22.05.2020 | 20:32 Uhr Politikwissenschaftler rechnet nach Mitgliedsantrag von Bachmann mit Radikalisierung der AfD

Lange hatte sich die Bundes-AfD von Pegida distanziert - was Rechtsaußen wie Björn Höcke jedoch nie von Reden und Besuchen bei Pegida-Versammlungen abhielt. Nun will der Gründer Lutz Bachmann in die AfD eintreten. MDR SACHSEN hat mit dem Politikwissenschaftler der TU Dresden, Prof. Dr. Mark Arenhövel darüber gesprochen.

Lutz Bachmann, Pegida-Anführer, spricht während einer Demonstration
Bildrechte: dpa

Der Pegida-Gründer und Organisator Lutz Bachmann will Mitglied der AfD in Dresden werden. Wenn es für den Parteieintritt notwendig sei, als Vorsitzender von Pegida zurückzutreten, werde er das tun, postete Bachmann. Diese Ankündigung auf Facebook wertet der Politikwissenschaftler der TU Dresden, Prof. Dr. Mark Arenhövel "als geschickt lancierte Nachricht zur Unzeit für die AfD".

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Mark Arenhövel Professur für Politische Theorie und Ideengeschichte TU Dresden

Üblicherweise werde nicht öffentlich über Anträge auf Mitgliederebene diskutiert. Erst würden die Kreis- und Landesverbände darüber entscheiden. "Aber gerade jetzt, wo der Bundesvorstand in einer schwierigen Situation ist nachdem er mit knapper Mehrheit den Brandenburger Landeschef Andreas Kalbitz ausgeschlossen hat, bringt der Antrag die AfD in weitere Schwierigkeiten", sagte Arenhövel MDR SACHSEN.

Bachmanns Antrag eröffne eine weitere Front und heize den Machtkampf in der Partei zusätzlich an. Mit dem Rauswurf von Kalbitz hatte der AfD-Vorstand völkische und radikalere Teile der Partei gegen sich aufgebracht.

Weitere Radikalisierung und Flügelkampf

Politikwissenschaftler Arenhövel bezweifelt, dass der AfD-Bundesvorstand und Jörg Meuthen eine Mehrheit gegen Bachmann als Parteimitglied zustande bekämen. Arenhövel geht stattdessen von einer weiteren Radikalisierung der Partei aus. "Ich denke, die AfD wird vom Flügel übernommen werden", sagte der Dresdner Wissenschaftler. Mit einer "Verbürgerlichung" hätte die Partei seiner Meinung nach keine Zukunft. Mark Arenhövel würde es nicht wundern, "wenn Herr Meuthen eine neue Partei gründen" würde.

Sachsen-Sicht und Berliner Bundesvorstand

Ob bei der AfD bereits ein Mitgliedsantrag eingegangen ist, wollte die Partei am Freitag auf Nachfrage von MDR SACHSEN nicht beantworten. In einer Stellungnahme des Landesvorstandes hieß es dazu: "Herr Bachmann hat - wie jeder andere Bürger auch - das Recht einen Mitgliedsantrag auf Aufnahme in die AfD zu stellen." Der AfD-Kreisverband Dresden werde, wie mit jedem potentiellen Mitglied, ein Aufnahmegespräch führen - mit dem Ziel zu prüfen, "ob eine Aufnahme erfolgt oder nicht. Sollte darüber Uneinigkeit herrschen, wird die Aufnahme im AfD-Landesvorstand Sachsen besprochen und schlussendlich entschieden."

AfD-Chef Meuthen gegen Bachmann?

Andreas Kalbitz, Landesvorsitzender der AfD in Brandenburg
Vor gut einer Woche wurde Andreas Kalbitz Ausschluss aus der AfD beschlossen. Gegen seinen Parteirauswurf will er klagen. Bildrechte: dpa

AfD-Chef Jörg Meuthen hatte in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) am Freitag angedeutet, dass er mit einer Ablehnung Bachmanns im Bundesvorstand rechne: "Ich kann Beschlüssen des BuVo nicht vorgreifen. Ich weiß allerdings, wie ich votieren werde, sollte es tatsächlich dazu kommen. Und ich glaube nicht, dass eine Mehrheit des Bundesvorstands da anders votierte." Die AfD Sachsen kommentierte die Bewertungen des Bundesvorstandes auf Nachfrage von MDR SACHSEN nicht.

Der mehrfach vorbestrafte Bachmann wiederum hatte Meuthen unlängst als "Verräter" bezeichnet.

Quelle: MDR/kk/dpa

Dieses Thema im Programm im MDR MDR AKTUELL - Das MNachrichtenradio | 22.05.2020 | 20:24 Uhr

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