Hanf-Pflanzen
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Investorenkonferenz in der Gläsernen Manufaktur Gründer aus Dresden wollen vom Cannabis-Boom in den USA profitieren

Ohne Moos nix los. Das gilt vor allem in der Geschäftswelt. Weil das so ist, sind am Mittwoch und Donnerstag 40 Unternehmen aus ganz Europa nach Dresden gekommen, um bei den Hightech Venture Days um die Gunst von Investoren zu buhlen. Reichlich 140 Millionen Euro benötigen sie, um ihre Ideen weiter voranzubringen. Dass davon am Ende nicht nur Firmen und Investoren etwas haben, sondern auch der Verbraucher, verdeutlicht ein Blick auf einige Projekte.

von Stephan Hönigschmid

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Zum sechsten Mal finden in der Gläsernen Manufaktur in Dresden die Hightech Venture Days statt. Dabei handelt es sich um eine Konferenz, bei der 163 internationale Investoren auf 40 ausgewählte Wachstumsunternehmen treffen, die eine Finanzierung benötigen. Insgesamt brauchen sie nach Angaben des Vereins Hightech Startbahn 140 Millionen Euro. Aus Sachsen sind sechs Firmen vor Ort.

Eine Dresdner Firma, die in diesem Jahr an der Veranstaltung teilnimmt, ist die Compled Solutions GmbH. Sie entwickelt mit Tageslicht-LEDs gärtnerische Beleuchtungen. Sie sollen unter anderem dabei helfen, legales Cannabis für medizinische Zwecke ertragreich zu züchten. "Wir schöpfen die neuen Möglichkeiten der LED-Technik aus. Auf diese Weise können wir das farbliche Spektrum des Lichts genau einstellen und so bessere Erträge erzielen", sagt einer der drei Gründer von Compled Solutions, Christoph Schubert. Dabei nutzen sie beispielsweise den Effekt, dass die Photosynthese von Pflanzen bei rotem und blauem Licht besonders gut funktioniert. 

Cannabis lohnt sich mehr als Tomaten

Christoph Schubert
Christoph Schubert ist einer der drei Gründer von Compled Solutions. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

"Bei der Herstellung von Cannabis für die Schmerztherapie konnten wir den Ertrag durch die LEDs um 50 Prozent steigern", sagt der 39-Jährige. Selbst ins Cannabisgeschäft einsteigen will die Firma nach eigenen Angaben jedoch nicht. Der Anbau der Pflanzen diene lediglich dazu, die Technik zu testen. Verkauft werden am Ende die Leuchten sowie die die Sensor- und die Steuerungstechnik, die auch die Eigenschaften von anderen Pflanzen wie Tomaten optimieren könnten. Allerdings lässt sich da nicht so viel Geld verdienen wie im Bereich von medizinischem Cannabis. Laut einer Studie des Analysehauses Arcview Market Research gilt es als Milliardengeschäft. Allein 2016 gaben die Verbraucher in den USA 6,7 Milliarden US-Dollar für Cannabis-Produkte aus. Für 2018 rechnet Arcview mit 11 Milliarden US-Dollar. In den USA ist der Konsum von Cannabis in neun Bundesstaaten legal, in Kanada wurde er am Mittwoch komplett freigegeben.

Nach eigenen Angaben hat Compled Solutions bereits 400 Kunden und möchte sich auf den Hightech Venture Days eine Finanzierung von 1,5 Millionen Euro sichern. "Wir wollen mit dem Geld den Markteintritt in den USA bezahlen. Dort ist medizinisches Cannabis bereits ein großes Thema, während Europa noch ein wenig hinterherhinkt", sagt Schubert, der auf der Konferenz zwar noch keinen konkreten Abschluss mit einem Investor vermelden kann, aber am Donnerstagvormittag bereits ein positives Fazit zieht: "Wir sind mit zwei Investoren im Gespräch. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, ob etwas daraus wird", so Schubert.

Roboter für autistische Kinder und ältere Menschen

Ähnlich alltagsnah wie die neuartigen LEDs ist auch der intelligente Roboter QT der Firma LuxAI, die für die Dresdner Konferenz extra aus Luxemburg angereist ist. "Unser Roboter kann für die Therapie von autistischen Kindern eingesetzt werden. Diese Kinder haben unter anderem Schwierigkeiten zu erkennen, ob jemand fröhlich oder traurig ist", sagt die Sprecherin der Firma, Aida Nazari. Der Roboter zeige ihnen deshalb die Gesichtsausdrücke zunächst und sage den Kindern dann, ob sie diese korrekt nachmachten. 

Der Geschäftsführer der Luxemburger Firma LuxAI, Pouyan Ziafati, zeigt auf den High Tech Venture Days in Dresden, wie sein intelligenter Roboter funktioniert. Hier führt er gerade das Gedächtnistraining vor.
Der Geschäftsführer der Firma LuxAI, Pouyan Ziafati, zeigt auf den Hightech Venture Days in Dresden, wie sein intelligenter Roboter funktioniert. Hier führt er gerade das Gedächtnistraining vor. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Obwohl der Roboter eine künstliche Intelligenz besitzt und mit dem Kind interagiert, muss er zuvor von einem Therapeuten programmiert werden. Kompliziert sei das aber nicht. "Der Therapeut braucht keine Programmierkenntnisse zu haben, weil es eine grafische Oberfläche gibt", sagt der Geschäftsführer von LuxAI, Pouyan Ziafati, der für sein Produkt auch Anwendungsmöglichkeiten in der Pflege sieht. So könnten sich die Roboter mit älteren Menschen beschäftigen, um Einsamkeit vorzubeugen und das Gehirn zu trainieren.

Vertrieben werden soll der Roboter vor allem an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen zu einem Mietpreis von 4.000 Euro pro Jahr. In Dresden möchten die Firmengründer zwei Millionen Euro von Investoren einsammeln. Diese sollen ins Marketing fließen, damit der demnächst geplante Markteintritt in Deutschland, Frankreich und den USA gelingt. 

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 17.10.2018 | 17:00 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 18. Oktober 2018, 17:15 Uhr

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1 Kommentar

19.10.2018 13:36 Jens Baumann 1

Echt jetzt?! Am Roboter menschliche Gesichtszüge trainieren?!
Das soll Fortschritt sein?!?

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