Wohnhäuser und Grundstücke sind von Wasser der Elbe umspült
Bildrechte: Stadt Coswig

Hochwasserschutz in Brockwitz Haus anheben statt Deich bauen

Wohnhäuser und Grundstücke sind von Wasser der Elbe umspült
Bildrechte: Stadt Coswig

Die Stadt Coswig will einen hochwassergefährdeten Straßenzug im Ortsteil Brockwitz auf besondere Weise schützen: Die Häuser sollen hydraulisch angehoben werden. Forscher schauen sich das Gelände heute an.

Die etwa 25 Häuser in der Niederseite in Brockwitz standen bereits mehrmals im Hochwasser. Zuletzt erwischte sie das Juni-Hochwasser von 2013, wie Olaf Lier, der Fachbereichsleiter Ordnungswesen der Stadt Coswig erklärte. Er hat das Projekt "Hausanhebung" vorangetrieben. Danach sollen die Häuser um ein bis zwei Meter in die Höhe gehoben werden und damit im Katastrophenfall über dem Wasserspiegel stehen.

Neues Landschaftsbild in Brockwitz

Am Donnerstag besichtigen 75 Studenten der Hochschule Ostwestfalen-Lippe (NRW) den Straßenzug. Die künftigen Architekten wollen die Auswirkungen auf das Landschaftsbild abschätzen. Am Freitag kommen Naturschützer, Denkmalschützer und Hydrologen hinzu. Ab 9:00 Uhr beraten sie in der Feuerwache Brockwitz, die zugleich die Wasserwehr beherbergt, über das Projekt.

Wenn man so ein Haus um ein paar Meter anhebt, dann sieht das schon anders aus, als vorher.

Olaf Lier Stadtverwaltung Coswig, Fachbereich Ordnungswesen

Das Forschungsprojekt wird vom Bundesumweltministerium unterstützt. Im Jahr 2019 sollen die Ergebnisse vorliegen.

Unklare Finanzierung der Hausanhebung

Danach könnte es an die praktische Umsetzung gehen. Die Finanzierung ist noch offen. Die Anhebung eines Hauses kostet laut Lier zwischen 100.000 und 150.000 Euro. Praktiziert wurde das Verfahren bereits in der Tagebaulandschaft bei Leipzig. Für die geplante Anhebung von Häusern für den Hochwasserschutz gibt es bislang aber keine Förderprogramme. Selbst wenn es eine Förderung gäbe, so Lier, müssten sich auch die Anwohner finanziell beteiligen.

Örtlicher Pfarrer nicht begeistert

Die Brockwitzer Kirche in der Nähe der Niederseite ist von der geplanten Anhebung nicht betroffen, wohl aber das Pfarrhaus. Das Haus stand in den Hochwassern von 2002 und 2013 mit 75 Zentimeter unter Wasser.

Man hat jahrzehntelang in die Überschwemmungsbereiche hineingebaut. Daran werden wir nun erinnert.

Matthias Quentin Pfarrer in Brockwitz

Pfarrer Matthias Quentin ist von dem Projekt trotzdem nicht begeistert. Hochwasserschutz sei zwar sinnvoll, sagte er MDR SACHSEN. Dennoch sollte man eher den Einklang mit der Natur suchen. Wasser brauche nun einmal Raum, so der Pfarrer.

Quellen: Stadtverwaltung Coswig/Pfarrei Brockwitz/MDR/as


Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 26.10.2017 | 14.30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 27. Oktober 2017, 09:26 Uhr

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2 Kommentare

27.10.2017 09:41 Na so was 2

Frage zu "Wie ein Haus angehoben wird" (Schritt 1 in der Darstellung): Obergeschoß wird hydraulisch angehoben um eine Etage (also ca. zwei, drei Meter). Also müssen alle Versorgungsleitungen (Strom, Wasser, Abwasser, ...) gekappt bzw. komplett neu verlegt werden. Und das deswegen, weil den heutigen "Häusle-Besitzern" die Baufreigabe ins Hochwasserschutzgebiet genehmigt wurde. Dem Bericht ist leider nicht zu entnehmen, in welchem Jahr die Baugenehmigungen erteilt worden sind.
"Vielleicht wußten die Behörden, die die Baugenehmigung erteilt haben, nicht, dass in unmittelbarer Nähe die Elbe fließt ??? Da trifft sie natürlich keine Schuld."

26.10.2017 19:30 T. Altdorfer 1

Und was nun, wenn die Anhebung schief geht und die Häuser dadurch Risse bekommen oder die Statik versagt?