Muslime, vornübergegebeugt, in einem Gebetszelt
Das Dresdner Zentrum ist für das Gebet längst zu klein. Weil nicht nur die Räume alle belegt sind, nutzen die Betenden zudem zwei Zirkuszelte. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Muslime in Sachsen "Auf dem Papier existiert die Moschee schon"

Bis zu 1.000 Muslime kommen zum Gebet in das Dresdner Kultur- und Bildungszentrum "Marwa El-Sherbiny". Das Zentrum ist für das Freitagsgebet längst zu klein. Deshalb gibt es Pläne für den Neubau einer Moschee. Das Sächsische Landesamt für Verfassungsschutz fürchtet unterdessen den Einfluss radikaler Muslimbrüder. Im Visier hat er deshalb die "Sächsische Begegnungsstätte", die mehrere Moscheen in Sachsen gegründet hat.

von Adina Rieckmann

Muslime, vornübergegebeugt, in einem Gebetszelt
Das Dresdner Zentrum ist für das Gebet längst zu klein. Weil nicht nur die Räume alle belegt sind, nutzen die Betenden zudem zwei Zirkuszelte. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Dicht an dicht knien die Gläubigen beim Freitagsgebet in der Al-Mustafa Moschee in Dresden. Selbst draußen vor dem Zaun des Marwa El-Sherbiny Kultur- und Bildungszentrum stehen betende Männer. Gegründet wurde die Moschee 2009, damals kamen nicht mehr als 60 Männer zum Gebet. Inzwischen sind es jeden Freitag an die 800, an Feiertagen sogar 1.000. Die meist Arabisch sprechenden Gläubigen kommen nicht nur aus Dresden, sondern auch aus den umliegenden Dörfern und kleineren Städten.

Die Pläne für ein neues, großes Moschee-Gebäude auf dem Gelände in der Nähe des Großen Gartens würden auf dem Papier schon existieren, berichtet Kulturzentrumssprecher Muhammed Wellenreuther. "Wir haben das Geld aber noch nicht ganz zusammen."

Verfassungsschützer beobachtet Muslimbruderschaft

In Sachsen wurde bislang keine einzige Moschee gebaut, auch wenn es vielerlei Pläne dazu bereits in Leipzig, Chemnitz oder Dresden gegeben hat. Bis jetzt versammeln sich Sachsens Muslime in umgebauten Wohn- und Geschäftshäusern. Vor einem Jahr waren 13 dieser provisorischen Moscheen gemeldet. Inzwischen sind es 22. Eine besondere Rolle spielt die gemeinnützige Gesellschaft "Sächsische Begegnungsstätte". Sie gründete die Moscheen in Görlitz, Riesa, Meißen, Zittau und Pirna. Die Gesellschaft ist eng mit dem Marwa El-Sherbiny Kultur- und Bildungszentrum verbunden. Der Vorsitzende des einen Vereins, Saad Elgazar, ist auch der Vorsitzende des anderen. Genau das beobachten Verfassungsschützer mit Sorge.

Ein muslimischer Prediger auf dem Stuhl, die Gläubigen sitzen zu seinen Füßen.
Der Imam predigt: Bis zu 800 Gläubige kommen jeden Freitag in die Moschee nach Dresden. Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

"Die Sächsische Begegnungsstätte stellt ein flächendeckendes Netz an Gebetsstätten zur Verfügung", sagt Verfassungsschutzsprecher Martin Döring. Geld scheine keine Rolle zu spielen. "Wir haben Erkenntnisse über Verbindungen dieser Begegnungsstätte zum radikalen Muslimbrüderumfeld", so Döring. "Und die Muslimbrüder sind nun mal dafür bekannt, dass sie eine islamistische Agenda verfolgen."

Muslime in Sachsen
Zahl der Muslime in Sachsen ca. 50.000 Personen  
Herkunftsländer meist Syrien und Irak  
Anteil an der Gesamtbevölkerung Sachsens 1,23 Prozent  
Zuhörigkeit zum islamistisches Spektrum ca. 350 Personen  

Quelle: Sächsisches Integrationsministerium

Verfassungsschutz: Doppelzüngigkeit der Muslimbrüder

Der Sächsische Verfassungsschutz registriert eine Doppelzüngigkeit bei den Muslimbrüdern: Nach außen seien sie durchaus integrationswillig, nach innen aber würden sie die Existenz Israels negieren und seien extremistisch. "Diese Doppelzüngigkeit aber ist auf den ersten Blick auch für den Gutwilligen nicht immer zu erkennen", sagt Sprecher Döring. "Wir müssen nicht nur die Öffentlichkeit sensibilisieren, sondern auch die Flüchtlinge mit muslimischem Glaubenshintergrund."

Martin Döring, Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz
Martin Döring Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Es gibt bei uns im Freistaat Akteure, die nicht nur Gebetsräume zur Verfügung stellen, sondern letztendlich eine an der Scharia orientierte islamistische Agenda verfolgen.

Martin Döring Sprecher des Sächsischen Landesamtes für Verfassungsschutz

Verärgerung unter Moslems

Im Dresdner Marwa El-Sherbiny Kultur- und Bildungszentrum zeigt man sich verärgert über die Anschuldigung der Verfassungsschützer. Muhammed Wellenreuther spricht von Spekulationen: "Wenn man sich die Indizien zur Muslimbrüderschaft anschaut, dann sind es nur Verdachtsmomente." Die Sächsische Begegnungsstätte verstehe sich ausschließlich als multikultureller Ort für alle Menschen, unabhängig ihrer Ethnie, Nationalität, Religion oder Sprache.

Muhammed Wellenreuther, Sprecher der Sächsischen Begegnungsstätte
Muhammed Wellenreuther Bildrechte: MDR/Adina Rieckmann

Ich appelliere an die Herren Verfassungsschützer, die ja auch genug Fachkompetenz aus dem Bereich Islamwissenschaft beschäftigen: Kommen Sie doch einfach hierher und hören Sie sich unsere Predigten an.

Muhammed Wellenreuther Sprecher des Marwa El-Sherbiny Kultur- und Bildungszentrums und der Sächsischen Begegnungsstätte

Aussteigerprogramm für radikalisierte Moslems

Die Behörden des Freistaates Sachsen sind dennoch sensibilisiert. Seit Anfang März gehen sie offensiv gegen die extremistische Form des Islams, den Islamismus vor. Ein Aussteigerprogramm soll die Szene schwächen und die Radikalisierung insbesondere von Jugendlichen - mit und ohne Migrationshintergrund - verhindern. Ansprechpartner ist KORA, die Beratungs- und Koordinierungsstelle Radikalisierungsprävention.

Dresdner Moslems rechnen mit Diskussionen

Die Pläne für eine Moschee in Dresden sollen weiter verfolgt werden. Sprecher Muhammed Wellenreuther rechnet mit Schwierigkeiten. "Wenn wir uns mit dem Neubau an die Öffentlichkeit wagen, wird es zu heftigen Diskussionen kommen. Da können wir sicher sein."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch in Radio und Fernsehen: MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.05.2017 | ab 06:00 Uhr
Sachsenspiegel | 23.05.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 24. Mai 2017, 20:23 Uhr

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184 Kommentare

26.05.2017 20:33 Klarheit 184

@20:02 Antwortender 182,
------"....Und Nutzer "Klarheit" argumentierte durch die Blume (#138), dass das GG ja "nicht in Stein g....."------------
richtig lesen und verstehen sind manchmal verschiedene Sachen und nicht ganz einfach,
ich habe nicht geschrieben das die drohende Islamisierung durch Einschränkungen verhindert werden könnte ... ich schrieb das das GG bei fortlaufender Islamisierung in einer Zukunft , evtl. 50 Jahre + ganz schnell im Mülleimer der Geschichte verschwinden kann und da nichts in Stein gemeißelt ist wenn der Islam einmal die Überhand gewinnt ! Lesen und verstehen und nichts herein interpretieren was nicht da steht !

26.05.2017 20:18 Mediator an 181 183

Seltsam! Alle Christen sind also in der Lage selbständig zu erkennen, dass gewisse Formulierungen und Grundsätze aus der Bibel inzwischen überholt und anders zu praktizieren sind.

Der <dumme Moslem> ist jedoch angeblich nicht in der Lage zu erkennen, dass man bei einem Ladendiebstahl in Dresden die Polizei rufen kann und den ertappten Dieb nicht zum Handabhacken in die Moschee schleppen muss.

Vielleicht liegt dieses seltsame Annahme daran, dass etliche Deutsche nicht in der Lage sind zu erkennen, welche Sitten und Gebräuche für eine Nomandengesellschaft im 7 Jhd. Sinn machten und in ähnlich lebenden Dorfgemeinschaften im Schatten des Hindukusch durchaus noch Sinn machen können.
Selbst in muslimischen Ländern werden diese Regeln sofort ander praktiziert, wenn man aus der engen sozialen Kontrolle eines Dorfes z.B. in eine Stadt zieht.

Nicht anders war dies bei Deutschen, wenn sie die engen sozialen Kontrollen eines Dorfes durch Umzug in die Stadt abstreiften.

26.05.2017 20:02 Antwortender 182

@181: Die Grundrechte beschränken sich doch gegenseitig, um die Verfassungswerte zu sichern. Religionsfreiheit beinhaltet halt nicht, dass man die Menschenwürde anderer verletzen darf. Da sehe ich keinen großen Änderungsbedarf. Aber Sie haben Recht, dass Ergänzungen möglich sind, solange dadurch kein Menschenrecht eingeschränkt wird.

"es geht nicht um das Überbordwerfen von Grundrechten."

Na doch. Hier fordern so einige, dass das Recht auf freien Glauben für Muslime eingeschränkt wird. Und Nutzer "Klarheit" argumentierte durch die Blume (#138), dass das GG ja "nicht in Stein gemeißelt" sei und man ja doch die total drohende "Islamisierung" durch Einschränkungen verhindern könne. Sonst macht das ja in fuchzig Jahren "der Muselmane" mit "uns". Das war der Beginn der Diskussion, um diesen dürftigen Erzählstrang zu den Grundrechten mal zu rekapitulieren.

26.05.2017 19:20 @Antwortender-Kommentar 176, bitte aufmerksamer lesen 181

es geht nicht um das Überbordwerfen von Grundrechten.
Es geht im Gegenteil darum, die Verfassungswerte zu sichern !!!!!!!!!
Dies könnte beispielsweise durch eine Ergänzung im Artikel zur Religionsfreiheit lauten, dass diese Religionsfreiheit insofern geschützt ist, dass sie mit den im GG verankerten Werten, wie bspw. der Gewaltenteilung,( Legislative, Exekutive, Judikative) vereinbar ist. Im Widerspruch steht hierzu die Scharia.
Des weiteren unterstehen diejenigen religionen dem Recht der freien Religionsausübung, die keinen Vormachtsanspruch ggü. anderen Religionen erheben !!!!!
Diese Zusätze/Ergänzungen wären mit einer 2/3 Mehrheit der parlamentarier möglich. Und dieses wäre durchaus im Sinne der Väter des GG, dessen bin ich mir sicher. Freiheit impliziert auch immer die Freiheit des anderen ohne Hegemonieanspruch. Religionen , die die Gleichheit von Mann und Frau vor dem Gesetz ablehnen, kämen dann in Zugzwang.

26.05.2017 18:57 Bittere Realität 180

es reichen schon wenige bildungsferne radikalisierte Terroristen aus und die Wut nach den Anschlägen in Paris, London, Madrid, Brüssel, Manchester und auch in Berlin, wo sich der Terrorist Amri in der Fussilet Moschee noch das letzte Know-How für seinen verwirrten Geist geholt hat, ist gegenwärtig. Der politische Islam gehört eben nicht zu Deutschland. Wegschauen, alles dulden ? Was Erdogans DITIB Imame hier in unserem Land geschafft haben, hob Erdogan noch höher in den Sattel. Dafür schafft er in seinem Land die Demokratie ab. Die Muslimbruderschaftsverwandtschaft lässt grüßen.
Muslimbrüder? Nein, danke

26.05.2017 18:43 Folge dem Weg des Geldes, dann findest due auch den "Spender" 179

Erfüllungsgehilfen der Moslembrüder?

"Die Sächsische Begegnungsstätte stellt ein flächendeckendes Netz an Gebetsstätten zur Verfügung", sagt Verfassungsschutzsprecher Martin Döring. Geld scheine keine Rolle zu spielen. "Wir haben Erkenntnisse über Verbindungen dieser Begegnungsstätte zum radikalen Muslimbrüderumfeld"

26.05.2017 18:32 Antwortender 178

Nachtrag: es sollte heißen: "plötzlich nicht mehr nur ein Bruchteil (wie in den letzten Jahrzehnten) NICHT an die hiesigen Gesetze hält"

26.05.2017 18:30 Antwortender 177

@Klarheit(172):
"nicht die 5% machen Angst (mir nicht), auch noch keine 10% , aber wie ein anderer Kommentator schrieb , wenn die kritische Masse erreicht ist wird es ungemütlich"

Aha, weil potentiell eventuell vielleicht mal in 200 Jahren 20% der Deutschen Muslime sein könnten, müssen wir davon ausgehen, dass sich dann plötzlich nicht mehr nur ein Bruchteil (wie in den letzten Jahrzehnten) an die hiesigen Gesetze hält, sondern dass alle Muslime plötzlich freidrehen und hier das Kalifat ausrufen und alle Ungläubigen massakrieren?! Verstehe ich doch richtig, oder?

Und aufgrund dieser diffusen Angst von Ihnen, sollen jetzt Muslime in Ihren Grundrechten eingeschränkt werden? Oder kommen aus Ihrer Sicht dann doch eher gleich Zwangstaufe und Scheiterhaufen ins Spiel?

26.05.2017 18:18 Antwortender 176

@173: Was soll der Unfug? Die Menschenrechte (dazu zählt die Religionsfreiheit) sind durch Art. 1 Abs. 2 geschützt. Dementsprechend kann Artikel 4 eben nicht einfach über Bord geworfen werden. Capiche?

Und warum wollen Sie unbedingt die Religionsfreiheit beschneiden? Oder worauf wollen Sie mit Ihrer halbgaren Besserwisserei hinaus???

26.05.2017 18:08 Antwortender 175

@namenlos(169):
"aber dass es in diesem Fall nicht um die Muslime insgesamt, sondern um den politischen Islam der Moslembruderschaft , also tatsächlich um eine Ideologie, geht, will@Antwortender auch nicht verstehen."

Bitte??? Ich habe hier jetzt ungefähr 30 mal andere Kommentatoren darauf hingewiesen, dass eine pauschale Diffamierung und Stigmatisierung "des" Islam und damit aller Muslime höchst problematisch ist. Keiner der von mir Kritisierten sprach von "politischem Islam" oder "Islamismus". Stattdessen war die Rede von "den Moslems", wurde die Dresdener Gemeinde mit dem Terroranschlag in Verbindung gebracht oder argumentiert, dass man Muslime in ihrer Glaubensfreiheit einschränken solle, weil Christen in einigen Diktaturen mit islamischer Bevölkerungsmehrheit verfolgt bzw. in ihrer Religionsausübung eingeschränkt werden.

Und solch pauschale Hetze geg. Muslime kritisiere ich. Ob Ihnen das passt oder nicht!