Zwei Fotos aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Die Modefotografien in der DDR-Zeitschrift "Sibylle" galten als stilbildend und kreativ. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/André Rival

Modefotografie-Schau in Pillnitz Très chic statt Tristesse durch die Linsen der "Sibylle"-Fotografen

Im Westen wurde die Zeitschrift "Sibylle" oft als "Vogue des Ostens" bezeichnet. Das wollten die Zeitschriftenmacher einst ungern hören, denn sie fassten der Magazininhalt viel weiter, hatten auch gesellschaftliche Themen, Kunst und Ästhetik im Blick. Die typischen Frauenratgeber-Tipps verkniff sich die Redaktion. Jetzt breitet eine Schau im Schloss Pillnitz noch einmal eine Kulturgeschichte in Zeitschriftenbildern aus knapp 40 Jahren aus.

Zwei Fotos aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Die Modefotografien in der DDR-Zeitschrift "Sibylle" galten als stilbildend und kreativ. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/André Rival

Die Modezeitschrift "Sibylle" gilt als legendär, denn sie hat mehr als nur Mode gezeigt. Fotokünstler und Grafiker haben die Ausgaben künstlerisch geprägt. Auch modisch gab die "Sibylle" die Trends fürs Styling im Sozialismus vor. All diese Facetten beleuchtet jetzt eine Ausstellung im Wasserpalais von Schloss Pillnitz in Dresden. Die Zeitreise durch die DDR-Modefotografie heißt "Sibylle - Zeitschrift für Mode und Kultur". Im Fokus der Schau im Kunstgewerbemuseum stehen Arbeiten von 14 Modefotografen zwischen 1956 und 1995. "Es ist aber keine DDR-Ausstellung", betont Kuratorin Kerstin Stöver.

Die Sibylle war ein künstlerischer und politischer Fluchtort, wo man sich der Diktatur entziehen konnte, und ein kreativer Humus.

Kerstin Stöver Kuratorin der Ausstellung "Sibylle 1958 - 1995"
Cover aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler

In dichter Reihung sind im einstigen Sommersitz von Kurfürst August dem Starken, der schöne Frauen und Kunstvolles schätzte, nun Fotos von klassischen Fotoshootings zu sehen, von Models in sozialistischer Großstadtkulisse in Berlin, Budapest oder Moskau und Reiseberichte aus Südosteuropa, experimentelle Bilder aus dem Arbeits- und Lebensalltag. "Die Sibylle mag als Modezeitschrift gegolten haben, unpolitisch war sie jedoch nie, sondern stets Reflexion der zeitgeschichtlichen Verhältnisse", sagte Ute Mahler, eine der stilprägenden Fotografen des Ostens.

"Modefotografie kann viel mehr sein als die Abbildung eines Kleides, kann mehr wollen, als nur Begehrlichkeiten zu wecken." Die "Sibylle" habe Generationen von Frauen und Familien aus der DDR begleitet, "die mit ihr jung waren, erwachsen wurden und die ihre Träume mit uns geträumt haben", sagte Fotografin Mahler.

Das war die "Sibylle" Der komplette Name der Frauenzeitschrift hieß Sibylle - Zeitschrift für Mode und Kultur. Herausgegeben wurde sie vom Modeinstitut Berlin seit 1956 und erschien bis 1995. Die Gründerin und Namensgeberin war Sibylle Gerstner.
Sechs Mal pro Jahr erschien das Heft in einer Auflage von 200.000 Exemplaren im Verlag für die Frau Leipzig. Die Nachfrage war riesig, regelmäßig waren die Expemplare vergriffen. Schnittmusterbögen zum Nachnähen der Mode gingen von Hand zu Hand, denn die gezeigte Mode aus der Zeitschrift gab es nicht zu kaufen.
Das bemängelten auch Kritiker, dass die gezeigte Mode mit der realsozialistischen Wirklichkeit wenig gemeinsam hatte.
Neben anspruchsvollen Modefotos von Arno Fischer, Roger Melis, Günter Rössler, Ute Mahler, Sibylle Bergemann, Sven Marquardt, Elisabeth Meinke u. a. galten auch redaktionelle Beiträge als Markenzeichen.
Es gab bewusst keine frauenzeitschrifttypischen Ratgeberteile.

Den Fotografen in der DDR garantierte die Zeitschrift alle zwei Monate ein Podium für Veröffentlichung. "Es gab eine gewisse Freiheit, es ging mehr um ein Lebensgefühl, dem man nachgeträumt hat", erinnert sich Mahler, die mit ihrem Mann Werner nach dem Mauerfall die Agentur "Ostkreuz" gründete. Die "Sibylle"-Bilder zeigen neben Kleidern das Frauenbild der Zeit und Architektur: Plattenbauten statt New Yorker Wolkenkratzer.

So etwas wie Zickenkrieg gab es nicht.

Barbara Wandelt ehemals freischaffendes Fotomodell
Cover aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler

Von einem der ausgestellten Cover blickt Barbara Wandelt als junge Frau in die Welt. Ab 1964 war sie das "Sibylle-Mädchen", nachdem Fotograf Günter Rössler sie bei einer Ferienfahrt an die Ostsee in einem Bus entdeckt hatte. Damals war sie 16 Jahre alt. Zwei Jahre später arbeitete sie freischaffendes Fotomodell. "Den Beruf gab es eigentlich nicht, aber das war mir egal", erzählt die heute 73-jährige Barbara Wandelt. Bis Mitte der 1970er-Jahre war sie das Gesicht der oft unter der Hand weitergereichten Zeitschrift. "Die 'Sibylle' war wie eine große Familie", bestätigte auch Kuratorin Stöver.

Die von der Kunsthalle Rostock konzipierte Schau hat einen eigenen Dresdner Touch. In sechs Vitrinen ist Modeschmuck der 1980er Jahre aus dem Berliner Stadtmuseum zu sehen, den einige der "Sibylle"-Models auf den Bildern tragen. Auf Mode aber haben die Kuratoren bewusst verzichtet. "Es geht um die Fotos, der Blick soll nicht abgelenkt werden", sagt Stöver.

Die Ausstellung "Sybille 1956 - 1995. Zeitschrift für Mode und Kultur" ist bis zum 4. November 2018 im Kunstgewerbemuseum im Schloss Pillnitz zu sehen.

Auszüge aus dem Begleitprogramm zur Ausstellung
Termin Veranstaltung Ort
Sonntags: 29. April, 29. Juli, 30. September, ab 15:00 Uhr Sonntags ab drei - ist der Eintritt frei Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz
Sonnabend, 30. Juni, ab 18 Uhr Museumsnacht mit freiem Rundgang, Führungen und Mode-Workshop mit Schnittmustern aus der Sibylle Kunstgewerbemuseum Schloss Pillnitz
Donnerstag, 6. September, 19:00 Uhr Aus dem Nähkästchen - Models erzählen von der Sibylle, Special: Cocktails nach Rezepten aus der Zeitschrift Wohnzimmer - Café & Bar, Dresden-Neustadt, Jordanstraße, 27
Donnerstag, 20 September, 18:30 Uhr Film "Kann denn Mode rot sein?" (Doku., 2002)
mit Vortrag von Dr. Andreas Krause, Autor
des Begleitbandes zur Ausstellung,
Kino Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1-3
Sonnabend/Sonntag, 20./21.10., 13:00 bis 17:00 Uhr zweitägiger Workshop: Sibylle näht – alte Schnitte neu gedacht
Anmeldung: textiles@listen.konglomerat.org
#Rosenwerk, Dresden, Jagdweg 1-3
Donnerstag, 25. Oktober, 18:30 Uhr Film: "Die Genialität des Augenblicks" (Doku., 2012) über den Fotografen Günter Rössler,
Podiumsgespräch und Regisseur
Fred R. Willitzkat
Kino Technische Sammlungen Dresden, Junghansstraße 1-3

Ausstellung zur Frauenzeitschrift Sibylle Kosmopolitischer Charme mit besonderer Bildsprache

Die Modezeitschrift "Sibylle" lag zu DDR-Zeiten bei 200.000 Expemplaren pro Ausgabe. Viel zu wenig für die Nachfrage. Die Hefte wurden weitergereicht. Denn die Modetipps und Schnittmusterbögen waren heiß begehrt.

Foto aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Die Modekultur der DDR steht ab 28. April im Mittelpunkt der Ausstellung "Sibylle 1956 - 1995. Zeitschrift für Mode und Kultur". Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler
Foto aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Die Modekultur der DDR steht ab 28. April im Mittelpunkt der Ausstellung "Sibylle 1956 - 1995. Zeitschrift für Mode und Kultur". Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler
Doppelseite aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Industrieturm statt Eifelturm im Hintergrund: Die Architektur der sozialistischen Gesellschaft spiegelte sich ebenfalls in den Modefotos wieder. Auf diesem Bild ging es in erster Linie um das Fischgrät-Muster des "Übergangsmantels mit großen Taschen, lockerem Bindegürtel und tief gekreuzten Ärmeln". Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Arno Fischer
Cover aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Das "Sibylle-Mädchen" Barbara Wandelt. Ab 1964 war sie das Gesicht der Zeitschrift. Entdeckt wurde das Modell als junges Mädchen vom Fotografen Günter Rössler. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler
Doppelseite aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Einen Anzug für Frauen ganz im sachlichen Stil präsentierten die Modemacher unter dem Titel "Sachliche Mode". Die Schnittmusterbögen dazu waren ebenfalls im Heft zu finden. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Ulrich Wüst
Cover aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Ein Cover aus dem Jahr 1959. Da war die Gründung der Zeitschrift gerade drei Jahre her. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Willi Altendorf
Foto aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
London oder Lausitzer Land? Auf den ersten Blick unterscheiden sich 1980 Stil und Gesichtsausdrücke der Modelle kaum von den Kolleginnen in Westeuropa. Aber die Schaufenster-Deko im Hintergrund, hier die eines Fahrradladens, verrät doch die Aufnahmeumstände. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Sibylle Bergemann
Illustration aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Auch Modegrafiken waren Stil prägend in der "Sibylle" Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Illustration: Hans Ticha
Doppelseite aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Wie entrückte Engel wirken die Frauen in ihren Kleidern auf dieser Doppelseite in der Ausgabe 3/1975. "Ein breiter Gürtel schnürt die Taille ein - alles andere an diesem Kleid ist großzügig und bequem", steht als Beschreibung neben dem linken Kleid der PGH Pankower Modeschöpfer. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Rudolf Schäfer
Ausschnitt aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Die 1968er Generation: In der DDR waren das "Frauen von heute" wie die Innenarchitektin Rosemarie Schwochow. In einer Reportage wurde ihr Arbeitsalltag 1968 im VEB Warnowwerft beschrieben. Im Text heißt es über die damals 31-Jährige: "Sie ist verheiratet und hat zwei Söhne im Alter von vier und sieben Jahren, die tagsüber im Kindergarten untergebracht sind. Sie näht sehr gern." Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Jochen Moll
Zwei Seiten mit Fotos aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Overalls, Hosenröcke und Clogs waren 1977 der Hit für Modebewusste. Die Zeitschriftenmacher nannten das damals "unkomplizierte Freizeitbekleidung". Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Roger Melis
Cover aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
Obwohl die "Sibylle" Frauenthemen aus Mode und Alltag aufgriff, hatte sie auch den modischen Mann im Blick. In der Winterausgabe 1964 widmete sie den Männern gleich 16 Seiten. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/Günter Rössler
Zwei Fotos aus DDR-Zeitetung 'Sybille'.
1994 hatten es die "Sibylle"-Leserinnen einfacher als früher, denn nach der Wende gab es die Kleider und Mode-Ideen auch in Geschäften zu kaufen. Bildrechte: Staatliche Kunstsammlungen Dresden/André Rival
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Quelle: MDR/dpa/kk

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 28.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 30. April 2018, 18:22 Uhr

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5 Kommentare

30.04.2018 22:14 w.a. 5

Mare Nostrum@4 Können sie auch noch was anderes, als nur Unsinn zu schreiben ?

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

29.04.2018 15:30 mare nostrum 4

@ Und so versucht man noch heute beim mdr angestrengt darzulegen und zu beleben, dass die Diktatur im Osten Schritt hielt mit dem Lauf der Zeit ...

Leider fehlt(e) der Treibstoff.

28.04.2018 17:17 Maria A. 3

Also, ich hatte die Sibylle jahrelang im Abo wegen deren Aktualität zur westlichen Mode. Ich erinnere mich nicht mehr daran, dass die so knapp war. Schließlich hatte so eine Zeitschrift ihren Preis. Deswegen verschwieg ich es natürlich, als "Landei", in meinem Bekanntenkreis dafür und für das Abo der "Für dich" (unnütz) Geld auszugeben. Dabei sparte ich letztendlich dank der beiden Zeitschriften viel Geld durch deren Anleitungen für schicke Modelle. Ob von den Schnittmusterbögen, ob von den Strickanleitungen - ich setzte sehr viele Vorgaben praktisch um. Natürlich musste der Alltag straff organisiert werden, gerade das Nähen erforderte viel (freie) Zeit. Stricken konnte man ja abends beim Fernsehen... Gerade die Sibylle hatte so wundervolle Vorlagen, danach habe ich nach der Wende mit der da vorhandenen super Woll-Auswahl noch einige tolle Pullover gestrickt. Übrigens, die schönsten Zeitschriften habe ich aufgehoben - als Rentnerin ist wieder genug Muße, um mit den Nadeln zu klappern.

28.04.2018 16:38 Kerstin 2

Guten Tag, ich habe Interesse an einer Veranstaltung im Rahmen der Sybille Zeitschrift Teil zu nehmen. Wo kann man denn hierfür Tickets erwerben? Lg kerstin

28.04.2018 14:40 Renate 1

war eine sehr schöne Zeitschrift wie vieles andere was es damals gab auch noch dazu, in Frieden und in Ordnung das leben von damals.............