Jubiläum Anneli-Marie Stiftung: Fünf Jahre Jugendförderung in Meißen

Musik, Kunst, Bewegung und Sprachen - dafür steht die Anneli-Marie Stiftung. Vor fünf Jahren wurde sie von Ramona und Uwe Riße aus Robschütz gegründet, als Andenken an ihre Tochter. Seither hat sie einige Projekte in der Jugendförderung erfolgreich umsetzen können. Ideen für weitere Projekte kommen stetig hinzu.

Lehrerin und Schülerin bei Klavierunterricht
Musik war eine von Anneli-Maries Eigenschaften. Mit der Anneli-Marie Stiftung wollen die Eltern des verstorbenen Mädchens nun anderen Kindern und Jugendlichen den Zugang zu Kursen ermöglichen. (Symbolbild) Bildrechte: imago images / Shotshop

Uwe Riße ist Bauunternehmer mit bäuerlichen Wurzeln, wie er erzählt. Aufgewachsen ist er am Stadtrand von Meißen. In der Nähe machte er sich auch kurz nach der politischen Wende selbstständig, feierte Erfolge und gründet eine Familie. Riße lacht: "In der Schule haben sie schon immer gesagt, ich bin ein aufgeweckter Junge mit vielen Interessen."

Gegen das Vergessen

Das hat er anscheinend auch an seine Tochter Anneli-Marie weitergegeben: ein musisch interessiertes Mädchen, sprachlich begabt, heimatverbunden nennt ihr Vater sie. Nach dem gewaltsamen Tod der 17-Jährigen hat die Familie ein dringendes Anliegen, erzählt Riße: "Es ist ganz natürlich und auch wichtig, dass mit der Zeit Dinge in Vergessenheit geraten. Wir wollten aber so gut es geht, das Vergessen verhindern und das Andenken an Anneli-Marie bewahren."

Rund ein halbes Jahr nach dem Tod der Tochter entscheiden sich Ramona und Uwe Riße dazu, eine Stiftung zu gründen. Sie soll den Namen ihrer Tochter tragen und Gutes tun, indem sie eine Lücke schließt. Förderkurse für Kinder und Jugendliche will sie ermöglichen. Workshops für Sprache, Musik, Tanz und Malerei sollen allen zur Verfügung stehen. Denn das öffentliche Angebot für Kinder- und Jugendliche habe große Lücken gehabt, erzählt Riße.

Engagement und breite Unterstützung

Unterstützung erhalten sie auf vielen Ebenen: Die Stiftungskuratorin, die auch gleichzeitig Pädagogin ist, kümmert sich um das Tagesgeschäft, der Stiftungsrat besteht aus der Familie. Hier werden Ausrichtung der Stiftung und neue Projekte besprochen. Hinzu kommt die fachliche Unterstützung durch Dozenten und Ausbilder, die die Kurse inhaltlich verantworten. "Die 'Last' der Stiftung ist also auf vielen Schultern verteilt", erklärt Riße. "Es engagieren sich auch Eltern und Bürger, zum Beispiel indem sie für bestimmte Projekte spenden, die sie sinnvoll finden."

Finanzierung gesichert

Als aktuelles Beispiel nennt der Stiftungsgründer ein Projekt auf dem Meißner Theaterplatz. "Wir sind sehr daran interessiert, die Stadtentwicklung zu unterstützen. Meine Kinder sind hier in Meißen geboren, ich fühle mich auch ein bisschen als Meißner - da liegt mir das am Herzen. Wir sind gerade im Gespräch mit der Stadt, dass auf dem Theaterplatz ein Tanzglockenspiel entstehen soll." Das Glockenspiel besteht aus beweglichen Steinen oder Tasten, die in den Boden eingelassen sind. Hüpft man von Stein zu Stein, erklingen unterschiedliche Töne. Bisher hätten sich zwei oder drei Unternehmer bei der Stiftung gemeldet, die das Projekt finanziell unterstützen möchten. Inzwischen laufen die Genehmigungsverfahren.  

"Aber wir haben die Stiftung nicht dafür gegründet, um Spenden zu generieren", will Riße noch klarstellen. Es gibt stetige Einnahmen: Zum Gründungsstock gehören mehrere Immobilien. Die Mieteinnahmen gehen direkt an die Stiftung. "Gewohnt wird immer", scherzt Risse. "Und so können wir mit den Mitteln, die man sonst als Steuern losgeworden wäre, selbst etwas gestalten."

Die Albrechtsburg und der Dom in Meißen.
Die Familie Riße ist mit der Stadt Meißen eng verbunden. Alle Kinder sind in Meißen geboren. Bildrechte: imago images / Hohlfeld

"Stiftung ist wie ein Kind für uns"

Auf die Frage, ob er sich die Stiftungsarbeit so zeit- und kraftintensiv vorgestellt habe, antwortet der Unternehmer nicht direkt. Nur so viel: "Wir haben uns vorgenommen, in die Stiftung etwa den zeitlichen und monetären Aufwand zu stecken, den man auch bei der Kindererziehung einsetzt. Das funktioniert mal besser und mal schlechter, mal hakt es und man sitzt länger. Die Stiftung ist wie ein Kind für uns. Und für das eigene Kind sollte man immer Zeit finden."

Und wie das mit den Kindern so ist, haben die Eltern auch keinen Liebling. Das scheint der Grund dafür zu sein, dass sich Uwe Riße nicht auf Lieblingsprojekte festlegen möchte. "Wirklich, es sind einfach alle Projekte", sagt er. "Wir haben - wenn gerade keine Corona-Pandemie herrscht - immer auch ein Vorspiel der Musikschüler. Wir haben eine Vernissage für kleine Künstler. Und man sieht dann bei solchen Gelegenheiten, wie glücklich die Kinder und auch die Eltern sind."

Corona als Mini-Bremse

Corona hat auch die Anneli-Marie Stiftung ein wenig in ihrer Arbeit ausgebremst. Nicht jeder Kurs kann zurzeit stattfinden. Aber die Stiftungsgründer blicken nach vorne. Einige Förderkurse im musischen Bereich dürfen laut Riße noch stattfinden. Wer später im Jahr einsteigen möchte, könne sich bereits jetzt melden. Die Kurse der Anneli-Marie Stiftung stehen den Angaben zufolge allen Kindern und Jugendlichen in der Region offen.

Neue Kurse in Planung

Obwohl das Portfolio der Stiftung schon recht umfangreich ist, plant die Familie schon zwei weitere Kurse: Hier soll es vor allem um handwerkliches Geschick gehen. "Upcycling ist das Oberthema. Wir konsumieren so viel und schmeißen viel zu viel weg. Dinge können auch ein zweites Leben bekommen", erklärt Riße. Im Kurs Textilgestaltung soll es ums Nähen gehen. Aus alter Kleidung soll neue entstehen, auch Taschen seien möglich oder Stofftiere. Familienvater Riße sagt: "Das macht man ja auch manchmal mit den Sachen von Verstorbenen. Da werden Kleidungsstücke genommen und ein Erinnerungsstück entsteht daraus. Das haben wir damals auch so gemacht."

Eine Frau sitzt an einer Nähmaschine und näht Stoff mit Blumenmuster
Demnächst sollen Jungen und Mädchen auch in Upcycling-Kursen ans Nähen oder Bauen herangeführt werden. (Symbolbild) Bildrechte: Colourbox.de

Aktuell ist die Stiftung auf der Suche nach Dozenten für das neue Kursangebot. Und auch die handwerklichen Themengebiete Schweißen, Löten und Bauen sollen wie die Textilgestaltung ab dem späten Frühjahr mit in das Kursangebot aufgenommen werden.

Quelle: MDR/kp

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