Gesundheit HIV-Selbsttest ab 2019 in Sachsens Beratungsstellen verfügbar

Das neue Jahr beginnt für die AIDS-Hilfen in Sachsen mit einer positiven Neuerung. In Zusammenarbeit mit dem sächsischen Sozialministerium können die Beratungsstellen nun zertifizierte HIV-Selbsttests anbieten. Zudem soll die Präventionsarbeit ausgebaut werden.

In Sachsen haben sich entgegen des Deutschlandtrends im Vorjahr wieder etwas mehr Menschen mit HIV infiziert als noch 2016. Nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es 2017 rund 150 Neuinfektionen. Dabei haben sich weniger Männer beim Sex mit Männern angesteckt, dafür gab es einen Anstieg bei Frauen und heterosexuellen Menschen.

HIV-Erstdiagnosen in Sachsen

Jahr 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017
HIV-Diagnosen 79 85 112 105 115 142 172 190 145 150*

*Schätzwert, da von 2017 und 2018 aufgrund von Datenbank-Problemen beim RKI noch keine gesicherten Zahlen vorliegen

Die meisten HIV-Infizierten kennen ihre Diagnose. Doch von den rund 2.600 Betroffenen im Freistaat wissen schätzungsweise 570 (22 Prozent) nicht, dass sie das Virus in sich tragen. Das sind mehr als im Bundesdurchschnitt, wo nur 13 Prozent ihre Diagnose nicht kennen. Es bestehe das Risiko, dass der Immundefekt fortschreitet und die Betroffenen an AIDS erkranken, warnt Sachsens Gesundheitsministerin Barbara Klepsch und fügt hinzu, dass die Personen das Virus zudem auch verbreiten können.

HIV-Selbsttest bietet neue Chancen

Angesichts dieser Zahlen und Entwicklungen freuen sich vor allem die Beratungsstellen, dass sie nun zertifizierte HIV-Selbsttests anbieten können. Es sei eine Ergänzung zu bestehenden Angeboten und eigne sich für Menschen, die keine Arztpraxis oder Teststelle aufsuchen wollen oder können, erklärt die AIDS-Hilfe Dresden.

Wir sind neben Dresden auch für den gesamten ostsächsischen Raum zuständig und wissen um die Lücken bei den Testangeboten. Wir sehen hier Chancen für ländliche Regionen.

AIDS-Hilfe Dresden

2019 werden die Tests in allen vier Einrichtungen der AIDS-Hilfe Sachsen verfügbar sein. Das Angebot wird vom Sozialministerium unterstützt. Die Test-Sets können aber auch in Apotheken, Drogerien sowie im Internet erworben werden. Die Deutsche AIDS-Hilfe weist jedoch darauf hin, dass die Produkte das CE-Prüfzeichen haben und in Europa zugelassen sein müssen. Auch wenn diese Tests zuhause durchgeführt werden können, bieten die Beratungsmöglichkeiten ihre Räumlichkeiten und Expertise an. Denn bei einem reaktiven Ergebnis seien sie gut in der Lage, die richtigen Schritte einzuleiten, so Christian Willno von der AIDS-Hilfe Dresden.

Präventionsarbeit weiter stärken

Schon seit einigen Jahren liegen die Beratungsanfragen bei der AIDS-Hilfe Dresden auf einem konstant hohen Niveau, erklärt Willno auf Nachfrage von MDR SACHSEN. Der Verein berät nach eigenen Angaben rund 900 Menschen persönlich, telefonisch und per Mail. Dabei gehe es vor allem um Risikoabschätzung und Schutzmöglichkeiten, aber auch die Diskriminierung von Menschen mit HIV sei ein Thema. Dort sieht Willno auch einen Ansatz, um Neuinfektionen zu senken.

Wenn ich weiß, dass HIV heute kein Todesurteil mehr sein muss, gesellschaftliche Akzeptanz vorhanden ist und ich nicht hinter vorgehaltener Hand meinen Arzt um einen HIV-Test bitten brauche, schaffe ich ein Klima, in dem #positivzusammenleben nicht nur ein Hashtag ist.

Christian Willno AIDS-Hilfe Dresden

Nach Ansicht der AIDS-Hilfe Dresden würde ein offener Austausch zum aktuellen Wissensstand helfen, um Vorurteile abzubauen. Außerdem müssten "alle zur Verfügung stehenden Präventionsmöglichkeiten" genutzt werden. Bei diesem Anliegen bekommt die Beratungsstelle Unterstützung von Ministerin Klepsch, die sich ebenfalls gegen Stigmatisierung und Diskriminierung einsetzen und die Präventionsarbeit weiter verstärken möchte. Dabei müssten angesichts der aktuellen Zahlen des RKI vor allem heterosexuell aktive Menschen angesprochen werden.

Meldung von HIV-Infektionen und AIDS-Erkrankungen Gemäß Infektionsschutzgesetz müssen HIV-Diagnosen von Ärzten und Laboren an das RKI gemeldet werden. Zudem schätzt das RKI mit jährlich optimierten Kriterien die Zahl der Neuinfektionen. AIDS-Fälle werden hingegen freiwillig von Ärzten gemeldet. Die Zahlen im AIDS-Melderegister sind daher unvollständig. Sie werden aber jährlich vom RKI im HIV-Jahresbericht veröffentlicht.

Quelle: Sächsisches Sozialministerium

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 01.01.2019 | 07:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 01. Januar 2019, 16:38 Uhr

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