Eine Erzieherin sitz mit Kindern am Tisch
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Drohende Personalnot bei Erziehern Hortplätze in der Grundschule Brockwitz vorerst gerettet

In der Grundschule Brockwitz war die Hort-Betreuung für Viertklässler in Gefahr. In letzter Minute konnten Schule, Stadt und Träger eine Zwischenlösung finden. Doch ein Erziehermangel zeichnet sich auch anderswo ab.

Eine Erzieherin sitz mit Kindern am Tisch
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Dicke Luft in der Grundschule Brockwitz. Zum kurzfristig einberufenen Elternabend kamen am Mittwoch rund 40 besorgte Mütter und Väter, weil die Hortplätze für ihre Viertklässler gestrichen werden sollten. Die für die Betreuung zuständige AWO Kinder- und Jugendhilfe hatte aus Personalnot heraus 16 Betreuungsverträge gekündigt oder stillgelegt. Die Eltern waren ratlos, wie ihre Kinder künftig betreut werden sollen. Auch die Stadt Coswig, in deren Verantwortungsbereich die Grundschule Brockwitz liegt, war überrascht.

Grund für die Personalnot war, dass schon im September zwei Erzieherinnen in der Probezeit ihre Verträge gekündigt hatten. Trotz Stellenausschreibung und intensiver Personalsuche konnte lange Zeit kein Ersatz gefunden werden. Auch Coswigs Bürgermeister Thomas Schubert half bei der schwierigen Suche: "Aufgrund der Veränderungen im Kita-System mit besserem Betreuungsschlüssel und Rechtsanspruch auf einen Krippenplatz ist der Markt an Erziehern einfach leergefegt. Das Problem der Lehrer schwappt in den Bereich der Erzieher."

Zwei Teilzeitkräfte retten die Hort-Betreuung

Schule, AWO und Stadt loteten viele Möglichkeiten aus, die Hort-Betreuung trotzdem noch sicherstellen zu können. Es wurde sogar erworgen, pensionierte Erzieherinnen wieder zurück in den Dienst zu holen. "Doch die wollten ihren wohl verdienten Ruhestand genießen", erklärt Annett Bode. Sie ist eine der Mütter, die sich für den Erhalt der Hortplätze stark gemacht hat.

Umso überraschender war für die Eltern der betroffenen Schüler, dass Schule, AWO und Stadt nun doch eine Zwischenlösung gefunden haben. So hat sich eine Frau kurzfristig auf das Stellengesuch gemeldet, eine andere Erzieherin kann zwischenzeitlich aus einer anderen Einrichtung ausgeliehen werden. Die Damen werden die Viertklässler im November und Dezember in Teilzeit betreuen. Anschließend wird es erneut Gespräche geben, wie die Schülerbetreuung im neuen Jahr funktionieren soll.

Allerdings zeichnet sich hier schon eine Lösung ab. "Die AWO hat Aussicht darauf, ab dem 1. Januar 2019 einen neuen eigenen Mitarbeiter einzustellen", verrät Annett Bode.

Probleme auch in anderen Teilen Sachsens

Während in Brockwitz eine Lösung für die Personalprobleme gefunden wurde, zeichnet sich anderswo ein Personalproblem ab. Im mittelsächsischen Geringswalde findet die Kita "Pfiffikusland" keine Angestellten mehr. Wie der Sächsische Erzieherverband mitteilt, würde das Personal in privaten Kitas meist viel schlechter bezahlt, als in kommunalen Kitas. Angestellte wie in der Geringswalder Kita "Pfiffikusland" würden die schlechteren Konditionen nicht mehr hinnehmen und gingen woanders hin.

Auch die Erzieher-Ausbildung ist eine Hürde für viele junge Menschen. Der eigentlichen Ausbildung geht ein zwei Jahre dauernder Schulabschluss zum Sozialassistenten voraus. Erst dann folgt die dreijährige Ausbildung zum Erzieher oder zur Erzieherin an einer Fachschule. In diesen fünf Jahren bekommen die Schüler allerdings kein Geld.

Die Gewerkschaft Verdi warnt vor einem Erzieher-Mangel. Bundesweit würden demnach rund 300.000 Fachkräfte fehlen.

Quelle: MDR/cg

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR Sachsen - Das Sachsenradio | 25.10.2018 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 25. Oktober 2018, 16:45 Uhr

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