Ein Schwan steht bei sonnigem Wetter am Elbufer und streckt seine Flügel aus. Im Hintergrund ist die Albrechtsburg zu sehen.
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Im Sog der Schwarmstädte Wie Meißen vom Immobilienboom in Dresden profitiert

Seit Jahren kennen die Mieten in Dresden nur eine Richtung: nach oben. Weil deshalb immer mehr Menschen ins Umland ausweichen, gewinnt der Speckgürtel neue Einwohner hinzu. Gut nachvollziehen lässt sich das in Meißen.

Ein Schwan steht bei sonnigem Wetter am Elbufer und streckt seine Flügel aus. Im Hintergrund ist die Albrechtsburg zu sehen.
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Wohnraum mitten in der City. Noch dazu günstig. In der Domstadt Meißen ist der noch zu haben -  zu Mietpreisen unter sechs Euro pro Quadratmeter. Im 25 Kilometer entfernten Dresden ist so etwas inzwischen beinahe undenkbar. Aber das ist nicht alles. Auch mit bezahlbarem Bauland für Familien kann Meißen punkten und deshalb so manchen Großstädter für das Leben an Rande des Speckgürtels begeistern. "Nachdem in Dresden das Bauland knapp wurde, haben wir gemerkt, dass sich die Anfragen erhöht haben. Gebiete, die über Jahre in der Stadt brach lagen sowie viele noch nicht entwickelte Objekte wurden auf einmal angefasst. Das ist eine feine Entwicklung", sagt Meißens Oberbürgermeister Olaf Raschke. Man merke dies an der Zahl der Baugenehmigungen und der Entwicklung von Wohngebieten, so Raschke.

Steigende Einwohnerzahlen

Abzulesen ist der Trend außerdem an steigenden Einwohnerzahlen. So konnte sich Meißen 2018 über 1.700 Zuzügler freuen. Im Sog der Schwarmstädte  Dresden oder Leipzig  stecke  für sogenannte Mittelzentren wie Meißen - aber auch Pirna, Kamenz oder Grimma - viel Potential.  Zu diesem Schluss kamen die Teilnehmer des 4. Meißner Immobiliensymposiums, die sich am Donnerstag in der Domstadt versammelt hatten. Stadtplaner, Banker, Makler und Wissenschaftler tauschten sich dabei über die neuesten Entwicklungen aus und plädierten dafür, dass sich Groß- und Mittelstädte nicht als Konkurrenz, sondern vielmehr als gemeinsamen Wirtschafts- und Lebensraum betrachten sollten.

"Familien in Berlin, München oder Hamburg haben Pendelzeiten von 40 bis 50 Minuten von den Außenbezirken in die Kernstadt. Im Rhein-Main-Gebiet pendeln viele bis zu einer Stunde. Das heißt, wenn man hier 20 Minuten von Meißen nach Dresden fährt, dann ist man in einem ganz normalen Pendel-Umfeld", sagt Tobias Just vom Institut für Immobilienwirtschaft der Universität Regensburg. Man müsse kommunizieren, dass man in der Stadt günstig wohnen könne und dass man Wohnungen für junge Familien habe, so Just. Momentan pendeln zum Arbeiten rund 3.000 Menschen mehr in die Stadt hinein als heraus, so dass es durchaus noch "Luft nach oben" für weitere Zuzüge gibt.

Einzelhandel hat zu kämpfen 

Ein leerstehendes Geschäft in der Meißner Innenstadt.
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Um aber attraktiv für junge Leute oder Familien zu sein, braucht es eine lebendige Innenstadt. Doch der Einzelhandel in Meißen hat zu kämpfen. Schuld daran sei nicht nur der Online-Handel, meint Handelsexperte Gunnar Hoffmann. "Häufig liegt es daran, dass wir hier vom inhabergeführten kleinteiligen Einzelhandel gesprochen haben und die Eigentümer der Geschäfte auch gleichzeitig die Besitzer der Immobilien waren. Und die finden jetzt nicht so leicht Nachmieter", sagt Hoffmann und fügt an: "Manchmal ist der Grund, weil sie obendrüber noch wohnen, manchmal weil es keine Nachfolgekonzepte gibt. Es wird noch eine Weile dauern, bis sich neue Handelskonzepte etablieren in den Innenstädten", sagt der Einzelhandelsberater. Denn auch wenn  die Übernachtungszahlen auf  Rekordniveau geklettert sind, nur von Touristen kann und will Meißen nicht leben.

Quelle: MDR/bm/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 05.04.2019 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 05. April 2019, 21:36 Uhr

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