Vor der Flüchtlingsunterkunft Rechtsradikale greifen erneut Polizisten in Heidenau an

In Heidenau bei Dresden haben mehr als 150 Rechtsradikale in der zweiten Nacht in Folge Polizisten angegriffen, die dort eine Notunterkunft für Flüchtlinge schützen. In dem ehemaligen Baumarkt in einem Gewerbegebiet der Stadt sind inzwischen mehr als 200 Flüchtlinge untergebracht. Die Polizei konnte die Angreifer stoppen.

Vor einer Flüchtlings-Notunterkunft in Heidenau bei Dresden ist es erneut zu Krawallen gekommen. Nach den Ausschreitungen in der Nacht zum Sonnabend war die Lage am Sonnabend tagsüber zunächst ruhig geblieben, bevor es gegen 23 Uhr einen erneuten Gewaltausbruch gab.

Polizei: Situation aus dem Nichts eskaliert

Wie ein MDR-Reporter berichtete, warfen etwa 150 Rechtsradikale Böller, Steine, Flaschen und sogar Straßenabsperrungen nach den Polizisten. Die Situation sei wie aus dem Nichts eskaliert. Auch die Polizei sprach von einer neuen Qualität. Als sei ein Hebel umgelegt worden, beschrieb ein Beamter die Situation zu Beginn. Die Polizei sei aber besser vorbereitet gewesen als Freitagnacht und konnte den Mob zurückdrängen. Aber auch danach gab es Jagdszenen zwischen Beamten und Rechten. Augenzeugen berichten von Rufen wie "Hier ist der nationale Widerstand" oder "Ausländer raus". Eine Polizeisprecherin sagte am Sonntagmorgen, zwei Polizisten seien verletzt worden.

Göring-Eckhardt: Heidenau Folge von Pegida-Toleranz

Ich warne vor einem neuen rechten Terrorismus à la NSU. Die Zögerlichkeit von Angela Merkel, hier die richtigen Worte zu finden, kann ich nicht mehr verstehen. Einzelne Krawalle kann man nie ausschließen. Wenn aber ein rechter Mob in zwei Nächten nacheinander Menschen bedrohen kann, dann ist das Gewaltmonopol des Staates in Gefahr. Heidenau ist eine direkte Folge der falsch verstandenen Toleranz der sächsischen Landesregierung gegenüber Pegida."

Katrin Göring-Eckhardt, Fraktionschefin der Grünen im Bundestag

Flüchtlinge verstehen die Situation nicht

Vor dem ehemaligen Praktiker-Baumarkt, in dem seit Freitag Flüchtlinge vorübergehend untergebracht sind, hatten sich im Laufe des Tages mehrere Einwohner von Heidenau eingefunden, um nach eigenen Angaben ein Zeichen zu setzen und die Asylsuchenden willkommen zu heißen und zu schützen. Angemeldet war auch eine Kundgebung der Antifa, an der nach Angaben der Veranstalter 250 Menschen teilnahmen. Die Polizei sprach von 150 Teilnehmern.

Am Nachmittag kamen einige Flüchtlinge aus ihrer Unterkunft, gesellten sich zu ihren Unterstützern und dankten ihnen. Bis zum Abend erreichten weitere Busse mit Flüchtlingen die Notunterkunft. An Bord waren unter anderem Familien mit Kindern. Insgesamt sind nun mehr als 200 Menschen in dem früheren Baumarkt untergebracht. Ein Flüchtling aus Afghanistan sagte "MDR aktuell", er habe Angst. Er habe die Demonstrationen mitbekommen und verstehe die Situation nicht. In Afghanistan sei die Situation schon wirklich schlimm, aber hier fühle er sich auch jetzt auch nicht wohl.

Gleichzeitig versammelten sich in der Nähe erneut auch Gegner der Flüchtlingsunterkunft. MDR-Reporter berichteten am Nachmittag von etwa 70 Rechtsradikalen. Diese hatten laut Behördenangaben keine Veranstaltung angemeldet. Im Lager der Gegner der Notunterkunft waren erneut auch Familien mit Kindern dabei.

Bürgermeister sieht nach Eskalation Ruf der Stadt beschädigt

Bereits am Freitagabend war die Situation eskaliert, als überwiegend Gewaltbereite die Ankunft der Flüchtlinge verhindern wollten und Zufahrten blockierten. Die Polizei schritt ein, es gab Dutzende Verletzte, unter ihnen mehr als 30 Polizeibeamte. Die Ankunft der Flüchtlinge verzögerte sich, außerdem wurden zunächst nur 93 nach Heidenau geschickt. Landes- und Bundespolitiker zeigten sich entsetzt angesichts der Gewaltbereitschaft in dem Ort.

Der Bürgermeister von Heidenau, Jürgen Opitz, fürchtet um den Ruf der Kleinstadt. Momentan bestimmten "schreckliche Bilder" die Nachrichten aus Heidenau. "Der Ruf unserer Stadt als familienfreundliche Gemeinde ist erheblich beschädigt", sagte der CDU-Politiker. Heidenau werde nicht von Nazis beherrscht. Zuvor hatte Opitz in den Medien und sozialen Netzwerken zu Solidarität mit den Flüchtlingen aufgerufen.

Ich rufe alle Bürgerinnen und Bürger zu Besonnenheit auf und bitte Sie um Zeichen der Solidarität mit den bereits in Heidenau befindlichen Flüchtlingen und mit denen, die in den nächsten Tagen im ehemaligen Praktiker-Baumarkt eine erste Zwischenstation auf ihrer beschwerlichen Flucht finden sollen.

Jürgen Opitz, Bürgermeister von Heidenau

Zuletzt aktualisiert: 23. August 2015, 19:41 Uhr

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357 Kommentare

25.08.2015 15:34 UL... woher kommt das "viele" Wissen ? 357

Bis zu 800.000 Migrantenwillige, Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge werden in diesem Jahr in Deutschland erwartet. Wenn Menschen aus einer Kriegsregion abhauen, dann ist das normal, das würde ich auch so machen und mir wünschen, anderswo aufgenommen zu werden. Bin selbst seinerzeit aus der DDR abgehauen und weiß, wie es in einer Erstaufnahme zugeht. In zahlreichen Kommentaren wird hier geschildert, dass alle Einwanderer und Migrationswillige auch gleichzeitig Flüchtlinge sind, diese schreckliche Dinge erlebt haben und folglich traumatisiert sind. Mich würde mal interessieren, woher diese Weisheiten stammen – doch sicherlich nicht aus eigenem Erleben oder gar eigenen Beobachtungen. Alles Wissen, sämtliche Infos kommen via Medien in die deutschen Haushalte, sind somit handerlesen und aufbereitet. Wer in der DDR groß geworden ist, muß noch wissen, wie das funktioniert mit der Presse und der Meinung. Die Folge, das Ergebnis spiegelt sich hier in zahlreichen Kommentaren wieder.

25.08.2015 12:29 Tim 356

Erstmal vorweg. Ich verurteile jegliche Gewalt.
Es wäre an der Zeit, dass Medien und Politiker mit Ihren Bürgern ehrlich umgehen.
Warum wird uns tagtäglich eingehämmert, dass jeder Flüchtling der Heilsbringer ist und viel mehr Wert als jeder Deutsche ist? Wer kennt die Leute die uns beglücken? Es gibt unter Ihnen keinerlei Kriminelle, nur super ausgebildete Fachkräfte, keine Sozialschmarotzer? Es wird keine Steuererhöhungen und Erhöhungen von Beiträgen auf Grund der Flüchtlingströme geben?
Ehrlichkeit würde endlich mal Not tun, genauso wie Konsequenzen gegenüber Flüchtlingen die wir hier nicht wollen. Dann würde sich auch die Einstellung von vielen Bürgern ändern und man würde gerne den wirklich Bedürftigen helfen.
Meine persönliche Meinung.

25.08.2015 12:01 Gerd 355

@ 354. Meistert: "(arm in deutschland ist nämlich anderswo wohlhabend)" ... Hungern in Hartz 4 und Bedingungsloses Grundeinkommen in Deutschland nur für Ausländer --- das ist Antirassismus in CDU-Grün-Linken Farben [gekürzt durch Redaktion]

25.08.2015 08:42 Meistert 354

Also das ist schon unglaublich... es werden die flüchlingsströme kritisiert von leuten die selbst nur im luxus gelebt haben (arm in deutschland ist nämlich anderswo wohlhabend).
Denkt ijr etwa die leute finden es gut ihr zuhause zurück zu lassen, alles zu verlieren und umzusiedeln in nen ehemaligen baumarkt??? Ich kann euch versichern... nein.
Weiterhin ist es einfach so dass deutscher wohlstand teilweise durch die situationen in diesen ländern erst gefördert werden. Erst profitieren und sich dann beschweren.. typisch für das deutsche volk und wirklich eckelhaft wenn man das so betrachtet...
Achja und wenn wir grade bei typisch deutsch sind... ihr werdet von eurer regierung nicht gefragt weil ihr grundsätzlich gegen alles seid was neu ist.
Schämt euch ihr ungeblideten, ihr falsch informierten, ihr egoisten und friedenszerstörer, denn von eich gibt es in diesem land ja überdurchschnittlich viele...

25.08.2015 06:21 Test 353

Das Gewaltmonopol des Staates ist schon lange in Gefahr. Dank der Grünen und Linken kann die Polizei immer weniger hart durchgreifen. Siehe Mafia aus dem Libanon in Berlin etc.

24.08.2015 21:25 MM 352

Fuer mich als Grosstaedter war es von der Grundschule, ueber die weiterfuehrenden Schule bis zur Universitaet immer selbstverstaendlich zusammen mit Menschen unterschiedlichster Kulturen zusammen zu leben und zu arbeiten. Dies habe ich immer als eine Bereicherung meines Lebens geschaetzt und ich kam zu dem Schluss das es in jedem Kulturraum nette Menschen und [entfernt, MDR.de-Redaktion]gibt. Spaeter dann habe ich aus beruflichen Gruenden selbst einige Zeit im Ausland verbracht und war sehr froh darueber sehr positiv empfangen worden zu sein. Direkt vom ersten Tage an wurde ich von den Nachbarn und Kollegen zum Grillen eingeladen und war in kuerzester Zeit integriert. Ich wuerde mich daher sehr darueber freuen wenn viel mehr Menschen in Deutschland sich die Muehe machen wuerden die Neuankoemmlige kennenzulernen anstatt diese pauschal abzulehnen und festzustellen, dass es auch dort nette Menschen und [entfernt, MDR.de-Redaktion] gibt.;-)

24.08.2015 20:01 Jürgen P. 351

zu339. Hans Meier: sie haben vergessen das auch die damalige brd-regierung aus der ddr die sogenannten "politisch verfolgten bürger" und deswegen u.a. von der stasi eingesperrten aus gefängnissen freigekauft haben.willman da auch noch anführen das hier geld geflossen ist und wir es jetzt als osten ehrwürdig erachten sollen?also man soll nicht so machen,als wenn man soooo human ist und allein die ddr-bürger, so oder so unterstützte!war nicht auch die ddr ein billigproduzent für große warenhauskette der damaligen brd,war ddr-bürger nicht auch versuchskaninchen für brd-pharmaindustrie wo westgesetze es verboten hatten bestimmte versuchsreihen zuzulassen? also man soll nicht die damalige brd nicht als ach so geldverschenkendes land darstellen! nach 1989 wurden diese gelder wieder eingefahren,als man im osten die infrastrukturen platt machte um sich so weiter am weltmarkt ,noch vor den osten,als führendes land profilieren konnte was in den nächsten jahrzehnten sich nicht ändern wird!

24.08.2015 18:48 John 350

Sind die Leute gefragt worden, ob sie die Flüchtlinge überhaupt wollen? Ich finde, die sollten auch das Recht haben, Nein zu sagen.

24.08.2015 18:34 Ich glaub´s nich 349

Verletzte Menschen, Feuer, Steine... DAS IST KEIN PROTEST... Das waren Angriffe auf Menschen.... Das war Körperverletzung! So sieht kein Protest aus!!! Die Menschen kommen zu uns, nicht weil es hier so schön ist, sondern weil sie um ihre Leben fürchten mußten! Habt bitte Mitleid mit diesen Menschen. Sie haben fürchterliches erlebt!!!
Vielen Dank an alle, die die Flüchtlinge unterstützen und Ihnen helfen!!!

24.08.2015 18:04 Kontrollstellen? 348

Gerade beobachtet: zwar stehen Polizisten am Gleis nach Heidenau, aber einschlägig Erlebnisorientierte können ungehindert, nicht einmal kontrolliert, passieren. Wieder Krawall mit Ansage?