Flüchtlinge  auf dem Rettungsschiff "Lifeline" der Hilfsorganisation Mission Lifeline.
Als völlig überladen beschreibt die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg das Rettungsschiff "Lifeline". Dicht an dicht sitzen die Schutzsuchenden auf dem Boot aus Dresden. Bildrechte: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa

Flüchtlingspolitik Seenotretter aus Dresden warten weiter auf Hafeneinfahrt

Seit vergangenen Donnerstag harrt das Rettungsschiff "Lifeline" mit mehr als 230 Flüchtlingen an Bord auf dem Mittelmeer aus und sucht einen Hafen zur Einfahrt. Nach Italien und Malta hat nun auch Spanien dem Schiff eine Absage erteilt. Politiker aus dem Europa-Parlament und Bundestag haben das Schiff des Dresdner Rettungsverein besucht und sich ein Lagebild verschafft. MDR SACHSEN hat mit den Verantwortlichen gesprochen.

Flüchtlinge  auf dem Rettungsschiff "Lifeline" der Hilfsorganisation Mission Lifeline.
Als völlig überladen beschreibt die Grünen-Politikerin Luise Amtsberg das Rettungsschiff "Lifeline". Dicht an dicht sitzen die Schutzsuchenden auf dem Boot aus Dresden. Bildrechte: Felix Weiss/Mission Lifeline/dpa

Die Crew des Dresdner Rettungsschiffs "Lifeline" mit 234 Flüchtlingen an Bord hofft weiter auf eine Einfahrtserlaubnis in einen europäischen Hafen. Am vergangenen Freitag sei Spanien schriftlich angefragt worden, "aber wir sind noch in Verhandlungen begriffen. Wir hoffen auf Antwort", sagte der Mitbegründer der Dresdner Flüchtlingsinitiative "Mission Lifeline", Axel Steier MDR SACHSEN. Das Schiff liegt nach seinen Angaben 50 Meilen südlich von Malta. Er kritisierte, dass die "Lifeline" "vor einem entwickelten Land liegt, und Europa guckt zu, wie die Leute auf dem Boot dahin vegetieren".

Spanien, Malta und Italien haben abgewunken

Boot «Mission Lifeline» auf See
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Spanien will das Rettungsschiff aber derzeit nicht in einem seiner Häfen anlanden lassen, so wie es das Mitte Juni dem Rettungsschiff "Aquarius" mit 629 Flüchtlingen an Bord ermöglicht hatte. Zwar wolle das Land ein humanitäres Gesicht zeigen, sagte der Minister für öffentliche Arbeiten, José Luis Ábalos, am Montag in einem Radio-Interview. "Aber es ist eine andere Sache, jetzt zur maritimen Rettungsorganisation für ganz Europa zu werden", betonte der Politiker, der für die Häfen in Spanien verantwortlich ist. Auch Italiens Innenminister hat der Rettungscrew die Einfahrt verweigert. Matteo Salvini von der rechtsnationalistischen Lega-Partei kündigte vor wenigen Tagen an, Schiffe von nichtstaatlichen Organisationen beschlagnahmen und die Crews festnehmen zu wollen.

Die Lage an Bord ist untragbar.

Manuel Sarrazin Grünen-Politiker über den Besuch auf der "Mission Lifeline"

Politiker verlangen Hilfe für Rettungsschiff

Derweil sind in der Nacht zum Montag mehrere Bundestagsabgeordnete an Bord des Schiffes gegangen, um sich ein Bild zu verschaffen. Die migrationspolitische Fraktions-Sprecherin der Grünen, Luise Amtsberg, ihr Parteikollege Manuel Sarrazin und der Linke Michel Brandt riefen die Bundesregierung auf, sich für eine schnelle Lösung einzusetzen. Per Twitter erklärten sie, die Flüchtlinge dürften nicht alleingelassen werden, weil Europa versage. Die Lage sei brenzlig, da das Wetter umschlagen könnte. Auch die Vorsitzende der Linke-Bundestagsfraktion, Sahra Wagenknecht, forderte Bundeskanzlerin Angela Merkel auf, sich in der EU dafür einzusetzen, dass das Schiff einen sicheren Hafen anlaufen kann.

Über die Lage auf dem Schiff hat MDR SACHSEN mit dem Mitbegründer der Dresdner Hilfsorganisation "Mission Lifeline", Axel Steier, gesprochen.

Was berichtet Ihnen die Rettungscrew vom Schiff?

Wir haben 234 Menschen dicht an dicht an Bord. Unter ihnen sind 14 Frauen und vier Kleinkinder unter drei Jahren. Derzeit haben wir heftigen Wellengang. Dadurch werden viele seekrank.
Man muss zum Hintergrund wissen: Die Menschen kommen aus Libyen, die meisten aus Kellern und Lagern. Sie wurden gefoltert. Wir haben auch ehemalige Sklaven an Bord und vergewaltigte Frauen. Die meisten sind sehr stark unterernährt und müssen aufgepäppelt werden. Viele haben Krankheiten oder Knochenbrüche, die wir behandeln. Wir haben zum Glück ein kleines Krankenhaus an Bord mit zwei Intensivbetten. Das ist nicht das Problem.
Es belastet mehr das Psychologische. Wir wissen nicht, wann es an Land geht. Die Menschen an Bord haben Angst, dass es vielleicht zurückgeht. Das muss unsere Crew abfangen.

Und wenn das Wetter umschlägt?

Wenn das Wetter schlechter wird, brauchen wir ein größeres Schiff, das uns in den Windschatten nimmt und schützt oder wir müssen aus Sicherheitsgründen in einen Hafen einlaufen. Da wäre man dann verpflichtet, uns aufzunehmen.

Könnte die Crew die Geretteten nicht in Tunesien absetzen?

Die Menschen in Tunesien abzusetzen ist keine Option. Dort finden Kettenabschiebungen statt. Die Menschen landen letztendlich wieder in Kriegsgebieten. Es ist nach der Genfer Flüchtingskonvention nicht möglich, Menschen nach Tunesien zu bringen. Die Marine macht das nicht, auch Frontex nicht und die italienische Küstenwache macht das auch nicht. Wir als europäisches Schiff dürfen sowieso nur nach Europa Menschen bringen. In Libyen herrscht an vielen Stellen Krieg. Dort herrscht praktisch Anarchie. Es gibt Folter, Sklavenhandel, Menschen werden um Geld erpresst. Die Leute fliehen, weil sie fliehen müssen. Sie nehmen sogar den Tod in Kauf.

Ihre Seenot-Rettungseinsätze sind umstritten. Man wirft Ihnen vor, Menschen anzulocken und erst recht in Gefahr zu bringen.

Viele meinen, wir würden die Menschen mit unserem Rettungsschiff anziehen. Das können wir gar nicht nachvollzeihen. Die Annahme ist, dass uns die Fliehenden sehen und direkt zu uns kommen oder Schlepper sie direkt zu uns hinschicken. Das ist nicht so. Das Rettungsgebiet ist riesig groß. Es ist eher zufällig, dass ein Schlauchboot auf uns trifft. Wir holen niemanden von Land, wir kreuzen im Abstand von etwa 30 Meilen auf See, schauen nach Seenotfällen und greifen dann ein.

Wie könnte eine Lösung aussehen?

Die eventuelle Lösung könnte so sein, dass sich eine Regionalregierung oder ein europäisches Land bereit erklärt, ein Kontingent aufzunehmen, wir die Menschen in Malta an Land lassen und sie dann mit Flugzeugen in die Region gebracht werden.

Quelle: MDR/kk/dpa/epd

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 25.06.2018 | 19:00 Uhr
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Zuletzt aktualisiert: 25. Juni 2018, 19:31 Uhr

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26 Kommentare

27.06.2018 15:20 Meier 26

@13, völlig richtig, kann man nur unterschreiben!!!
Dazu kommt, daß diese "Organisation" u.a. von Steuergeldern lebt. Diese können jedoch von der Steuer abgesetzt werden, somit zahlen am Ende alle.

27.06.2018 14:05 Eulenspiegel 25

Hallo Rico 24
„Nur wie sieht jetzt ihre Lösung aus? Alle Afrikaner die wollen nach Europa?“
Wie kommen sie auf so einen Blödsinn?
Flüchtlinge nach Europa zu lassen ist doch nur eine Ersthilfemaßnahme. Das Ziel muss es sein mit dafür zu sorgen das es den Leuten in ihrer Heimat zumindest so gut geht das es für sie keinen Grund mehr gibt diese fluchtartig zu verlassen. Nur biss da hin wäre es kein humaner Zug im Sinne der christlichen Ethik sie einfach zu tausenden elendig krepieren zu lassen nur damit sie persönlich kein Moslem über die Straße laufen sehen.

27.06.2018 13:22 Rico 24

@Nr.22 Bettina Günther "Hat sich von denen, die hier kluge Kommentare abgeben, einer mal davon befasst, was es für ethnische und politische Auseinandersetzungen es auf dem Kontinent gibt, gerade in Nigeria, Libyen und was diese Menschen auf der Flucht physisch und psychisch durchmachen !!! Sachlich erst mal richtig. Nur wie sieht jetzt ihre Lösung aus? Alle Afrikaner die wollen nach Europa? Oder lediglich die privilegierten, die Schlepper bezahlen können? Nur die "Bösen" bleiben dort, aber was passiert mit denen...? Wie wollen sie das "Problem" Afrika angehen, mal bitte konkrete Lösungsvorschläge!!!

26.06.2018 17:48 Eulenspiegel 23

Also ich denke wir sollten mit dafür sorgen das es den Leuten im Nordafrikanischen-Arabischen Raum zumindest so gut geht das sie nicht mehr gezwungen sind zum Überleben nach Europa zu „schwimmen“. Denn so lange es die Lebenschancen in der Heimat nicht gibt so lange wird es auch die Schlepper geben. Und so lange sind auch diese Seenotretter wichtige Lebensretter. Denn nicht die Seenotretter machen hier etwas verkehrt. Ich denke so war es immer gewesen. Wenn die Menschen in einer Region keine Überlebenschancen mehr hatten dann sind sie dort hin gegangen wo sie leben und vor allem überleben konnten.

26.06.2018 14:57 Bettina Günther 22

Hat sich von denen, die hier kluge Kommentare abgeben, einer mal davon befasst, was es für ethnische und politische Auseinandersetzungen es auf dem Kontinent gibt, gerade in Nigeria, Libyen und was diese Menschen auf der Flucht physisch und psychisch durchmachen !!! Es wäre eine Schande für Europa, diesen Menschen nicht zu helfen, das wäre das Todesurteil

26.06.2018 14:45 Susi 21

@ 1 7 es ist zwar richtig was du geschrieben hattest aber vor ein paar Jahren kam im Fernsehen , wo einige Entwicklunghelfer den Frauen in Afrika Kondome erklären und geben wollten, die waren überhaupt nicht daran interessiert , und haben es auch abgelehnt bei dieser Fernsereportage vergesse ich nicht, kam aber Abends sehr spät.
Von mir keinen einzigen Cent für diese unsere Frauen können sich auch keine 10 Kinder leisten .

26.06.2018 12:08 Möwe 20

Warum bringen diese wackeren Leute die in Seenot geratenen Menschen nicht auf den kürzesten Weg nach Afrika?

Sie spielen den Schleppern und Menschenhändlern in die Hände und damit beteiligen sie sich an diesem menschenverachtenden Geschäft. Für mich sind das keine Helden.
Verhaften und Anklagen, Schiffe festsetzen und aus.

So lange die EU in Afrika zu schaut und es als Armenhaus bestehen lässt, werden Flüchtlinge kommen.

26.06.2018 11:06 DasletzteAbendmahl 19

Hat sich doch erledigt also keine Aufregung. Dieser Herr Macron hat sich darum gekümmert das diese Leute auf die Staaten von Europa verteilt werden. Will jemand raten wer den größten Teil bekommt ?

26.06.2018 11:05 Jale 18

15 Meinungen. 15 Menschen hier würden gegen das Einlaufen in einem europäischen Hafen entscheiden. Das ist doch bezeichnend! Ich schließe mich allen an und bin dankbar, dass viele andere das genauso sehen. Es muss endlich Schluss sein. Ich bin nicht ausländerfeindlich, aber ich habe die Nase gestrichen voll vom Thema Flüchtlinge - es reicht! Die Welt besteht nicht nur aus einem Kontinent Europa. In Afrika und Asien ist noch viel Platz!

26.06.2018 09:16 Franz 17

Gysi hat es doch auf dem Fest der Linken sehr deutlich ausgedrückt. Linke sollten sich um die Armut in der Welt kümmern und nicht nur um die Armut in Deutschland. Die Armut in Afrika ist begründet, dass es dort eine Bevölkerungsexplosion gibt, keine staatlichen Strukturen und einen Papst der die Empfängnisverhütung verbietet.
Also Herr Gysi nicht nur dumm rum schwafeln, besser mal den Papst kritisieren und Kondome nach Afrika mit den Schiffen hinbringen lassen, 50 Prozent der afrikanischen Frauen sehnen sich danach.

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