12.09.2019 | 16:04 Uhr Linke will sich wieder täglichen Problemen in Sachsen widmen

Rico Gebhardt
Nach der Landtagswahl in Sachsen hat die Linke als kleinste Oppositionspartei wenig Grund zum Lachen. Fraktionschef Rico Gebhardt hält aber nichts von Schockstarre und blickt lieber nach vorn. Bildrechte: dpa

Die Linke in Sachsen will sich nach der Schlappe bei der Landtagswahl inhaltlich neu ausrichten. "Wir werden nicht mehr wahrgenommen als Partei, die sich um die alltäglichen Dinge der Menschen kümmert. Stattdessen streiten wir uns um Venezuela, Russland oder unser Verhältnis zur EU und zur Nato", sagte Fraktionschef Rico Gebhardt. Die Fraktion sitzt seit Donnerstag bei einer zweitägigen Klausur in Meißen zusammen, um sich neu zu sammeln. Die Linken hatten zur Landtagswahl 10,4 Prozent der Stimmen erhalten - 8,5 Prozentpunkte weniger als noch 2014.

Wir befinden uns seit Anfang der 1990er Jahre in einer Daueropposition. Das ist Teil des Problems.

Rico Gebhardt
Linken-Fraktionschef Rico Gebhardt bei einer Klausur im Parkhotel Meißen
Die Fraktion der Linken diskutiert in Meißen über ihre Zukunft. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Rico Gebhardt meint, dieses Ergebnis hätten wohl alle in der Partei noch nicht überwunden. "Es geht um die Frage, wie wir künftig als kleinste Oppositionspartei mit unseren Themen durchdringen." Nach Gebhardts Einschätzung tragen die Linken in Sachsen Mitschuld am schlechten Ergebnis. Sie hätten in Sachsen nie klar den Anspruch erhoben, Herausforderer der CDU zu sein und hätten auch nie einen eigenen Kandidaten für das Amt des Ministerpräsidenten aufgestellt. "Warum soll man jemand wählen, der in der Daueropposition ist", fasste Gebhardt die Haltung vieler Wähler zusammen. Auch das strategische Wahlverhalten vieler Wähler habe die Partei am 1. September ein paar Prozentpunkte gekostet.

Es ist nun wichtig, sich die Zeit zu nehmen und innezuhalten - auch die personellen Fragen zu besprechen.

Rico Gebhardt vor der Klausursitzung

Am 17. September wählt Sachsens Linke einen neuen Fraktionsvorstand. Gebhardt sieht dafür zwei Möglichkeiten: "Einen radikalen Neuanfang oder einen Neuanfang in der Kontinuität. Beides kann ich mir vorstellen."
Die Leipziger Stadtratspolitiker der Linken hatten nach der Wahl personelle Konsequenzen in der Landesspitze verlangt. Dazu sagte Gebhardt: Wenn die Fraktion einen radikalen Neuanfang wolle, werde er das mittragen. "Nach so einem dramatischen Verlust muss man sich die Frage nach dem eigenen Anteil stellen."

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm im MDR MDR FERNSEHEN | 04.09.2019 | 20:15 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 12. September 2019, 16:03 Uhr

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