30.08.2019 | 11:23 Uhr Streit um Schleinitzer Schloss

Vor 25 Jahren war Schloss Schleinitz ein grauer, ruinöser Kasten. Völlig abgewirtschaftet. Doch der Förderverein hat Tausende Arbeitsstunden und auch Geld in das Baudenkmal gesteckt. Heute beherbergt es im ehemaligen Kornspeicher ein Museum für ländliches Brauchtum und Räume für Veranstaltungen. Allerdings ist die Idylle in Gefahr. Denn die Stadt Nossen plant den Verkauf.

Schloss Schleinitz in Nossener Ortsteil Leuben
Schloss Schleinitz. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Gerhard Doleschal ist stinksauer. Der Vorsitzende des Fördervereins von Schloss Schleinitz ist strikt gegen einen Verkauf der Immobilie. Seit der Eingemeindung von Leuben-Schleinitz in die Großkommune Nossen im Jahr 2014 sei intern zwar darüber geredet worden. Dennoch habe die Stadt den Verein nicht mit einbezogen, kritisiert der frühere Bürgermeister des Dorfes in der Lommatzscher Pflege. "Dass man zumindest eine beratende Stimme bei der ganzen Sache hätte. Das wäre unser frommer Wunsch", sagt der pensionierte Kommunalpolitiker, der sich von der Stadt Nossen als neue Eigentümerin ausgebootet fühlt. Bis zu 8.000 Stunden ehrenamtliche Arbeit leisten die  Mitglieder im Jahr. Jeden Mittwoch treffen sie sich, um das Museum, den Hof und das Schloss in Ordnung zu halten. Nun sind die Befürchtungen groß.

Verein fürchtet um Einnahmen

"Erst mal wissen wir nicht, an wen es geht. Es gibt ja genügend negative Beispiele und ein Leerstand wäre für das ganze Dorf tödlich. Wenn das Schloss nicht mehr bewirtschaftet wird, bricht bei uns als Verein über ein Viertel der Einnahmen weg. Daher ist das auch für uns existenzgefährdend", sagt Gerhard Doleschal. Immer wieder fragten sich die meist schon betagten Vereinsmitglieder, ob sie das Schloss nicht selbst übernehmen könnten, etwa durch Erbpacht. Doch der Vorsitzende meint dazu: "Das ist für einen Verein eine ganze Nummer zu groß."

Bürgermeister Anke: Der Verkauf steht fest

Dass Schloss Schleintz verkauft werden soll, stehe fest, betont der Nossener Bürgermeister Uwe Anke. Dazu gebe es einen Beschluss des Stadtrates. Die Last, ein solches Baudenkmal zu erhalten, sei zu groß. Das bedeute aber nicht, dass die Verdienste und die Arbeit des Fördervereins beim Verkauf nicht berücksichtigt würden. "Auf jeden Fall wollen wir, dass der Verein, der so viel Engagement gezeigt und so viel Arbeit in das Schloss und das Musum reingesteckt hat, weitermachen kann", sagt Uwe Anke. Der Bürgermeister spricht von etwa einer Million Euro, die das Schloss auf dem Immobilienmarkt mindestens einbringen müsste. Auf diese Summe wurde der Wert des Denkmals geschätzt.

"Es ist auch klar, dass wir nach einer Ausschreibung als Stadtverwaltung gemeinsam mit dem Stadtrat die vorgelegten Konzepte anschauen werden und wir nicht den Höchstbietenden nehmen müssen." Entscheidend sei, mit welchem Erwerber Schloss Schleinitz die beste Zukunft habe, sagt Uwe Anke.

Schloss Schleinitz in Nossener Ortsteil Leuben
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Angst, dass das Schloss nicht mehr betreten werden darf

Doch schon jetzt wollen der Verein aber auch die Pächter Klarheit haben. Silke Langer und ihr Mann vermieten die Schlosskapelle, den Saal und auch die Herberge, zum Beispiel an Hochzeitsgesellschaften. Ein Teil des Erlöses fließt in die Vereinskasse. Die Verkaufspläne hätten auch Gäste und Dorfbewohner verunsichert. "Wenn das Schloss an jemanden übergeben wird, der nicht so das Herzblut hat oder für Zwecke verwendet, die nicht den Vorstellungen der Anwohner entsprechen, wäre das schade für das Objekt." Das Schloss gehöre zum Ortskern, weshalb es bedauerlich wäre, wenn man es im schlimmsten Fall nicht mehr betreten dürfte, sagt Silke Langer. Immerhin sei Bewegung in die Diskussion um das Schloss gekommen, meint die Pächterin. Sie hoffe auf eine gütliche Einigung zwischen dem Verein und der Stadt Nossen, auch wenn es dafür wahrscheinlich noch mehr Gespräche geben müsse, so Silke Langer.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.08.2019 | 11:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 30. August 2019, 11:22 Uhr

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