Scherbenhaufen Rekordverlust für Porzellanmanufaktur

Seit Jahren kämpft die Meissner Porzellanmanufaktur ums Überleben. Immer wieder musste der Freistaat Sachsen - also der Steuerzahler - einspringen, um finanzielle Schieflagen auszugleichen. Auch das Geschäftsjahr 2014 stimmt nicht hoffnungsvoll - im Gegenteil.

Die Staatliche Porzellan-Manufaktur Meissen hat einen Rekordverlust erlitten. Wie Geschäftsführer Tillmann Blaschke mitteilte, beläuft sich dieser Verlust im Jahr 2014 auf 19,2 Millionen Euro. Demnach gab es vor allem Probleme beim Geschäft in Italien. Der Verkauf neuer Produkte, wie Möbel, Schmuck, Handtaschen und Kleider, brachte dort nicht die erwarteten Erträge. Als weiterer Grund wird die unerwartet geringe Nachfrage aus Russland und China angeführt. Die italienische Geschäftsführung habe man bereits im Sommer vergangenen Jahres neu besetzt. Nach Aussage von Tillmann Blaschke soll auch künftig der Umsatz mit Meißner Porzellan im Vordergrund stehen. Gleichzeitig soll der begonnene Sparkurs der Manufaktur fortgesetzt werden. Dazu gehört Kurzarbeit.

Das Ergebnis ist ernüchternd und absolut nicht zufriedenstellend.

Tillmann Blaschke, Geschäftsführer Porzellan Manufaktur Meissen

Der finanzpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, Sebastian Scheel, sieht "verhängnisvolle Parallelen zur Landesbank". Auch hier versuchten einige von Großmannssucht getrieben das ganz große Rad zu drehen und sind zulasten des Steuerzahlers gegen die Wand gefahren. Blaschkes Vorgänger Christian Kurtzke und der ehemaliger Aufsichtsratchef Kurt Biedenkopf hätten ein zu riskantes Abenteuer zu verantworten.

Jetzt zeigt sich deutlich, dass der Kurs von Blaschkes Vorgänger Kurtzke und Kurt Biedenkopf ein riskantes Abenteuer mit verheerenden Folgen für die Manufaktur und die sächsischen Steuerzahler war. Finanzminister Unland hat dem Treiben viel zu lange tatenlos zugesehen und den Strategiewechsel unterstützt.

Sebastian Scheel, Finanzpolitischer Sprecher der Linken-Fraktion

Größenwahn einzelner Personen?

Für die haushalts- und finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Franziska Schubert, kommen die Unternehmens-Nachrichten nach eigener Aussage weniger überraschend. "Natürlich ist der dafür verantwortliche Geschäftsführer schon lange weg. Es ist dramatisch, dass die Mitarbeiterschaft vor Ort die Konsequenzen für den Größenwahn einzelner Personen tragen muss", so Schubert.

Ich halte die bisher gewählte Strategie Luxusgüter auf einem hart umkämpften Markt platzieren zu wollen, auf dem weltweit agierende Unternehmen wesentlich mehr Wissen und Erfahrung haben, für falsch.

Franziska Schubert, Finanzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion

Zudem sei auch mehr Transparenz nötig - das Parlement müsse mit einbezogen werden, denn, so Schubert: "Die Staatliche Porzellan-Manufaktur ist ein Unternehmen des Freistaates Sachsen. Der Freistaat pumpt hier seit Jahren Geld rein – Steuergeld! Und nicht nur das: durch die hundertprozentige Beteiligung ist der Freistaat hier auch zu hundert Prozent verantwortlich." Es sei daher absolut geboten, dass das Parlament Bescheid wisse "und zwar vollumfänglich, zeitnah und mit aktuellem Material." Bisherige Gutachten und Berichte, wie ein Sonderbericht des Sächsischen Rechnungshofs, dürften nur in einem verschlossenen Raum angesehen werden.

Mitarbeiter nehmen Kurzarbeit in Kauf

Nach den Ausführungen von Blaschke reagiert man im Unternehmen mit "Maßnahmen zur Steigerung von Effizienz und Wirtschaftlichkeit". So habe man im vergangenen Jahr den Eigenvertrieb verstärkt. Das zeige schon erste Erfolge. "Gleichzeitig haben die Beschäftigten und ihr Betriebsrat diesen Kurs mit der im Sommer vergangenen Jahres vereinbarten Kurzarbeit und  tariflichen Sondervereinbarungen unterstützt." Derzeit beschäftigt die Maunufaktur 661 Mitarbeiter inklusive 36 Azubis (Stand 31.12.2015). Die Kurzarbeit wurde vergangenen Sommer vereinbart und trifft je Auftragslage zwischen 50 und 60 Mitarbeiter.

Der neue Geschäftsführer Blaschke hat ein schweres Erbe angetreten. 2008 hatten Ex-Geschäftsführer Christian Kurtzke und Aufsichtsratschef Biedenkopf das Kerngeschäft mit Porzellan um Luxus-Produktgruppen erweitert. Kurtzke - vom "Manager Magazin" als "Narziss mit Goldrand" bezeichnet - ging im März 2015. Ebenfalls nicht mehr zuständig ist seit 2015 der ehemalige Ministerpräsiden Kurt Biedenkopf. Von 1991 an hatte er den Aufsichtsrat geleitet.

Porzellanmanufaktur Meissen Johann Friedrich Böttger gelang 1708 die Herstellung des ersten europäischen Hartporzellans. Eigentlich hatte Kurfürst August der Starke den Alchimisten gefangen gehalten, um ihn Gold herstellen zu lassen. Dass es am Ende "weißes Gold" wurde, geriet für Sachsen zum Glücksfall. Am 6. Juni 1710 wurde auf der Albrechtsburg in Meißen die erste Porzellanmanufaktur Europas eingerichtet. Seit 1722 sind die gekreuzten blauen Schwerter das Markenzeichen des Porzellans aus Meißen.

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9 Kommentare

16.01.2016 18:42 Erhard 9

@Möve(8) Wenn das Fälschen von Gerichtsprotokolle nicht kriminell ist. Dann ist diese "Geschäftsidee" erst recht nicht kriminell!

16.01.2016 15:40 Möwe 8

Ist das erbärmlich. Jedes Privatunternehmen wäre Pleite. Wieso muss eine Porzellanmanufaktur Kleidung und Möbel verkaufen? Welcher Stratege fand das gut, wer hat das abgesegnet? Ist das schon kriminell?

16.01.2016 10:15 romo 7

Interessant ist doch noch, wie können der ehemalige Chef , Christian Kurtzke und der ehemalige Aufsichtsratchef Kurt Biedenkopf für dieses Desaster zur Verantwortung gezogen werden und wer saß noch im Aufsichtsrat und hat diese " riskanten Abenteuer " mit zu verantworten.
Oder hat der Kurtzke sogar noch eine Abfindung bekommen. Die Karriereleiter ist er doch hochgefallen.Alles wird im Sande verlaufen und knapp 20 Mille sind verbrannt.

16.01.2016 05:56 Erhard 6

Münte: *Die kapitalistischen West-Heuschrecken sind über die DDR hergefallen. Als alles abgegrast war, sind sie weiter gezogen. Nicht die blühenden Gärten sondern eine überschuldete *Garten-Landschaft*, in dem die *Garten-Häuschen* den Banken bzw. den "Heuschrecken" gehören, ist zurück geblieben.*

15.01.2016 22:48 Colditzer 5

In Colditz gab es einmal ein Porzellankombinat.
Das versorgte den Ostblock mit Porzellan, viel Porzellan.
Dann kam lt. Steidle die Kehre und es kamen die Westgermanen,
Einer davon übernahm das Werk.
Der Schuttberg liegt heute noch.

15.01.2016 18:36 GEWY38 4

Wieso erlaubt sich denn Herr Scheel König Kurt zu kritisieren? Dieser ausgesprochen fähige Leuchtturmspezialist hat doch Sachsen zu neuen kaum zu überstrahlenden Glanz geführt. Na gut, für den König gab es nur DD und L und ein paar Hobbys wie die LBS oder eben Meissener Porzellan, aber das hat doch zu genügen. Die restlichen 3 Millionen Sachsen sollen doch sehen wie sie kommen. Das hat er jedenfalls auch seinen Nachfolgern ins Hausaufgabenheft geschrieben. Und die tun das. Als nächstes wird außer in DD und L in Sachsen der Bahnverkehr abgeschafft. Keine Angst, wir schaffen das.

15.01.2016 17:24 Gerald 3

Was haben überhaupt Politiker(Herr Biedenkopf) in einem Aufsichtsrat zu suchen? Das kann dann auch nicht gut gehen!

15.01.2016 17:18 Erhard 2

Im Kapitalismus gilt: *Die Gewinne werden privatisiert und die Verluste werden verstaatlicht.* Im Sozialismus galt: *Die Gewinne und die Verluste werden verstaatlicht.*

15.01.2016 15:53 Spottdrossel 1

Da hat der Staatsbetrieb seinen Plan nicht erfüllt. So, so und ich dachte die Zeiten der VEB sei vorbei :-) Größenwahn kommt vor dem Fall. Für den Schaden sollten die sächsischen Politiker und -innen persönlich mit ihren Privatvermögen haften - aber die Rechnung wird sicher wieder dem Steuerzahler präsentiert.

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