28.02.2020 | 16:16 Uhr 200 Stellen in Porzellanmanufaktur Meissen gestrichen - auch in der Produktion

Die Staatliche Porzellanmanufaktur Meissen hat rund 200 Arbeitsplätze gestrichen. Den Angaben zufolge wurden 100 Stellen durch Altersabgänge, Altersteilzeit und das Auslaufen befristeter Verträge abgebaut. Rund 100 Mitarbeitern musste gekündigt werden. Davon sind auch 36 Arbeitsplätze in der Produktion betroffen. Auch Mitarbeiter im Vertrieb, Marketing, Logistik und Verwaltung mussten gehen. Die Beschäftigten seien freigestellt, sagten die beiden Geschäftsführer Tillmann Blaschke und Georg Nussdorfer.

Damit liegt die Zahl der Mitarbeiter nun bei rund 400. Europas älteste Porzellan-Manufaktur kämpft seit Jahren mit Verlusten. Im November 2019 hatte das Unternehmen drastische Sparmaßnahmen angekündigt und das mit dem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld begründet.

Diese Standorte betreffen die Einsparungen:

  • Das Geschäft in Berlin Unter den Linden schließt.
  • Ende März schließt das Verkaufsgeschäft in Köln.
  • Die Standorte Erfurt und Hamburg wurden bereits geschlossen.
  • Die Standorte in München, Stuttgart, Harrods in London, Frankfurt (zieht in neues Geschäft) und Weimar werden künftig durch Partner geführt und nicht mehr direkt von der Manufaktur Meissen.

Als Resultat werden die wichtigsten Standorte im Stammhaus Meissen, an der Frauenkirche in Dresden und im KaDeWe in Berlin aufgewertet.

Pressemitteilung der Porzellan-Manufaktur

Staatliches Unternehmen in der Krise

Das Unternehmen mit seinem weltberühmten Symbol der zwei gekreuzten Schwerter steckt seit Jahren tief in den roten Zahlen. Der Versuch, sich über Porzellanwaren hinaus als Luxusmarke weltweit zu etablieren, brachte noch mehr Millionenverluste:

Rückblick Jahresergebnisse der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen
Jahr Verlust/Gewinn in Euro  
2009 - 7,7 Millionen  
2010 - 35.000  
2011 1,5 Millionen  
2012 - 1,2 Millionen  
2013 - 2,2 Millionen  
2014 - 19,2 Millionen  
Gesamt 1991 - 2014 - 46,6 Millionen  
Das Markenzeichen der Porzellan-Manufaktur Meissen wird in der Porzellanmanufaktur Meißen (Sachsen) auf einen Rohling gezeichnet.
Bildrechte: dpa

Für das Minus geradestehen müssen die Steuerzahler und der Freistaat als Eigentümer. Ende 2019 bekannte sich Ministerpräsident Michael Kretschmer zum Produktionsstandort in der Elbestadt. Er betonte den Wert des alten Handwerks.

1710 wurde auf der Albrechtsburg die erste Porzellanmanufaktur Europas eingerichtet. Seit 1722 sind die gekreuzten blauen Schwerter das Markenzeichen des Porzellans aus Meißen, das seit mehr als 300 Jahren ununterbrochen produziert wird.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 28.02.2020 | 17:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

1 Kommentar

Erichs Rache vor 19 Wochen

Der Rückblick auf die Jahresergebnisse der Staatlichen Porzellanmanufaktur Meissen ist sehr erhellend, finde ich.

Wenn in den Jahren der Finanzkrise und kurz darauf (2010, 2011) die Staatliche Porzellanmanufaktur Gewinne schreibt, weil vermögende Kunden panisch Wertanlagemöglichkeiten aufgrund des Zinsverfalls suchen, dann sollte wohl die Bundesregierung mit schönster Regelmäßigkeit Banken pleite gehen lassen, damit die Staatliche Porzellanmanufaktur aus der Verlustzone herauskommt.

Den Verlust von rund 200 Arbeitsplätzen bedauere ich. Aufgrund der Restrukturierung im Verkauf kann ich nur vermuten, das man sich "mit hochpreisigen Verkaufslagen übernommen" hat.

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