Die Angeklagten sitzen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Dresden (Sachsen) zu Prozessbeginn im Verhandlungssaal.
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Prozess um "Gruppe Freital" Verteidiger bestreiten Terror- und Mordvorwurf

Nach fast 70 Prozesstagen war die Bundesanwaltschaft überzeugt: Die "Gruppe Freital" ist eine terroristische Vereinigung und ihre Mitglieder des versuchten Mordes schuldig. Das sehen die Verteidiger der acht Angeklagten anders. Nach Staatsanwaltschaft und Nebenklägern halten sie jetzt ihre Schlussvorträge.

Die Angeklagten sitzen in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Dresden (Sachsen) zu Prozessbeginn im Verhandlungssaal.
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Im Prozess gegen die rechtsextreme "Gruppe Freital" in Dresden hat die Verteidigung der zwei Hauptangeklagten Timo S. und Patrick F. niedrigere Haftstrafen gefordert.

Der Verteidiger von Timo S. wies die Vorwürfe der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zurück. Es handele es sich bei der Gruppe nicht um eine terroristische, "sondern nur um eine kriminelle" Vereinigung. "Das 'nur' bitte ich in Anführungszeichen zu setzen", sagte Rechtsanwalt Michael Sturm am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht. Sturm räumte jedoch ein, dass sich sein Mandant als Rädelsführer einer kriminellen Vereinigung unter anderem der Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion und der gefährlichen Körperverletzung schuldig gemacht habe. Die Vorwürfe des Mordes wies er zurück, da ein Tötungsvorsatz fehle. Er plädierte, den 28-jährigen Busfahrer mit sieben Jahren Haft zu bestrafen. Die Bundesanwaltschaft hatte zehn Jahre und neun Monate gefordert.

Der Angeklagte Timo S. kommt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Dresden (Sachsen) zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal.
Timo S. gehört zu den zwei Hauptangeklagten der "Gruppe Freital" und gilt als Rädelsführer. Hier betritt er am 17. Januar den Verhandlungssaal in Dresden. Bildrechte: dpa

"Nur gefährliche Körperverletzung"

Der Verteidiger des zweiten Hauptangeklagten Patrick F. wies nicht nur die Mitgliedschaft in einer terroristischen, sondern auch in einer kriminellen Vereinigung zurück. Es habe "keine feste Struktur in einer homogenen Gruppe, keine regelmäßigen Treffen, keine Verpflichtung zur Verschwiegenheit und keine konspirative Vorgehensweise" gegeben, sagte Anwalt Andreas Schieder. Gleichzeitig wies er auch für Patrick F. den Vorwurf des versuchten Mordes zurück. Es gebe dafür keine Anhaltspunkte, es handle sich "nur um gefährliche Körperverletzung".

Als entlastend sei zudem zu werten, dass Patrick F. bei den Ermittlungen kooperiert und sich bei einem der Opfer per Brief entschuldigt habe, sagte sein zweiter Verteidiger Hansjoerg Elbs. Zudem habe Patrick F. zur Aufklärung beigetragen. Elbs sprach von einem "überzogenen, unverhältnismäßig hohen geforderten Strafmaß der Ankläger, dass bei weitem die Schuld seines Mandanten übersteige". Die Verteidiger forderten für Patrick F. "nicht mehr als sechs Jahre" Haft. Die Bundesanwaltschaft hatte für elf Jahre Gefängnis plädiert.

Der Angeklagte Patrick F. wird zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal geleitet.
Die Verteidiger forderten für den zweiten Hauptangeklagten Patrick F. "nicht mehr als sechs Jahre Haft". Die Bundesanwaltschaft hatte für elf Jahre plädiert. Bildrechte: dpa

Bundesanwaltschaft sieht terroristische Vereinigung

Zusammen mit Timo S. und Patrick F. stehen seit März vergangenen Jahres fünf weitere Männer und eine Frau im Alter zwischen 20 und 40 Jahren vor dem Oberlandesgericht Dresden. Neben der Bildung einer terroristischen Vereinigung wirft die Bundesanwaltschaft den acht Beschuldigten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren versuchten Mord sowie gefährliche Körperverletzung vor. Sie sollen zwischen Juli und November 2015 Sprengstoffanschläge auf Flüchtlingswohnungen, ein linkes Wohnprojekt und politische Gegner verübt haben.

Einige der Angeklagten hatten die Taten eingeräumt, bestritten jedoch die Absicht zu töten. Ihre insgesamt 16 Verteidiger werden an den kommenden Verhandlungstagen weiter plädieren. Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt. Mit einem Urteil wird voraussichtlich im März gerechnet.

Der Richter Thomas Fresemann kommt in der Justizvollzugsanstalt (JVA) in Dresden (Sachsen) zu Prozessbeginn in den Verhandlungssaal.
Der Richter Thomas Fresemann wird im Prozess um die "Gruppe Freital" das Urteil sprechen. Es wird im März erwartet. Bildrechte: dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.01.2018 | ab 12:00 in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 24.01.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Januar 2018, 16:55 Uhr