Meißen vs. Meissen Streit um Marke "Meissen" geht weiter

Der Streit der Stadt Meißen mit der Staatlichen Porzellanmanufaktur um die Öffnung der Marke "Meissen" für andere Unternehmen droht zu eskalieren. Der Stadtrat bereitet derzeit die Löschung aller Marken vor, die auf den Porzellanhersteller eingetragen sind. Nach Angaben von Stadtrat Falk Werner Orgus soll eine Beschlussvorlage erarbeitet werden, die dem Rat zur Abstimmung vorgelegt werden soll.

Stadt fordert freie Verwendung für alle Betriebe

Die Vertreter der Stadt wollen erreichen, dass alle Unternehmen und Institutionen aus der Region die Ortsbezeichnung verwenden dürfen – egal in welcher Schreibweise. Derzeit streitet sich die Porzellanmanufaktur unter anderem mit der Winzergenossenschaft und der Schwerter-Brauerei, die beide die Bezeichnung "Meissen" mit Doppel-S für ihre Produkte nutzen. Das will die Manufaktur verhindern.

Weiteres Gespräch steht noch aus

Ob der Stadtrat den Antrag auf Löschung der Marke tatsächlich beschließt, hängt laut Ratsmitglied Orgus vom Verlauf der Gespräche mit der Porzellanmanufaktur ab. Am 20. Oktober sei ein nächstes Treffen geplant. Bislang habe sich der Stadtrat vom Vorgehen der Manufaktur vor den Kopf gestoßen gefühlt, weil diese noch kurz vor dem ersten Treffen mit der Stadt eine weitere Markenanmeldung für das Sortiment vorgenommen hatte. Geschäftsführer Christian Kurtzke bestätigte das. Mittelständler, die keine Keramik herstellen, sind laut Kurtzke davon nicht betroffen. Für Kernprodukte der Manufaktur stehe die Marke "Meissen" jedoch nicht zur Disposition des Meißner Stadtrats. Gesprächen mit der Stadt stehe er weiter offen gegenüber.

Porzellanmanufaktur Meissen Johann Friedrich Böttger gelang 1708 die Herstellung des ersten europäischen Hartporzellans. Eigentlich hatte Kurfürst August der Starke den Alchimisten gefangen gehalten, um ihn Gold herstellen zu lassen. Dass es am Ende "weißes Gold" wurde, geriet für Sachsen zum Glückfall. Am 6. Juni 1710 wurde auf der Albrechtsburg in Meißen die erste Porzellanmanufaktur Europas eingerichtet. Seit 1722 sind die gekreuzten blauen Schwerter das Markenzeichen des Porzellans aus Meißen.

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4 Kommentare

05.10.2014 12:49 Markus 4

Wenn jetzt Porzellanmanufaktur gewinnt, was kommt dann? Wird sicher die Stadt Meissen um ihre Rechte kämpfen müssen, auch für die Zukunft "Meissen" zu heissen? "Meissen" wird nur Manufaktur, die Stadt muss sich andere Name erfinden :)

04.10.2014 18:20 angie 3

... zitat:"Landtagspolitiker wie Sebastian Scheel fordern die Staatsregierung als Manufaktur-Eigentümer auf, den Kurs und die Geschäftszahlen offenzulegen."
... das war im april diesen jahres, liegt derlei schon vor? habe ich da was verpasst? ...
... stimmige zahlen sind ja wohl die basis aller weiteren öffentlichen handlungen ...

04.10.2014 11:54 jens 2

Sollte man meinen! Aber in Bautzen gab es mal ein kleines feines Lädchen welches sich Bautzner Senfladen nannte und regionale Produkte anbot. Dies gefiel dem Multikonzern Develey nicht. Develey ist der größte Konzern in Deutschland für Ketchup, Soßen und Senf. Unter anderem stellt er alle Soßen und Gurken für Mc Donalds her. Dieser Konzern aus München kaufte unter anderem nach der Wende Bautzner Senf und verbot dem kleinen Lädchen den Namen Bautzner per Gericht. Danach wurde das Lädchen aufgekauft und gehört wem, den Münchnern. Also nix mit dem Namen Bautzner oder Meissner

03.10.2014 20:27 Markus 1

Hat Porzellanmanufaktur die ganze Stadt Meissen gekauft? Wenn nicht - woher solche Ansprüche? Jeder, der in Meissen ansässig ist, ist ein Meissner und darf auch so genannt werden. Ebenso seine Produktion.

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