24.12.2019 | 13:24 Uhr Kretschmer: Porzellan-Manufaktur Meissen bleibt staatlich

Sachsen steht zu seiner verlustreichen Porzellan-Manufaktur Meissen. Das sagte Ministerpräsident Michael Kretschmer und äußerte den Wunsch, dass es für diesen Standpunkt auch eine breite Zustimmung in der Gesellschaft geben möge. Der älteste europäische Porzellanhersteller sei ein Stück Kulturgeschichte und sächsischer Identität, betonte der CDU-Politiker. Mit der Entscheidung, die Manufaktur nicht als Museumsbetrieb, sondern als produzierendes Unternehmen zu erhalten, solle auch die Handwerkskunst vor dem Vergessen bewahrt werden.

Michael Kretschmer, 2017
Bildrechte: dpa

Wenn man aufhört, das Handwerk zu leben, wird es irgendwann in Vergessenheit geraten.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Misslungener Expansionsversuch

Allerdings müsse in den kommenden Monaten über den künftigen Weg der Firma diskutiert werden, erklärte Kretschmer. Das 1710 gegründete Unternehmen mit seinem weltberühmten Symbol der zwei gekreuzten Schwerter steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen. Der Versuch, sich über Porzellanwaren hinaus als Luxusmarke zu etablieren, brachte noch mehr Verluste. Sie lagen 2017 bei fünf Millionen Euro, für 2018 gibt es noch keine Zahlen. Für das Minus geradestehen muss der Freistaat als Eigentümer.

Ein Drittel der Belegschaft muss gehen

Dieser zog die Notbremse. Und Mitte November kündigte die Geschäftsführung schließlich ein radikales Streichprogramm an: Unrentable Geschäftsbereiche und Standorte sollen geschlossen werden, die Belegschaft bis zum kommenden März von 619 auf 418 Mitarbeiter schrumpfen. Nach Angaben der Firmenleitung laufen derzeit Gespräche mit dem Betriebsrat über Verrentungen und Kündigungen. Außerdem sollen frei werdende Stellen nicht nachbesetzt, auslaufende befristete Verträge nicht verlängert werden. Begründet wurden die Maßnahmen auch mit einem schwierigen Marktumfeld sowie dem zu erwartenden wirtschaftlichen Abschwung.

Uneins über Gewinnaussichten

Während die beiden Geschäftsführer Georg Nussdorfer und Tillmann Blaschke ab 2021 in die Gewinnzone zurückkehren wollen, geht Sachsens Regierungschef Kretschmer nicht davon aus, dass die Manufaktur in absehbarer Zeit schwarze Zahlen schreiben wird und weiter auf Zuschüsse vom Freistaat angewiesen sein wird. Die Verluste müssten aber in Grenzen gehalten werden. Deswegen sei der Schritt zur Verkleinerung schmerzhaft, aber notwendig, so Kretschmer.

Wir müssen bereit sein, für dieses Kulturgut ein Stück weit Förderung zu geben.

Michael Kretschmer Ministerpräsident von Sachsen

Neues Umfeld, frisches Geld

Totale mit Elbe und Albrechtsburg
Bildrechte: MDR/Udo Egelkraut

Zur Debatte steht auch, in welcher Rechtsform und Trägerschaft das Traditionsunternehmen erhalten werden soll. So will das sächsische Finanzministerium die Idee prüfen lassen, eine Akademie für künstlerisches und kunsthandwerkliches Können in Meißen zu gründen. Zudem wird überlegt, das Controlling der Sächsischen Aufbaubank zu übertragen. Diese habe die notwendige Kompetenz und könne eine Neuausrichtung eng begleiten. Für die Umstrukturierung gibt Sachsen der Porzellan-Manufaktur zunächst ein Darlehen von rund fünf Millionen Euro. Bis Ende März kommenden Jahres soll feststehen, wie viel Geld die Manufaktur insgesamt braucht.

Quelle: MDR/stt/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 24.12.2019 | 08:00 Uhr in den Nachrichten

2 Kommentare

Arbeitende Rentnerin vor 22 Wochen

Wenn ein Betrieb nicht läuft, müssen immer die Mitarbeiter gehen, das war bei Millionen nach der Wende nicht anders mit Auswirkungen bis heute, warum soll ein Vorzeigebetrieb, für dessen Erzeugnisse nun mal kein Bedarf besteht, zumindest nicht für den geforderten Preis künstlich mit Steuergeldern am Leben erhalten werden, habe dafür kein Verständnis. Wenn man danach geht, brauchte mancher Handwerksbetrieb Hilfe, geht aber eben nicht.

J.Heder vor 22 Wochen

Die Meinung zur Traditionsmarke Meißner Porzellan kann ich nur begrüßen.
Das Werk hat Krieg und Sozialismus überstanden und soll im Kapitalismus geopfert werden?
Allerdings sehe ich es u. a. so, das man versucht, die Fehler der Manager durch die eigentlichen Leistungsträger; die Mitarbeiter, und nach den Rezepturen sowie den Mustersammlungen die wertvollsten Güter in Form ihres handwerklichen Geschick und Erfahrungen ausbaden zu lassen.
2 Geschäftsführer leistet man sich für eine Firma mit etwa 500 Mitarbeitern? Wenn es der Firma so schlecht geht, reicht meines Erachtens auch 1 Geschäftsführer. Das erspart mindestens 1 Mio € jährliches Gehalt inkl. Nebenleistungen.
Die Mitarbeiter sind die einzigen welche durch ihre Arbeit der Firma wirklich helfen und aus der Verlustzone helfen.
Das Management hat die Verluste wesentlich zu verantworten, dann soll dieses Management auch dafür geradestehen was es verbockt hat!
Ein Manager hat Entscheidungsvollmachten, ein Mitarbeiter nicht.

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