Frostkerzen brennen auf einer Rebfläche
Spezielle für den Obst- und Weinbau entwickelte Frostschutzkerzen hat das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Weinböhla entzündet. Bildrechte: Tino Plunert

12.04.2019 17:31 Winzer rund um Meißen heizen ihren Rebstöcken ein

Auf sächsischen Weinbergen haben wieder einmal Feuer gelodert. Die Winzer vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth und vom Weingut Schuh wollten mit den Flammen Frostschäden verhindern. Auch Obstbauern haben Sorgen, dass Blüten erfrieren könnte. Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie rät zu Frostschutzberegnungen.

Frostkerzen brennen auf einer Rebfläche
Spezielle für den Obst- und Weinbau entwickelte Frostschutzkerzen hat das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Weinböhla entzündet. Bildrechte: Tino Plunert

In Weinbergen in Weinböhla, Diesbar-Seußlitz und im Meißner Spaargebirge haben Winzer am frühen Donnerstagmorgen Feuer zum Schutz ihrer Reben vor Frostschäden entzündet. Durch milde Temperaturen im Februar, März und den ersten Apriltagen sind in einigen Weinbergslage manche Sorten schon so weit ausgetrieben, dass sie bei Minusgraden erfrieren könnten.

2.000 Euro Kosten für knapp einen Hektar Weinstöcke

Ein Sprecher des Staatsweingutes Schloss Wackerbarth teilte mit, auf einer Rebanlage in Weinböhla seien spezielle Frostschutzkerzen aufgestellt worden. Die Kosten allein für diese 0,8 Hektar Rebfläche beziffert das Staatsweingut mit etwa 2.000 Euro für drei erwartete Frostnächte. Mögliche Schäden durch ein Zurückfrieren der erst 2018 gepflanzten Muscaris-Reben wären höher, so der Sprecher. Ferner sei Junganlagen mit Müller-Thurgau und Bacchus auf der Seußlitzer Heinrichsburg mit herkömmlichen Holzfeuern eingeheizt worden.

 Holzbrikett in der Steillage

Holzbriketts für Frostschutzfeuer liegen in einem steilen Weinberg
Schon am Mittwoch waren die Holzbriketts im Klausenberg aufgeschichtet worden. Bildrechte: Weingut Schuh

Im Weingut Schuh wurden nach Angaben von Winzer Matthias Schuh gegen 3 Uhr kleine Feuer aus Holzbrikett auf dem Meißner Klausenberg angezündet. Dort sind Rotweinrebstöcke der Sorte Dunkelfelder in einer Senke stark frostgefährdet, wo benachbarte Häuser das Abfließen der eisigen Luft zur Elbe hin verhindern.

Für die kommenden zwei Nächte bis 13. April sind nochmals Termperaturen unter 0 Grad Celsius vorhergesagt worden, solange will der Winzer in den Frühstunden kleine Feuer entzünden. Ob angezündet wird, das entscheidet der Winzer aber immer erst dann, wenn das Quecksilber tatsächlich unter Null fällt. Das bedeutet für den Winzer und seine Helfer Nachtschichten zur Frostwache. Die Kosten seien für den Familienbetrieb bei drei Frostnächten ähnlich hoch, so der Winzer, wie beim Staatsweingut auf dessen Weinböhler Muscaris-Fläche.

 Ähnliche Situation wie 2017

Knospe einen Dunkelfelder-Rebe im Meißner Spaargebirge am 10. April 2019
Die Weinreben im Elbland sind sieben bis 14 Tage voraus, im Vergleich zum langjährigen Durchschnitt. Bildrechte: Weingut Schuh

Zuletzt hatten sächsische Winzer im April 2017 Frostschutzfeuer entzündet. Allerdings verzeichneten damals auch diejenigen Weinbauern keine gravierenden Frostschäden, die auf solche Feuer verzichtet hatten. Nach Expertenmeinung können Feuerstellen direkt an den Rebstöcken die Temperatur um maximal zwei bis drei Grad anheben. Winzer Ronny Koch, der die Feuer kritisch sieht und selbst keine entzündet, sagte, die Vegetation habe aktuell sieben bis 14 Tage Vorsprung zum langjährigen Mittel. Viele Knospen seien aber noch im einem sogenannten Wollstadium, bei dem sie nach Kochs langjährigen Erfahrungen bis zu minus 3 Grad schadlos überstehen. Allerdings seien auch schon weiterentwickelte Reben mit zwei bis drei grünen Blättern zu sehen. Diese könnten abfrieren. "Bei möglichen Nachfrösten zur jetzigen Zeit können die Reben den Knospenausfall jedoch durch mögliche Bei- und Nebenaugen kompensieren und der Ertragsausfall wird sich in Grenzen halten", so Winzer Koch.

 Frost gefährdet auch Obstblüten

frühe Apfelblüte im April 2019
Auch Äpfel stehen kurz vor der Blüte und sind frostgefährdet. Bildrechte: Kröling LfULG

Das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) hatte bereits Anfang der Woche darauf verwiesen, dass gerade im Elbland neben dem Wein auch Obstblüten aktuell frostgefährdet sind. Nach Amtsangaben sei in Obstplantagen Frostberegnung der sicherste Schutz.

Die Beregnung müsse bis zu zehn Stunden lang laufen und nehme bis zu 40 Kubikmeter Wasser je Hektar in Anspruch. "Gegenmaßnahmen wie das Aufstellen von Kerzen helfen nur sehr eingeschränkt und sind teuer", so das LfULG. Allerdings räumte das Amt auch ein, dass sich Beregnungen nur für größere Betriebe rechneten, die beispielsweise auch ihre Anlagen im Sommer bewässern.

Mix aus Bodenbearbeitung, Feuer und Abdeckungen

Der Obstbaubetrieb Michael Görnitz aus Coswig setzt auf einen Mix an Maßnahmen. Dazu gehört zunächst die richtige Bodenvorbereitung. "Die Anlagen müssen gemulcht und die Strauchstreifen müssen frei von hohen Gräsern sein." Dies sei wichtig, damit die Bodenwärme, die am Tag gespeichert werde, in der Nacht aufsteigen könne, so Görnitz. Ähnlich wie bei den Winzern geht für ihn der Stress am Abend erst richtig los. Dann sinken die Temperaturen unter null Grad und es besteht Frostgefahr. Als Gegenmittel werden kleine Feuer gelegt. Sie können bis zu vier Grad Wärme bringen, müssen allerdings ständig bewacht werden. Zum einen, damit sie nicht verlöschen, zum anderen, damit kein Flächenbrand entsteht.

Gefahr von kochenden Blüten

Einen besonderen Schutz benötigen unter anderen Beerensträucher. Bei ihnen kommt zudem noch eine schützende Planen-Hülle hinzu: "Das sind Vlies-Abdecksysteme. Es werden Viermeterbahnen über die Stachelbeerreihen gelegt, was verhindert, dass Frost an die Blüten kommt", sagt Görnitz. Unter dem Vlies staut sich die Wärme und kann nicht entweichen. Allerdings hat das auch einen Nebeneffekt. "Hier kann keine Luft so richtig raus und rein. Und dann scheint die Sonne und wir haben eine Art Gewächshauswirkung. Dann kann es sein, dass die Blüten richtig kochen." Bei den fünf, sechs Grad, die aktuell herrschten, sei das aber unwahrscheinlich. "Aber immer noch besser, als gar keine Blüte zu haben", sagt der Obstbauer.

Quelle: MDR/lam/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.04.2019 | ab 05:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden und in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 11:04.2019 | 19:00 Uhr

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