Rußspruen nach einem Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in Dresden
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Dresden Imam sagt im Prozess gegen mutmaßlichen Moschee-Bomber aus

Rußspruen nach einem Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in Dresden
Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Am Dienstag hat das erste Opfer eines Sprengstoffanschlags in Dresden im Prozess gegen den mutmaßlichen Sprengstoffattentäter ausgesagt. Der 47 Jahre alte Imam der Fatih-Moschee schilderte aus seiner Sicht den Anschlag im September 2016. Er habe in seinem Büro gesessen, als er einen "Riesenknall" gehört habe. "Mir wurde schlecht und schwarz vor Augen", so der Imam.

Zum Zeitpunkt der Explosion war auch seine Familie in der Moschee, so der türkische Geistliche. "Die wollen uns alle ermorden!", hätten seine beiden damals sechs und zehn Jahre alten Söhne geschrien. Die Haustür der Wohnung, die sich ebenfalls in der Moschee befunden habe, sei nach innen aus den Angeln gerissen worden und es habe gebrannt, sagte der Imam.

Rußspruen nach einem Sprengstoffanschlag auf eine Moschee in Dresden
Der Imam steht mit einem seiner Söhne kurze Zeit nach dem Sprengstoffanschlag an der Wohnungstür. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Roland Halkasch

Nachbarn haben geholfen

Er sei zunächst verzweifelt gewesen und habe nicht gewusst, was er tun solle, sagte der Imam. Die Flammen seien so hoch wie die Gebäude gewesen. Nachbarn seien zur Hilfe geeilt, um sie zu löschen. Noch immer könne er die Tat nicht verstehen. "Wir haben den Menschen doch nichts getan", sagte er.

Seit dem Anschlag seien seine Frau, die Söhne und er in psychologischer Behandlung. Auch seine Frau sagte als zeugin aus. Sie berichtete, wie sehr erschrocken sie gewesen sei. "Das kann ich nie in meinem Leben vergessen", so die 38-Jährige. Wie lange die psychologische Behandlung der Familie andauert, könne sie nicht sagen. Auch ein stationärer Aufenthalt sei im Gespräch. Die Familie hatte Dresden nach dem Anschlag verlassen und lebt an einem unbekannten Ort.

Polizisten sichern Spuren nach dem Anschlag auf eine Moschee in Dresden
An der Wohnungstür waren die Brandspuren des Sprengsatzes deutlich sichtbar. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Tino Plunert

Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht

Der 31 Jahre alte Angeklagte hat die Anschläge eingeräumt, bestreitet jedoch eine Tötungsabsicht. Er steht seit Ende Januar vor Gericht. Die Generalstaatsanwaltschaft wirft ihm versuchten Mord, Herbeiführen von Sprengstoffexplosionen sowie versuchte schwere Brandstiftung vor. Ein DNA-Abgleich hatte den Angeklagten ins Visier der Ermittler geraten lassen. Er sitzt seit seiner Festnahme im Dezember 2016 in Untersuchungshaft. Die Anschläge fanden kurz vor der Zentralen Feier zur Deutschen Einheit in Dresden statt und hatten bundesweit für Aufsehen gesorgt.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 13.03.2018 | 14:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 13. März 2018, 18:03 Uhr

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36 Kommentare

15.03.2018 12:13 Ralf 36

@35: jaja, 33 bis 29 (inkl.28?) hat wieder ordentlich mit der Nazikeule um sich geschlagen. So Leute verhindern eine offene Diskussion.

15.03.2018 10:44 Ichich 35

Wie "33" ? Mir fallen spontan drei Anschläge auf Synagogen ein (Düsseldorf, Dresden, Wuppertal) ... nur leider, leider nicht von der gewünschten Tätergruppe. Die Drei, die einen Brandanschlag auf ie Synagoge in Wuppertal verübten, bekamen im übrigen Bewährungsstrafen. Die öffentl. Empörung bleibt aus.

15.03.2018 09:36 Corinna 34

@32 Danke für Ihr Lob! Es ist nun mal an der Zeit die Probleme nicht mehr unter den Tisch zu kehren sondern offen zu benennen. Denn das ist die Grundlage für eine vorbehaltlose Diskussion. Es ist wichtig, dass bestimmte Dinge besprochen werden, denn es steht viel auf dem Spiel: ein freiheitliches, demokratisches Deutschland.

15.03.2018 01:18 DER Beobachter 33

Bemerkenswert, wie die pegidafdversteher und deren Phrasendrescher wie seinerzeit vor 33 zu instrumentalisieren versuchen...

15.03.2018 01:05 Der Beobachter @ "Corinna" 32

Netter Versuch all Ihrer Kommentare. Sie beherrschen den guten Ton, Sie "erklären" aus Ihrer politischen Sicht ohne wirklich zu erklären. Sie werten durchaus, schon in Ihrem ersten Kommentar hier... So Leute wie Sie sorgen und beunruhigen mich zutiefst ...

15.03.2018 00:43 DER Beobachter @ 15 31

"Wenn zwei das Gleiche tun ,ist es nie das Selbe!!" In der Tat. Ich bin besorgt über Messerstecher und Gewaltkriminelle jeder Art. Ebenso besorgt mich Ihr Zuweisungsversuch. Hatten wir alles übrigens schon mal in der Art, seinerzeit...

15.03.2018 00:32 DER Beobachter @ Martina 20 etc. 30

"das Paradebeispiel der Projektion (psychologischer Abwehrmechanismus)" gilt wohl genauso für die pegidafd-Versteher wie deren Kritiker? Unabhängig davon sollte endlich mal geltendes deutsches, sächisches und Dresdner Recht hier montagabends durchgesetzt werden...

15.03.2018 00:08 DER Beobachter @ sh 24 29

Unser mitteldeutsches Rundfunkinstitut hatte wohl gute Gründe, ein sh-Geschwätz nicht im Kommentar breitzutreten. Und nein, hier läuft nicht alles bestens, jedenfalls nicht nach geltender deutscher Verfassung, geltendem deutschem Strafrecht, geltendem sächsischem Versammlungsrecht und geltendem Dresdner Ordnungsrecht. Pegidafd verstößt permanent dagegen und unsere sächsischen/Dresdner Ordnungshüter, auf die man sich als Sachse eigentlich verlassen wollen müsste, ignorieren diese permanent...

14.03.2018 23:49 Meinereiner @ Rentner25/Ralf26 28

Netter Versuch. Und sonst so?

14.03.2018 19:37 Omsewitzerin 27

Es ist zutiefst zu verurteilen wenn ein Brandanschlag auf ein Gebäude gemacht wird. Das ist so ziemlich das Letzte. Dabei interessiert es nicht, was für ein Gebäude das ist. Leute, die so etwas machen, kriegen meistens selbst nichts auf die Reihe und machen andere dafür verantwortlich. hoffentlich wird dieser Typ richtig verknackt.