Papier mit der Aufschrift "Betriebskostenabrechnung"
Bildrechte: IMAGO

Preisschock bei der Abrechnung Vonovia-Mieter in Dresden zweifeln Nebenkosten an

Die Nebenkostenabrechnung des Wohnungskonzerns Vonovia treibt Dresdner Mietern die Sorgenfalten ins Gesicht. Weil bei der Abrechnung 2016/17 die Kosten geradezu explodierten, streiten sie mit dem Unternehmen. Der Mieterverein hat jetzt die Herausgabe weiterer Unterlagen erreicht.

von Stephan Hönigschmid

Papier mit der Aufschrift "Betriebskostenabrechnung"
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Als Dietmar Leuthold die Nebenkostenabrechnung seines Vermieter Vonovia in den Händen hält, traut er seinen Augen nicht: "Die Abrechnung für den Zeitraum 2016/17 war der Hammer", sagt der 69-jährige Dresdner. Seit 15 Jahren lebt er in der Wohnung in der Hermsdorfer Straße, aber so etwas habe er noch nicht erlebt. "Bei den Außenanlagen hatte ich plötzlich eine Preissteigerung von 170 Prozent und beim Winterdienst sollte ich das 20-Fache zahlen", ärgert sich der Rentner und fügt an: "Es scheint mir so, dass der Winterdienst häufig unterwegs war, als es gar nicht notwendig war. Ich habe beobachtet, wie Arbeiter Salz gestreut haben, obwohl Plustemperaturen herrschten und es trocken war." Nach Abgleich mit den Wetterdaten seien von den berechneten 45 Einsatztagen nur 15 berechtigt, sagt Leuthold, der statt wie bisher 100 Euro zurückzubekommen 350 Euro bei den Nebenkosten nachzahlen soll. Weil ihm die Sache keine Ruhe lässt und er schon in früheren Abrechnungen Fehler nachgewiesen hat, fordert er die Unterlagen an: "Mir wurde jedoch gesagt, dass ich schon alles erhalten hätte. In das Leistungsverzeichnis und konkrete Tätigkeitsnachweise bekam ich keinen Einblick."

Rentner: "Wir fühlen uns übers Ohr gehauen."

Ähnlich wie Leuthold geht es auch einem 81 Jahre alten Nachbarn, der seit 19 Jahren in seiner Wohnung lebt. "Früher hat der Winterdienst vielleicht 27 Euro pro Jahr gekostet. Jetzt sind es auf einmal 35 Euro im Monat." Auch in diesem Jahr sei bereits am 19. November gestreut worden, obwohl es nicht nötig war. "Bis vor ein paar Jahren habe ich hier sehr gern gewohnt, aber nun vermute ich, dass die Vonovia mich und meine Frau rausekeln möchte, weil wir noch einen alten Mietvertrag haben." Gut verdienende Ingenieure des neuen Bosch-Werkes könnten sehr viel mehr zahlen, denkt der 81-Jährige. Immerhin scheint sich der Druck auf die Vonovia auszuzahlen. Erst kürzlich bekam er weitere Unterlagen zu seinen Nebenkosten. "Das sind aber 20 Zettel, die nur schwer zu überblicken sind." Er habe deshalb eine Tabelle erstellt und dabei etwas Interessantes herausgefunden. "Mir scheint es so, dass bestimmte Posten zweimal berechnet worden sind." So gebe es Überschneidungen bei den Zeiten der Tätigkeiten. "Wir fühlen uns übers Ohr gehauen", sagt der Rentner. 

Vonovia Mieter in Dresden ärgern sich über unnötigen Winterdienst

Das Wohnungsunternehmen Vonovia bringt Dresdner Mieter gegen sich auf. In der Hermsdorfer Straße ärgern sich die Bewohner, dass am 19. November bereits der Winterdienst unterwegs war, obwohl keine Notwendigkeit bestand.

Aufnahmen von 19. November 2018 aus der Hermsdorfer Straße in Dresden. Obwohl es noch nicht winterlich war, rückte bereits der Winterdienst der Vonovia an
Ein Mieter aus der Hermsdorfer Straße 7 schickte MDR SACHSEN diese Bilder vom 19. November. Obwohl alles trocken war, wurde bereits Split gestreut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufnahmen von 19. November 2018 aus der Hermsdorfer Straße in Dresden. Obwohl es noch nicht winterlich war, rückte bereits der Winterdienst der Vonovia an
Ein Mieter aus der Hermsdorfer Straße 7 schickte MDR SACHSEN diese Bilder vom 19. November. Obwohl alles trocken war, wurde bereits Split gestreut. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
Aufnahmen von 19. November 2018 aus der Hermsdorfer Straße in Dresden. Obwohl es noch nicht winterlich war, rückte bereits der Winterdienst der Vonovia an
Der zusammengekehrte Rest des Splits. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK
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Genaue Prüfung kann sich lohnen

Dass es sich trotz des Aufwands lohnen kann, die Abrechnungen kritisch zu hinterfragen, denkt Rechtsberaterin Katrin Kroupová vom Mieterverein Dresden. "Wenn man einen stressigen Alltag hat und sich selbst nicht mit der Abrechnung beschäftigen kann, sollte man sich Hilfe holen." Zudem sei die Einsicht in die Belege ein Recht, das Mieter zur Not auch gerichtlich durchsetzen könnten, so Kroupová. Wie wirkungsvoll eine Prüfung sein kann, hat sich 2017 bei Klagen gegen Mieterhöhungen in Dresden gezeigt. "Damals ging es unter anderem um die fehlerhafte Einordnung von Wohnlagen. Die Vonovia hat 96 Prozent dieser Verfahren gegen unsere Mitglieder verloren. Wer jedoch einfach unterschrieben hat, der zahlt dauerhaft die höhere Miete", erklärt die Volljuristin, die am 26. November bei Gesprächen mit der Vonovia-Regionalleitung erreicht hat, dass weitere Unterlagen herausgegeben werden. "Bei der Vonovia werden die Leistungen nicht mehr pauschal, sondern einzeln abgerechnet. Wenn jedoch zum Beispiel beim Winterdienst nicht klar ist, welche Fläche genau geräumt wurde, ist es schwer, die Kosten nachzuprüfen. Die dafür notwendigen Unterlagen will die Vonovia nun bis Jahresende für unsere Mitglieder nachliefern", sagt Kroupová.

Auch in anderen Großstädten protestieren Mieter gegen Vonovia:

Vonovia: Preise sind marktgerecht

Dass die Steigerung der Kosten insbesondere so hoch ausfällt, seitdem die Vonovia die Aufgaben mit eigenen Firmen erledigt, weist Vonovia-Sprecherin Bettina Benner von sich: "Wir erledigen Tätigkeiten, die rund ums Wohnen anfallen, zunehmend selbst, weil wir so eine bessere Qualität für unsere Kunden sicherstellen können." Dabei halte man das Wirtschaftlichkeitsgebot ein. Die internen Preise seien marktgerecht, so Benner.

Amtsgericht: Abweichungen bis 300 Prozent in Ordnung

Dass es für den einzelnen Mieter schwierig sein kann, das Gegenteil darzulegen und zu beweisen, gibt Rechtsberaterin Katrin Kroupová zu bedenken. "Der Vermieter ist zum einen nicht gezwungen, das günstigste Angebot zu nehmen. Zum anderen muss ein Mieter, den die Kosten stören, zuerst selbst Vergleiche anstellen und Angebote einholen." Laut dem Dresdner Amtsgericht verletzten Abweichungen der durchschnittlichen Kosten von bis zu 300 Prozent das Wirtschaftlichkeitsgebot noch nicht zwingend, so Kroupová. 

Winterdienst richtet sich nach Wetterprognosen

Hinzu kommt beim Winterdienst eine Art Ermessens-Spielraum aufgrund der Wechselhaftigkeit des Wetters: "Beim Winterdienst gelten insbesondere Haftungsbestimmungen, so dass unsere Dienstleister über Einsätze auch aufgrund von Wetterprognosen entscheiden müssen, um die Sicherheit unserer Mieter zu gewährleisten", sagt Vonovia-Sprecherin Benner.  

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEn - Das Sachsenradio| 03.12.2018 | ab 7:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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Zuletzt aktualisiert: 03. Dezember 2018, 12:52 Uhr

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18 Kommentare

04.12.2018 11:14 Patriot 18

Das schlimme sind nicht nur einige Großvermieter, sondern auch einige Zwangsverwalter (Dresden), die sogar noch offensiver vorgehen und vor allem einige Richter (Bautzen), die solchen Betrug auch noch legitimieren. Ich habe mit genanntem Kreis einen 10jährigen Streit führen müssen, der mich neben einem Vermögen auch noch etwa 5000 Stunden gekostet hat. Man bekommt einfach kein Recht in diesem Staat, wenn es um die Interessen der Kapitalisten geht. Man wird vom Richter sogar noch belächelt und verhöhnt. Ich habe letztlich für einen längeren Zeitraum die Miete doppelt (an zwei Eigentümer) zahlen müssen, und von den unverschämten Forderungen von etwa 400 Prozent der unstrittigen Nebenkosten auch noch einen Großteil zahlen müssen, ohne dass vom Vermieter auch nur ein einziger Beleg vorgelegt werden musste. Das ist einfach nur asozialer Kapitalismus gepaart mit einer kapitalhörigen Justiz die gegen Gesetze verstößt.

04.12.2018 05:10 Harzer 17

zu@14 dieses Unternehmen zahlte Urlaubsgeld sowie Weihnachtsgeld an alle MA., der Verdienst war sehr gut ! Als ehemaliger Angestellter der Deutschen Annington, so nannte sich Vonovia vorher. Dieses Unternehmen hat auch eine Stiftung, die Mietern in
finanzellen Problemen hilt! Alles ist nicht schlecht, Mieter können sich helfen mit den Mieterverein in ihren Städten, Kosten bei uns 55 Euro im Jahr.

03.12.2018 17:04 sportler99 16

Vonovia fällt bundesweit immer wieder durch solche Praktiken auf. Das Ziel der Schikanen gegen die eigenen Mieter, ist meist diese zu verdrängen. Vonovia kauft in großem Stil günstige Wohnungen, die dann renoviert und teurer weiter vermietet werden. Das Gesetz bietet den Mietern eh wenig Schutz, die wenigen Hürden, die es für Vermieter gibt, werden von Vonovia und co. mit miesen Tricks umgangen.
Das Mietshaus, in dem ich wohne, wurde auch von Vonovia gekauft. Seitdem wird mit allen Mitteln versucht, die alteingessenen Mieter zum Auszug zu bewegen. Ich möchte jedem abraten, bei Vonovia zu mieten. Um Mängel in der Wohnung wird sich auch nicht gekümmert, man versucht nur möglichst viel Kohle herauszuquetschen.

03.12.2018 16:44 G.Iwersen 15

Die Kapitalisten nehmen den Menschen die Möglichkeit ihre Grundbedürfnisse zu befriedigen und verkaufen ihnen anschließend diese Möglichkeit wieder zu möglichst hohem Preis. Dieser Logik folgt auch Vonovia- wenn auch mit besonders perfiden Mitteln.
Der Staat hat sich aus dem Wohnungsbau vollkommen zurückgezogen, gebaut werden fast ausschließlich Prestgeobjekte. Die "privaten" Wohnungsbauer bauen für gewöhnlich nicht aus reiner Nächstenliebe, sondern weil sie Kapital erwirtschaften wollen. Das klappt mit Wohnungen für Geringverdiener oder Abhängige von Sozialleistungen natürlich nicht so gut wie mit Wohnungen für Besserverdiener und die Oberschicht. Daher dürfen Lebensbereiche wie Wohnen, Pflege, Medizin, usw. nicht dem kapitalistischen Gewinnstreben unterworfen sein, sie müssen sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren. Wer so etwas sagt oder denkt, ist in diesem Land heute aber schon ein "Kommunist" oder "Extremist".

03.12.2018 16:12 Paschke 14

Neben der "Deutschen Wohnen" zählt Vonovia bundesweit zu den größten Verbrecherbanden auf dem Wohnungsmarkt. Aktuell kauft Vonovia in zahlreichen Städten Wohnungen auf, die dann mittels Pseudo-Sanierungen zu deutlich höheren Preisen an neue Kunden vermietet werden sollen. Die alten Mieter fliegen raus, zur Not auch mit dubiosen Tricks und Betrügereien. Insofern scheint die Geschichte der Mieter in Dresden durchaus glaubwürdig.
Auf die Politik sollten die Mieter nicht hoffen, die hört im Zweifelsfall immer auf die, die das Geld haben und das ist Vonovia. Was hilft ist, wenn sich Mieter (wie auch in einigen anderen Großstädten) zusammen schließen und kämpfen. Wohnen ist ein Grundbedürfniss und es ist traurig, das in diesem Staat Enteignungen immer nur die unten und nie die oben treffen.

03.12.2018 13:55 Gaston 13

1. Kosten Winterdienst
Interessant, dass der Winterdienst in Dresden (und anderswo dann vermutlich auch) nach Anzahl der Einsätze bezahlt wird. Hier erfahre ich im Dezember des Vorjahres, wie teuer die Reinigung des Bürgersteiges und / oder der Winterdienst für das Folgejahr ist, für 2019 kam kürzlivh die Mitteilung einer leichten Gebührenerhöhung.

2. Prüfung der NK-Abrechnung
Achtung: Bestimmte Unterlagen muss der Vermieter seinen Mietern nicht als Beleg in Kopie zusenden. Der Artikel macht nicht deutlivh, dass man einige Unterlagen nur einsehen darf, dazu allerdings ein Recht hat. Man müsste bei dem Vermieter bzw. Verwalter einen Termin vereinbaren und sich die Papiere vorlegen lassen.
Für welche Unterlagen das gilt, findet man im www.

03.12.2018 11:47 Janes 12

@Urlauber 6:
Nö, das hab ich nicht gesagt. Ganz im Gegenteil. Wobei ich zunächst sagen muss, dass 300 % zwar viel klingt, aber durchaus auch mal sein kann. Wenn vorher was 10 Euro gekostet hat und nun 30 Euro ist das sicher mal möglich, sollte aber nicht die Regel sein.

Ich denke nur, dass nicht alles was schlechtes auf der Welt passiert, automatisch die Schuld von Politikern ist!

Man muss diese übergierigen Teilnehmern im Wirtschaftsverkehr Grenzen aufzeigen. Das könnte der Gesetzgeber, aber auch die Rechtsprechung. Die Gesetze wäre ja auch da, um Grenzen aufzuzeigen ( zum Beispiel: §§ 133, 138, 157, 241 hier besonders Absatz 2, 242 in Verbindung mit 280/281 BGB...oder aber 823 Abs. 2 bzw 1 BGB iVm § 263 Abs 1 StGB; uva)

Da liegts halt an den Gerichten, hier mal mutig gegen die wirtschaftliche Übermacht vorzugehen. Eigentum verpflichtet nämlich auch (Art 14 Abs.2 S.1und 2 GG).

03.12.2018 11:36 Janes 11

@Nachgedacht 4/Umeltins 5: Das macht aber nicht nur Vonovia so, sondern auch andere Vermieter in Dresden. Der Gag daran ist, dass die Herrschaften gemerkt haben, dass man noch viiiel mehr beim Mieter abschöpfen kann, wenn man die nicht nur seine eigenen Töchterfirmen die anfallenden Arbeiten machen lassen kann. Und dabei ist der Hausmeisterservice wohl der lukrativste Teil. Nein-mehr noch sparen die auch noch Steuern auf den Gewinn, weil sich das Unternehmen als Konzern mit vielen Kapitalgesellschaften den Gewinn an die Mutter zahlen lassen kann ohne das dieser versteuert werden muss.

Das klingt so falsch, dass das ein Punkt wäre, wo der gesetzgeber nachbesser kann und aktiv auf die Mieten einwirken könnte.

Zur Not muss man eben mal Anzeige wegen Eingehungsbetrug ertstatten, wenn sich die beworbenen Nebenkosten von der Tatsache zu weit entfernen (nach der ersten Abrechung). Wenn der Vermieter sogar die Nebenkosten in der Hand hat, sollten die Werte auch stimmen.

03.12.2018 08:23 Omsewitzerin 10

Vonovia als Vermieter ein Albtraum. Man hört immer wieder von Problemen, die man als Mieter dieser Gesellschaft/ Imperium, Mafia? hat. Ich bin froh kein Mieter bei denen zu sein. Die Herrschaften sollten ihr Geschäftsmodell( Machenschaften) unbedingt überarbeiten. Denn ein Mieter ist ein Mensch, der ein Recht auf menschenwürdiges Wohnen hat und keine unerschöpfliche Geldquelle, die man bis zum geht nicht mehr
ausbeuten kann.

03.12.2018 06:29 Harzer 9

zu@5 die Vonovia hat eine eigene Rechtsabteilung !

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