ICE Schnellzug der Deutschen Bahn am Badischen Bahnhof Basel (Schweiz)
Bildrechte: IMAGO

Ministerium stellt Pläne vor Pirnaer fürchten Lärm durch Bahnstrecke nach Prag

ICE Schnellzug der Deutschen Bahn am Badischen Bahnhof Basel (Schweiz)
Bildrechte: IMAGO

Obwohl der Neubau der Bahnstrecke Dresden-Prag bisher nur als Vorplanung existiert, bewegt er bereits die Gemüter. Am Freitag hatten Bürger im Pirnaer Landratsamt erstmals Gelegenheit, sich über das Projekt zu informieren. Petra Heldt, Referentin im sächsischen Wirtschaftsministerium, stellte die derzeitigen Planungen vor und beantwortete Fragen. Dabei zeigte sich, dass viele Pirnaer das Projekt kritisch sehen.

Klaus Michaelis
Klaus Michaelis Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Es besorgt mich, dass der Krach aus dem Elbtal herausgenommen und an den Stadtrand von Pirna verlegt wird", sagt Hotelier Klaus Michaelis aus Pirna-Zehista. Er verstehe nicht, warum keine Variante in die nähere Auswahl gekommen sei, bei der in der Nähe der Autobahn ein Tunnel gebaut worden wäre. "Dies hätte die Stadt Pirna mit ihren 40.000 Einwohnern nicht belastet", sagt Michaelis.  

Volkmar Leupold
Volkmar Leupold Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Ähnlich sah das auch Rentner Volkmar Leupold. "Ich finde es nicht gut, dass die Trasse so nah an Pirna herangelegt wird. Schließlich sorgt der Güterverkehr auf der Schiene für einigen Lärm." Im Elbtal seien alle froh, dass der Lärm dort wegkommt. Deshalb wäre es auch schön gewesen, Pirna mit herauszuhalten, sagt Leupold.

Dr. Rudolf Zirnstein
Dr. Rudolf Zirnstein Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Der ehemalige Eisenbahnkonstrukteur Rudolf Zirnstein bringt die Problematik auf den Punkt: "Pirna wird durch die neue Strecke in die Zange genommen, weil auch der Güterverkehr auf der alten Elbstrecke nicht abreißen wird."

Rolf Böhm, Stadtrat von Bad Schandau
Rolf Böhm Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Eine andere Sicht hat der Bad Schandauer Stadtrat Rolf Böhm. Er erhofft sich durch die geplante Strecke eine Lärmminderung für seine Gemeinde. "Obwohl ich weiß, dass es laut ist, war es für mich heute überraschend zu hören, dass wir in Bad Schandau sogar der zweitbelastetste Grenzübergang für Güterzüge in Deutschland sind. Von daher begrüßen wir die neue Strecke, weil der Güterverkehr dadurch erheblich abnehmen wird."

Petra Heldt ging auf die Fragen der Bürger ein und legte dar, warum sich das Ministerium für die vorliegende Variante entschieden habe.

Petra Heldt, Referentin im sächsischen Wirtschaftsministerium
Petra Heldt Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

"Wir haben in einer der ersten Studien 2009 auch die Variante entlang der Autobahn untersucht. Nachdem wir in den zurückliegenden Jahren zehn weitere Varianten geprüft haben, sind wir aber davon abgekommen", sagt Heldt und fügt an: "Die jetzige Variante, die über das Tal in Pirna-Zehista führt, ist aus unserer Sicht eine sehr gute Variante."

Daran, dass das Vorhaben tatsächlich realisiert wird, hat sie keine Zweifel. "Wir haben seit 2008 verschiedene Studien und Analysen gemacht. Die detaillierteste ist die Studie von 2014/15. Auf dieser Basis ist das Projekt Ende 2017 in den Bundesverkehrswegeplan eingeordnet worden. Damit ist sicher, dass es auch kommt."

Noch bis voraussichtlich Ende April 2018 können Bürger die Planungsunterlagen im Landratsamt in Pirna, Stadtflügel-Foyer, einsehen. Weitere Informationen gibt es unter www.nbs.sachsen.de.

Bahnstrecke Dresden-Prag
Die Bahnstrecke Dresden-Prag soll durch das Seidewitztal bei Pirna-Zehista führen. Bildrechte: SMWA

Verlauf der Eisenbahnstrecke: Der geplante Streckenneubau der Eisenbahnstrecke von Dresden nach Prag soll auf 34 Kilometern in einem Tunnel unter dem Erzgebirgskamm hindurchführen. Bei Heidenau südlich von Dresden geht es zunächst unter die Erde, weil sich darüber der Barockgarten Großsedlitz befindet.

Im Bereich der Ortsumfahrung von Pirna soll eine große Brücke über das Seidewitztal eine Zerschneidung der Landschaft vermeiden. Auf zwei Kilometern geht es dann durch offenes Gelände weiter zum sogenannten Basistunnel. Dieser durchquert auf 26 Kilometer Länge grenzüberschreitend das Ergebirge.

Auf tschechischer Seite wird Usti nad Labem an die Bahnstrecke angebunden. In Tschechien folgt sie zu großen Teilen der Autobahn D8, bis schließlich Prag erreicht ist.

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Der Sachsenspiegel | 20.04.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 20. April 2018, 20:01 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

1 Kommentar

20.04.2018 21:13 Na so was 1

Die Älteren unter uns können die Sache ganz locker angehen. Laut MDR-Sachsenspiegel vom 20.04.2018 ist diese Baumaßnahme nicht vor 2035 fertig. Höchstens den Baulärm wird man ertragen müssen. Noch gibt es nur eine Vorplanung für die Eisenbahnverbindung Dresden - Prag. Die Mühlen der Bürokratie mahlen langsam.

Mehr aus der Region Dresden