zeithain

Und falls es doch länger dauern sollte, dann drehen die Männer aus Zeithain Isolationstipps Teil 2.

Quelle: MDR/kp/as

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.04.2020 | 19:00 Uhr

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