Der Schriftzug "Meißen wählt" vor der Burg Meißen
Bildrechte: IMAGO/MDR.DE

Zweiter Wahlgang Showdown um Oberbürgermeisteramt in Meißen

In Meißen geht die Oberbürgermeisterwahl in die entscheidende Runde. Weil beim ersten Wahlgang am 9. September keiner der fünf Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte, sind die Wahllokale heute noch einmal geöffnet. Vor dem zweiten Wahlgang wurde mit harten Bandagen gekämpft.

Der Schriftzug "Meißen wählt" vor der Burg Meißen
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Rund 23.000 Meißener sind heute aufgerufen, ihren neuen Oberbürgermeister zu wählen. Sie müssen noch einmal an die Wahlurnen, da beim ersten Wahlgang am 9. September keiner der Kandidaten die erforderliche absolute Mehrheit erhielt.

Frank Richter beim ersten Wahlgang überraschend vorn

Von den ursprünglich fünf Kandidaten stehen beim zweiten Wahlgang nur noch drei zur Wahl: Amtsinhaber Olaf Raschke (parteilos, unterstützt von der CDU), Frank Richter (parteiloser Kandidat der Bürgerinitiative, unterstützt von SPD, Grüne und Linke) und Martin Bahrmann (FDP). Raschke kam beim ersten Wahlgang überraschend auf Platz 2 hinter dem prominenten Herausforderer, Bürgerrechtler und Theologen Frank Richter.

Das Ergebnis vom 9. September 2018 (Wahlbeteiligung: 49 Prozent):

  • Frank Richter (parteilos): 36,7 Prozent
  • Olaf Raschke (parteilos): 32,5 Prozent
  • Martin Bahrmann (FDP): 14,9 Prozent
  • Joachim Michael Keiler (AfD): 13,7 Prozent
  • Heiko Lorenz (Sächsische Volkspartei): 2,2 Prozent

Ja, das war für mich erst mal ein Aha-Erlebnis, zu sehen, es sind Bewerber dabei, die haben ein richtig gutes Standing hier und da habe ich auch aus der Ferne den Hut gezogen.

Olaf Raschke Oberbürgermeister Meißen

Die Bewerber Joachim Keiler (AfD) und Heiko Lorenz (Sächsische Volkspartei) treten nicht noch einmal an. Beim heutigen Wahlgang reicht die einfache Mehrheit.

Aufgeheizte Stimmung vor dem zweiten Wahlgang

Bis zuletzt wurde in Meißen mit harten Bandagen gekämpft. Das Lager um den Amtsinhaber wirft Richter populistische Versprechen vor. Andere blicken weit zurück und sprechen ihm einen Teil seiner Biografie als Bürgerrechtler im Oktober 1989 ab. So wie die DDR-Oppositionelle Angelika Barbe. Sie sagte MDR SACHSEN: "Er war ein Pfarrer, der in den Räumen der Kirche geschützt war, er ist nach 23 Stunden wieder in die Räume der Kirche gegangen, er war ein 23-Stunden-Bürgerrechtler. Das Prädikat Bürgerrechtler hat er sich zu unrecht angehängt. Das steht ihm nicht zu."

Um diesen Vorwurf aus dem Weg zu räumen, hat der Meißener Kulturverein wenige Tage vor dem zweiten Wahlgang einen Filmabend zur Gruppe der 20 organisiert. Auf dem Podium, zur Unterstützung, ein damaliger Kontrahent Richters: der damalige Dresdener Oberbürgermeister Wolfgang Berghofer. Für ihn ist Richter ganz klar ein Bürgerrechtler: "Er war einer der wenigen Mutigen, die den ersten Schritt gingen, der Polizei gegenüberstand und der letztlich mit anderen zusammen die Gruppe der 20 ins Leben rief und damit den Prozess der Demokratisierung und der Abschaffung der DDR sozusagen in Gang setzte."

Ein lachender Dritter?

Dem FDP-Mann Bahrmann kommen die Zuspitzungen zwischen den beiden anderen Lagern möglicherweise entgegen. Der 31-Jährige erklärt im Gespräch mit MDR SACHSEN: "Die Stadt ist hoch polarisiert, und ich will einfach eine Möglichkeit bieten, dass die Bürger sich entscheiden können, nicht bloß das eine oder das andere, sondern auch den Mittelweg zu finden und deswegen bin ich auch noch mal angetreten."

Quelle: MDR/cb/dk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 23.09.2018 | 19:00 Uhr

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Zuletzt aktualisiert: 23. September 2018, 13:48 Uhr

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7 Kommentare

24.09.2018 16:49 observer 7

Sehr bedauerlich für Frank Richter, andererseits politisch äußerst aufschlußreich. Getrennt marschieren, vereint schlagen - gemeinsame Linie von CDU und AfD gegen Richter. Dagegen hatte er keine Chance. Die nächste Groko zeichnet sich deutlich ab: Nicht mehr schwarz/rot, künftig schwarz/blau. Gleich und gleich gesellt sich gern.

23.09.2018 19:58 Isolde 6

Es gibt doch eine Gerechtigkeit !!

23.09.2018 18:43 DER Beobachter 5

Es ist spannend zu erleben, wie man Frank Richter gerade zu diskreditieren versucht. Leider gehört dazu auch Angelika Barbe, deren Mit-Verdienst um die Wende wie das Mit-Verdienst Richters unumstritten ist. Richter hat ebenfalls ebenfalls zunächst versucht, Pegida zu verstehen, und zu vermitteln, aber als er feststellen musste "Hören Sie endlich auf in dieser unseren Stadt herumzuschreien!" (zu Pegida), lief sie ebenda noch mit, sie hat keine Berührungsängste zu Höcke gezeigt und gehört zu den Verleugnern massiver Gewalt im Umfeld des 26./27.August, trotzdem die Polizei und StA aktuell 163 Verfahren, darunter 41 wegen Körperverletzung, 32 wegen Zeigens verfassungsfeindlicher Symbole, ferner Sachbeschädigung, Widerstands, Landfriedensbruchs, Aufforderung zu Straftaten usw. auf dem Tisch hat.

23.09.2018 15:32 Udo K 4

@ Bürgerin 2
Sie fragen sich, welche politische Richtung Herr Richter im Falle seiner Wahl nehmen wird?
Man schaue, durch welche Parteien er unterstützt wird und sollte daraus Rückschlüsse ziehen können.
Parteilos zu sein, heißt doch nur, keiner Partei durch ein Dokument anzugehören.
Herr Richter wird unterstützt von SPD, Grüne und Linke, welche politische Richtung wird es da wohl geben??

23.09.2018 11:21 Atze 3

Es kommt auf den ganzen Menschen Herrn Richter an. Der Meinungsbeitrag der Dame ist schlimm. Bisher habe ich Herrn Richter in den Medien als kompetenten Menschen mit Bescheidenheit wahrgenommen. Was mal vor fast 30 Jahren war....MfG

23.09.2018 11:21 Bürgerin 2

Sollte Herr Richter Bürgeremeister werden , wie lange wird er dann auf dem Posten aushalten und welche politische Richtung nehmen ? Fühlte er sich in seiner Ehre gekränkt , daß er Berghofer zur Unterstützung holte ? kommen noch mehr frühere Arbeitgeber dazu ( Frauenkirche ) ?

23.09.2018 10:03 Ludwig 1

Man spürt die Absicht und ist verstimmt.

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