Fachtagung in Dresden Dirigent Ekkehard Klemm: Orchester müssen moderner und individueller werden

MDR-Musiksommer-Konzert in Weißensee mit MDR-Sinfonieorchester, Anastasia Kobekina (Violoncello) und Marie Jacquot (Dirigentin).
Musikerinnen des MDR-Sinfonieorchesters bei den Vorbereitungen zu einem MDR-Musiksommer-Konzert. (Archivbild) Bildrechte: MDR/Andreas Lander

Deutschlands Orchester müssen sich nach Ansicht des Dirigenten Ekkehard Klemm stärker auf die Moderne konzentrieren und dabei auch liebgewordene Traditionen in Frage stellen. Gleiches gelte für die Ausbildung von Musikerinnen und Musikern an den Hochschulen, sagte der Hochschullehrer und Komponist im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Auch Hochschulen und Orchester stünden in der Pflicht, auf veränderte Bedürfnisse zu reagieren und mit der Zeit zu gehen.

Fachtagung zur Zukunft der Orchesterausbildung

Die Dresdner Musikhochschule "Carl Maria von Weber" ist zu diesen Themen diese Woche Gastgeberin einer Tagung. Klemm gehört zu den Initiatoren. Dabei wollen Expertinnen und Experten aus ganz Deutschland unter anderen darüber sprechen, welche Inhalte im Musikstudium künftig eine stärkere Rolle spielen müssen und welche Qualifikationen für eine Musikerlaufbahn wichtig sind. Auch die Ansprüche und Anforderungen der Orchester sollen dabei zur Sprache kommen.

Zeitgenössische Musik und Gesundheit der Musiker im Fokus

Ekkehard Klemm sitzt im schwarzen Konzertanzug auf einem Stuhl.
Professor Ekkehard Klemm. Bildrechte: Hans Ludwig Böhme

Ekkehard Klemm ist Chefdirigent der Elbland Philharmonie Sachsen und will während der Tagung vor allem zeitgenössische Musik und die Gesundheit in der Musikbranche diskutieren. Nach dem Studium würden Musikerinnen und Musiker oft ihr ganzes Berufsleben in einem Orchester verbringen. "Die Frage ist auch, wie Musiker mit Blick auf Gehör, Sehkraft oder Haltungsschäden gesund bleiben können", sagte Klemm.

Hin zu mehr Individualität in Orchestern

Die Orchester verlangen von uns, dass die Studenten beim Vorspiel etwa Mozart-Konzerte so spielen, wie das Orchester sich die Interpretation vorstellt - und von der niemand weiß, wie sie wirklich gewesen ist. Eigentlich eine absurde Situation.

Ekkehard Klemm Dirigent und Hochschullehrer

Laut Klemm bilden die deutschen Hochschulen noch viel zu sehr in Richtung Tradition aus. Dabei ziehen gerade viele jungen Musikschaffende wegen der strengen Hierarchie und der fehlenden Möglichkeiten zur individuellen Entfaltung kleine Ensembles einem großen Orchester vor.

Das Orchester kann auch ein Beispiel gelingender Demokratie sein. Musiker akzeptieren für eine begrenzte Zeit die Autorität eines Dirigenten, können sich aber auch selbst mit Ideen einbringen.

Ekkehard Klemm Dirigent und Hochschullehrer

Quelle: MDR/DPA/sm

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 19.10.2020 | ab 05:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Dresden

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