Ein Schwan steht bei sonnigem Wetter am Elbufer und streckt seine Flügel aus. Im Hintergrund ist die Albrechtsburg zu sehen.
Ein Wahrzeichen des Landkreises: die Albrechtsburg in Meißen. Bildrechte: dpa

Kommunalwahl 2019 Landkreis Meißen: Gewinner und Verlierer der Kreisreform

Sachsen ist mehr als nur Dresden, Leipzig und Chemnitz. Deshalb besucht MDR SACHSEN Landkreise abseits der großen Städte. Heute: Eine Reise durch den Landkreis Meißen, der aus der Kreisreform 2008 nicht nur Positives mitgenommen hat.

von Regina Hamborg

Ein Schwan steht bei sonnigem Wetter am Elbufer und streckt seine Flügel aus. Im Hintergrund ist die Albrechtsburg zu sehen.
Ein Wahrzeichen des Landkreises: die Albrechtsburg in Meißen. Bildrechte: dpa

Wirtschaftlich gut aufgestellt

2008 haben sich die Kreisräte und Landräte beider Kreise - Riesa-Großenhain und Meißen – füreinander ausgesprochen. Es war eine politische Wunschehe, konstatiert der amtierende Landrat auch rückblickend.

Arndt Steinbach
Bildrechte: Landratsamt Meißen

Wir haben die höchste Industriearbeitsplatzdichte im Freistaat Sachsen. Das liegt natürlich an den starken Unternehmen.

Arndt Steinbach (CDU) Landrat

Dazu gehören Konzerne wie Wacker Chemie in Nünchritz, Kronospan in Lampertswalde und Feralpi in Riesa.

Verlust an demokratischer Substanz

Nicht für jeden liegen die Vorteile der Zusammenlegung so eindeutig auf der Hand. "Durch die Gebietsreform ist viel ehrenamtliches Engagement vernichtet worden", beklagt Kreisrat Thomas Gey (SPD). Viele Menschen, die sich für hren Ort, ihre Stadt eingesetzt hätten, seien nicht mehr dabei. Die Verwaltung werde immer mehr professionalisiert, das Ehrenamt immer weiter zurückgedrängt.  

Das zeigt sich schon daran, dass wir nur vier Kreistagssitzungen im Jahr haben mit enormen Tagesordnungen von 20 bis 25 Punkten. Das ist kaum zu bewältigen in der Vorbereitung. Manchmal habe ich den Eindruck, man ist da ganz froh drum, weil der Kreistag nur als störend empfunden wird und man eine Mehrheit finden muss, um Dinge durchzusetzen.

Thomas Gey (SPD) Fraktionsvorsitzender und Kreistagskandidat

Notwendige Erweiterung oder Prestigeobjekt?

Landkreisportrait Meißen
Noch ist das der einzige Eingang zum Landratsamt. Mit der geplanten Erweiterung könnte sich das jedoch ändern. Bildrechte: Regina Hamborg

Mit einer knappen Mehrheit von 37 Prozent der Kreistagsmitglieder wurden Planungen zu einem Erweiterungsbau des Landratsamtes abgesegnet. Die geschätzten Kosten liegen aktuell bei ca. 27 Millionen Euro.
"Das ist ein kleiner, überschaubarer Anbau für etwa 200 Mitarbeiter. Ziel ist es, dass wir für den Bürger schnelle Dienstleistungen erledigen können. Dazu wollen wir eine kleine Konzentration am Standort Meißen durchführen", sagt Arndt Steinbach.

Allerdings zulasten der anderen Standorte Riesa, Großenhain, Radebeul. Viele Kreisräte sind skeptisch. Manchmal ging der Riss bei der Abstimmung mitten durch die Fraktion.

Einerseits kann man das Bestreben von Verwaltung nachvollziehen, Aufgaben zu zentralisieren. Andererseits geht es auch darum, ländliche Räume zu stärken und nicht zu schwächen. Die Standorte Riesa und Großenhain sollen ja bleiben. Die Frage ist nur, mit welcher Anzahl von Arbeitsplätzen und was dann mit den übrigen Gebäuden wird.

Anita Maaß (FDP) Fraktionsvorsitzende und Kreistagskandidatin

Kein minderwertiger Lebensentwurf

Die entstandenen Arbeitsplätze im ländlichen Raum - für die CDU-Fraktion ein Beleg dafür, dass es falsch wäre, die staatlichen Milliarden im Osten, wie es jüngst das Institut für Wirtschaftsforschung Halle gefordert hat, künftig vor allem in die Städte zu investieren. "Unverschämtheit", schimpft Kreisrat Bert Wendsche (parteilos). Es gebe viele Diskussionen im Kreistag zum Öffentlichen Personennahverkehr. Aber allen sei klar: Das Bussystem zum Beispiel solle die Menschen nicht nur in Großstädte bringen, sondern vor allem innerhalb des Landkreises für Mobilität sorgen.

Die AfD/DSU-Fraktion im Kreistag bescheinigt der Kreisverwaltung eine gute Arbeit bei der Verkehrsinfrastruktur.

Das Bus- und Bahnnetz ist im Landkreis sehr gut ausgebaut. Die Angebote sind durchdacht. Rufbusangebote ergänzen im Bedarfsfall.

Angelika Meyer-Overheu (AfD) Fraktionsvorsitzende und Kreistagskandidatin

Die großen Baustellen warten noch   

"Der Landkreis steht künftig vor allem vor einer großen Herausforderung", sagt der Fraktionsvorsitzende der CDU im Kreistag. Das sei noch gar nicht im Bewusstsein vieler angekommen:    

Wir dürfen nicht flüchten vor dem demografischen Problem! Wir werden in den nächsten 25 Jahren um die 30 bis 40 Prozent der heute vorhandenen Arbeitsplätze biologisch nicht durch Menschen aus dem Landkreis ersetzen können!

Bert Wendsche (parteilos) Vorsitzender CDU-Fraktion im Kreistag und Kreistagskandidat
Ein Handwerker schneidet Fliesen
Fachkräfte werden rar, aber das nicht nur im Landkreis Meißen. Bildrechte: IMAGO

In den Städten seien das vielleicht acht bis neun Prozent - kein Vergleich zum ländlichen Raum. Es gehe auch gar nicht mehr um die Diskussion, ob man genug Fachkräfte habe. Es ginge schlicht darum, dass die Arbeitskräfte nicht mehr vorhanden seien. Hier seien Ideen gefragt.

Im Landkreis Meißen treten 398 Kandidaten zur Kreistagswahl an. 90 Sitze sind zu vergeben.

Bildergalerie Impressionen aus dem Landkreis Meißen

Ein weißes Buswartehäuschen zwischen Bäumen, im Hintergrund liegt ein Rapsfeld.
Idyllisch liegen die Rapsfelder im Landkreis Meißen. Bildrechte: Regina Hamborg
Ein weißes Buswartehäuschen zwischen Bäumen, im Hintergrund liegt ein Rapsfeld.
Idyllisch liegen die Rapsfelder im Landkreis Meißen. Bildrechte: Regina Hamborg
Pferde stehen auf einer Weide an einem Fluss.
Auch für Pferde ist hier genügend Platz zum weiden und grasen. Bildrechte: Regina Hamborg
Eine Straße führt zwischen grünen und gelben Feldern entlang.
Egal ob hoch zu Ross, zu Fuß oder per Rad - eine Auszeit in der Lommatzscher Pflege ist immer eine gute Idee. Bildrechte: Regina Hamborg
Landkreisportrait Meißen Bildergalerie
Die Lommatzscher Innenstadt, hier zu sehen das Rathaus, sind sehr schön saniert. Bildrechte: Regina Hamborg
Eine bergab führende Straße mit einem Gasthaus und Wohnhäusern, liegt unter blauem Himmel.
Lommatzsch ist Heimat von Kultschauspieler Terence Hill. Bildrechte: Regina Hamborg
Rotes Gebäude
Im Zuge der Kreisreform von 2008 ist das alte Gebäude des Landratsamtes mittlerweile zu klein. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Landkreisportrait Meißen
Deshalb soll auf dieser Wiese der umstrittene Anbau des Landrataamtes entstehen. Bildrechte: Regina Hamborg
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Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 17.05.2019 | 19:00 Uhr

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