Peter Sodann in seiner DDR-Bibliothek im sächsischen Staucha
Noch lagern zahlreiche Bücher der DDR-Bibliothek in Banankisten und Warten darauf, in die Regale eingeräumt zu werden. Bildrechte: dpa

Zukunftsperspektive DDR-Bibliothek in Staucha soll Genossenschaft werden

Millionen Exemplare von DDR-Literatur lagern in der Bibliothek von Peter Sodann. Finanziell befindet sich das Projekt immer wieder in Schieflage. Nun will der ehemalige Tator-Kommissar eine Genossenschaft gründen.

Peter Sodann in seiner DDR-Bibliothek im sächsischen Staucha
Noch lagern zahlreiche Bücher der DDR-Bibliothek in Banankisten und Warten darauf, in die Regale eingeräumt zu werden. Bildrechte: dpa

Für die DDR-Bibliothek in Staucha hat der Gründer Peter Sodann die Bildung einer Genossenschaft angekündigt. Damit wolle er dem finanziell angeschlagenen Projekt eine neue Zukunftsperspektive geben, erklärte er MDR SACHSEN. Ein Anteilsschein soll 250 Euro kosten und könne voraussichtlich ab September erworben werden.

Bis jetzt hatte der 82-jährige Schauspieler und Regisseur den Betrieb der Bibliothek über den Verkauf antiquarischer Bücher finanziert. Doch das Geld reiche nicht aus. Anderthalb Stellen und zahlreiche Freiwillige haben laut Sodann geholfen, zehn Regalkilometer mit Büchern aus der DDR zu füllen.

Kritik an ausbleibender Förderung

Kritik übt Sodann an den Kulturverantwortlichen auf Landes- und Bundesebene, die seiner Meinung nach die Bibliothek nicht ernstnehmen: "Sie kriegen überall nur negativen Bescheid. Die schreiben immer nur, die Bibliothek wäre Unsinn. Das geht bis zum Bundespräsidenten." Trotz der Kritik sieht der ehemalige Tatort-Kommissar eine veränderte Stimmungslage in der Wahrnehmung der DDR. "Es scheint mir so, als würde die Beschädigung der DDR nachlassen und eine leichte Würdigung eintreten." Aus diesem Grund hat Sodann auch Expansionspläne. In Thüringen und Sachsen-Anhalten, sollen einige Kleinstädte Interesse an der Sammlung haben.

Der Bestand der Bibliothek umfasst laut Sodann ungefähr 2,5 Millionen Exemplare. Wie viele es genau sind, könne erst gesagt werden, wenn alle ausgepackt sind. Auch in Oschatz sollen in einer Halle weitere Hunderttausend Bücher lagern, die zwischen 1945 und 1990 in der DDR veröffentlicht worden sind.

Quelle: MDR/mar

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 30.07.2018 | 19:00 Uhr

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 30. Juli 2018, 19:37 Uhr

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5 Kommentare

31.07.2018 15:49 Bürger der früheren DDR 5

an Thüringerin: Genau diese Haltung hat wohl Peter Sodann gemeint. Es zeugt nicht von weitem Horizont, wenn man es nicht mal eine Sekunde lang schafft, über den eigenen Schatten zu springen und eigene Antipathien hintenan zu stellen. Es erinnert schon ein wenig an die Bilderstürmerei von SED Funktionären. Ich bin nicht gerade ein Fan der christlichen Kirchen, weiß aber ihren Beitrag zu Kultur und geistiger Entwicklung durchaus zu würdigen.

31.07.2018 07:15 Der Lange 4

Herr Sodann, den ich persönlich kenne und sehr schätze, kümmert sich um Kulturerbe. Nicht mehr und nicht weniger. Die öffentliche Hilfe, die sonst so freizügig mit Gießkannen verstreut wird, bleibt aus. Dies sagt viel über das Verhältnis einerseits achtenswerter Persönlichkeiten und andererseits unserer "Politiker" zur Geschichte. Dazu noch ein Zitat: Ein Volk, das seine Vergangenheit nicht ehrt, hat keine Zukunft.
Danke an Herrn Sodann. Meine Meinung über unsere Politikdarsteller: siehe oben (sonst wird´s gelöscht).
Noch Fragen, Kienzle?

31.07.2018 00:17 Ex - Thüringerin 3

"Es scheint mir so, als würde die Beschädigung der DDR nachlassen und eine leichte Würdigung eintreten." - das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen! - stellen sich die Fragen: WER hat WEN "beschädigt"? die Bürger ihren Staat oder nicht eher umgekehrt!? - das sagt einer, der 2009 als Bundespräsident-Kandidat aufgestellt wurde und Dt. als "schwächelnde" bzw. keine Demokratie bezeichnete. - eines seiner Lieblingsbücher (nach eigener Aussage): E. Honecker "Aus meinem Leben" (mit persönl. Widmung) - @1. Hodi - diese (Weltkultur-)Erbschaft würde ich doch glatt ausschlagen...

30.07.2018 22:27 part 2

Die bedeutensten Vernichtungen von Schriftgut fanden in der Geschichte wohl zuerst mit dem Brand der Bibo in Alexandia statt, danach kam die DDR- Literatur auf die Müllhalde oder ins Altpapier, erst an dritter Stelle kommen die öffentlichen Bücherverbrennungen der Faschisten in Europa an Masse und Inhalt, aktuelle Buchmessen eingeschlossen. Die Rettung dieser BIBO ist also dringend erforderlich so lange bestimmte Kreise die geschichtliche Deutungshoheit über die DDR mit Hilfe von öffentlichen Mitteln forcieren. Peter Sodann sollte mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt werden und ihm öffentliche Förderung zu Teil werden.

30.07.2018 17:04 Hodi 1

Man oh man, wie können die Menschen so schnell ihre Vergangenheit hinter sich lassen !! Das könnte doch zum Weltkulturerbe werden, wenn jeder ehemalige Bürger der DDR seinen Beitrag dazu leisten würde. So etwas ist einmalig und muss erhalten bleiben. Ich bin dafür Peter Sodann. Daumen hoch.
Kleiner Tipp noch von mir. In Lietzow auf Rügen gibt's auch noch einen tollen Bücherladen. Da werde ich auch oft fündig mit tollen Büchern...
Liebe Grüße
Euer Hodi

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