Ein Pärchen auf dem Platz vor dem Außenministerium der DDR
Bildrechte: Harald Hauswald/OSTKREUZ

Fotoausstellung Voll der Osten: Ausstellung in Meißen zeigt Leben in der DDR

Vor mehr als 30 Jahren ist Harald Hauswald aus Radebeul mit seiner Kamera durch Berlin-Ost gelaufen und hat fotografiert. Was er sah, galt in der DDR als unbequem. Heute bezeugen seine Bilder einen Alltag in einem Land, den viele schon vergessen oder glorifiziert haben.

von Kathrin König

Ein Pärchen auf dem Platz vor dem Außenministerium der DDR
Bildrechte: Harald Hauswald/OSTKREUZ

Die Fotoausstellung „Voll das Leben“ ist in Meißen eröffnet worden. Der Fotograf und Mitbegründer der international bekannten Ostkreuz-Agentur zeigt in der Schau Aufnahmen des Alltag der Menschen in der DDR. Begleitet von Texten des Historikers Stefan Wolle gewährt die Schau im Kreuzgang der Evangelischen Akademie Meißen einen ungeschminkten Blick in die Vergangenheit. Der in Radebeul geborene Hauswald streifte in den 1980er Jahren durch Ost-Berlin. Seine Fotos zeigen Menschen in ihrem Alltag in der Großstadt. Zu sehen sind Einsame, Rentner, Rocker, verliebte Pärchen, aber auch Leute, die sich in Kirchen engagierten, müde Arbeiter, Mütter oder Demonstrationsteilnehmer – darunter viele Momentaufnahmen, die die DDR-Führung am liebsten nicht zeigen wollte, weil sie nicht zur offiziellen Propaganda passten.

Der Blick zurück heißt immer auch, die Vergangenheit im Spiegel der Gegenwart zu betrachten.

Dr. Julia Gerlach Studienleiterin Evangelische Akademie Meißen

Hauswald war der erste Fotograf aus der DDR, der in den 1980er Jahren seine Bilder in Zeitschriften wie "GEO" und "Stern" veröffentlichte. "Die Fotoausstellung will eine sinnvolle Balance schaffen zwischen positiven und negativen Aspekten des Lebens in der DDR", sagte Organisatorin Julia Gerlach von der Evangelischen Akademie. Gleichzeitig wolle man die Besucher anregen, über die eigene Biografie nachzudenken und sich über seine Erfahrungen und Erlebnisse auszutauschen.

 Die Ausstellung ist eigentlich zu wenig. Jedes Bild für sich stellt eine eigene Geschichte dar.

Eva-Maria Stange Ministerin für Kunst und Wissenschaft

Sachsens Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, Eva-Maria Stange sagte zur Eröffnung in Meißen: "Vor zehn oder 15 Jahren wäre eine Ausstellung mit dem Titel vielleicht nicht möglich gewesen, ohne den Vorwurf der Ostalgie und Ostigkeit zu provozieren." Aber knapp 30 Jahren nach dem Ende der DDR sei es jetzt möglich, über den Alltag der Menschen zu sprechen und zu zeigen, wie sie gelebt haben, "und nicht immer nur über die Stasi und darüber zu sprechen, was die Diktatur mit den Menschen gemacht hat". Stange sieht die Schau, als "gute Möglichkeit, mit Menschen aus Ost und West ins Gespräch zu kommen über Vergangenes und Zukünftiges."

Fotografieren war auch ein Ventil für mich. Es war eine Befreiung von den Zwängen in der DDR.

 Harald Hauswald Fotograf

Mehr als 100 Schwarz-Weiß-Bilder Hauswalds sind auf 20 Postern mit mit vielen Details und einordnenden Texten zum Alltagsleben in der DDR zu sehen. Besuchen kann man die Ausstellung bis zum 15. September 2018. Das muss zwei Tage vorher angemeldet werden unter Telefon: 03521-47 06 19. Schulklassen und interessierte Gruppen können nach Voranmeldung mit Zeitzeugen ins Gespräch kommen. Einen Vorgeschmack auf die Schau sehen Sie hier:

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Fernsehen Sachsenspiegel | 17.08.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 18. August 2018, 14:20 Uhr

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15 Kommentare

20.08.2018 10:00 Klara Morgenrot 15

Wer, verdammt ist dieser Karl Sommer, der die Füße mit Coke einreibt und dann auf den Wellen hoppelt wenn er nicht liegt am Strand und die Sandkörner zählt?
Hier gab es in den Kommentaren auch einen Karl Winter, ist wohl der Bruder von ihm. Das ist aus meiner Sicht ein Filou, voll der Norden.

19.08.2018 19:32 Karl Sommer 14

Nordlichter haben Humor und mit Geistesblitzen versehenen Verstand im Handstand,
Dorfbewohner. Der goldene Strand im Westen ist an der Atlantikküste in Frankreich. Sie meinen sicher die Bonner Ultras?

Karl Sommer kocht auch nur mit Wasser und nicht mit Coke, weil er sich damit die Füße wäscht, kleben besser auf den Surf- Brettern...

19.08.2018 18:58 Dorfbewohner 13

“Karl Sommer 11

@10
Unsereins ist anerkannter politisch Verfolgter der DDR.
Noch Fragen?
Wir sind nicht aus dem Westen, sondern vom NORDEN!!!!”

Sie haben mich komplett missverstanden.

Ich habe bezüglich “Goldener Westen” nicht Sie gemeint.

Bitte einfach nochmal nachlesen!

19.08.2018 17:24 Franz Richter 12

Die evang. Kirche hat sich erst vor kurzem entschuldigt nichts gegen den DDR-Staatsterror getan zu haben.Sie gab aber einigen Leute Unterschlupf und Schutz. Sollte ich wieder mal in der Ecke dort sein ,schaue ich mir alles im brillanten SW an.

19.08.2018 16:11 Karl Sommer 11

@10
Unsereins ist anerkannter politisch Verfolgter der DDR.
Noch Fragen?
Wir sind nicht aus dem Westen, sondern vom NORDEN!!!!

19.08.2018 14:28 Dorfbewohner 10

“Karl Sommer 4

Die DDR ist Geschichte von gestern.
Wo ist die Zukunft im Morgen?
Jungen Schulklassen soll man beim betrachten die ganze Wahrheit ab 1945 bis 1989 erzählen. Nichts schön reden oder tot schweigen.
Loyal und unparteiisch.Vom Mensch zum Menschen. Fragen beantworten, aber richtig!!!!
Der Schatten der SED und der Stasi wirkt bis heute nach und behindert die Zukunft und den Fortschritt!!!!”

Ihrem Kommentar pflichte ich uneingeschränkt bei und hasse in dem Zusammenhang aber eines, wenn mir jemand aus dem Goldenen Westen ohne mich zu kennen erklären will, wie ich damals insgesamt gelebt habe. Da kräuseln sich hormonbedingt meine Nackenhaare, schlimm...

19.08.2018 13:00 Karl Sommer 9

Im dritten Reich gab es ab 1934 bis zum Ende 1945 sicher auch schöne Momente für die, die überlebt haben. @7 Da haben Sie Recht.
So auch in der zweiten Diktatur, in der DDR. Problem ist aber, die Verantwortlichen dafür wurden 1989
nicht gefedert und dann geteert, sondern schalten und walten weiter in der DDR 4.0. und bekommen teiweise hohe Rente für das Unrecht gegenüber Menschen, körperlich und seelisch im östlichen Deutschland. Einige sind auch untergetaucht wie dam Adolf Eichmann und andere Verbrecher. Gesinnungslumpen nennen wir diese.
Ehren sollte man den Herrn Hauswald und andere weil sie aufgestanden sind, nicht die DDR-Masse die wie in der NS-Zeit mit dabei waren und mitgemacht haben.Schon vergessen? Einige richtige Aufarbeitung will man nicht, weil das heutige System im Osten kaputt gehen würde.In allen Bereichen des Lebens. Darüber sollten einige hier mal nachdenken und nicht alles nur mit der rosaroten Brille sehen. Die Menschen vergessen zu schnell.
Traurig aber wahr.

19.08.2018 11:07 Normalo 8

Ich hatte damals ein auch gutes Leben. Nicht wegen, sondern trotz der DDR.

19.08.2018 09:46 Mediator an Maik Budweg(5) 7

Wo ist für sie das Problem zwischen <persönlichem Glück> und <gesellschaftlichen Mängeln> in der DDR zu differenzieren?

Menschen finden auch in Not, Elend und Unterdrückung Momente des persönlichen Glücks. Wäre dem nicht so, dann müssten sich ja Milliarden Menschen aus Verzweiflung den Strick nehmen.

Selbst die Menschen, die in der DDR vom System unterdrückt und verfolgt wurden haben gelebt, geliebt und gefeiert. Ich denke es wäre eine doch zu banale Botschaft wenn die ihrem Rat folgen würden und ihren Kindern weiter geben, dass es eine schöne Zeit in einem schönen Land war.

Es geht nicht darum die DDR schlecht zu machen, sondern darum sie realistisch in all ihren Facetten zu betrachten.

19.08.2018 08:49 schmachulke 6

Echt mal, was die Evangelische Akademie zum DDR-Alltag zu sagen hat ist mir ziemlich schnuppe. Das ist, wie wenn Blinde über die Farbigkeit von Marc Chagalls Bilder dozieren.

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