Infratest dimap | Umfrage Sachsen unzufriedener mit Regierungschef Tillich

Ein Jahr nach der Landtagswahl hat das Meinungsforschungsinstitut infratest dimap die Sachsen im Auftrag des MDR die Bürger befragt: Wie zufrieden sind Sie mit der Arbeit der Regierung? Wie bewerten Sie einzelne Politiker im Land? Und: Welche Haltung haben Sie in der derzeitigen Flüchtlingskrise? Die CDU liegt zwar immer noch weit vorn, hat aber eingebüßt. Die AfD konnte hingegen zulegen. Das Thema Flüchtlinge spielt bei der Meinungsbildung eine besondere Rolle. In Sachsen fürchten sich weitaus mehr Menschen vor dem Zustrom als im bundesdeutschen Durchschnitt.

Sonntagsfrage - AfD und SPD gleichauf

Die CDU bleibt mit 38 Prozent stärkste Kraft in Sachsen, hat aber im Vergleich zum Ergebnis der Landtagswahlen im August 2014 1,4 Prozentpunkte verloren. Die Linke bleibt mit 17 Prozent auf Platz zwei, muss aber ebenfalls leichte Verluste (-1,9%) einstecken. Auf Rang drei folgt wie vor einem Jahr die SPD, die ein Plus von 0,6 Prozent verbucht. Die große Koalition käme damit auf eine absolute Mehrheit von 51 Prozent. Für eine Überraschung sorgt das Ergebnis der AfD. Mit 13 Prozent liegt die Partei nun gleichauf mit den Sozialdemokraten. Bei den Landtagswahlen hatten noch 9,7 Prozent der Sachsen für die AfD gestimmt.

Die Grünen können sich leicht steigern und liegen nun bei sieben Prozent. Auch die rechtsextreme NPD würde nach den aktuellen Ergebnissen mit fünf Prozent den Einzug in den Landtag schaffen (+0,1). Die FDP ist davon weit entfernt. Mit drei Prozent büßen die Liberalen im Vergleich zur Landtagswahl noch einmal 0,8 Prozent ein.

Ministerpräsident büßt enorm an Zustimmung ein

Bei der Zufriedenheit mit den Politikern muss Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) enorme Verluste hinnehmen. 60 Prozent der Befragten sind mit seiner Arbeit zufrieden. Vor einem Jahr waren es noch 75 Prozent. Dennoch bleibt Tillich der beliebteste Parteichef im Land. Ihm folgt Martin Dulig von der SPD. Mit seiner Arbeit sind 32 Prozent aller Befragten zufrieden. Er verliert damit vier Prozentpunkte. Auffällig ist dabei, dass nur 53 Prozent der SPD-Anhänger angeben, mit Duligs Arbeit zufrieden zu sein.

AfD-Chefin Frauke Petry hat sechs Prozentpunkte hinzugewonnen und genießt damit das Vertrauen von 20 Prozent der Befragten. 39 Prozent geben an, mit der Arbeit von Petry weniger oder gar nicht zufrieden zu sein. Schlusslichter der Umfrage sind Linke-Chef Rico Gebhardt mit 14 Prozent und der Grünen-Fraktionsvorsitzende Volkmar Zschocke mit acht Prozent.

Nach Angaben der Meinungsforscher muss man bei der Zufriedenheit mit der Arbeit der Politiker auch die Bekanntheit berücksichtigen. Ministerpräsident Tillich ist mit Abstand der bekannteste Politiker im Land. 94 Prozent der Befragten geben an, ihn zu kennen. Wirtschaftsminister Dulig und AfD-Vorsitzende Petry sind dagegen fast der Hälfte der Befragten unbekannt. Rico Gebhardt, Partei- und Fraktionschef der Linke, kommt nur auf einen Bekanntheitswert von 27 Prozent. Volkmar Zschocke kennen nur 18 Prozent.

Mehr Zufriedenheit mit Vorgängerkoalition

Einen auffallend hohen Verlust bei der Zufriedenheit mit ihrer Arbeit muss die Landesregierung innerhalb von rund 14 Monaten hinnehmen: 50 Prozent sind derzeit mit der schwarz-roten Koalition zufrieden. Im Juli 2014 hatten sich noch 63 Prozent über das damalige schwarz-gelbe Bündnis zufrieden geäußert (-13 Punkte).

Zusammenhang Schulabschluss - Einstellung zum Thema Flüchtlinge

In der Diskussion um steigende Flüchtlingszahlen stimmen 81 Prozent der Befragten der Aussage zu: "Ich schäme mich für die gewalttätigen Proteste gegen Flüchtlinge". Zwölf Prozent sehen das anders. 44 Prozent erklären ihre Bereitschaft, sich vor Ort für Asylbewerber zu engagieren. Ebenfalls 44 Prozent sind eher gegen die Aufnahme weiterer Flüchtlinge. 60 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen die Anzahl der neuen Flüchtlinge eher Angst mache. Damit liegt Sachsen weit über dem bundesdeutschen Durchschnitt. Deutschlandweit erklären 38 Prozent, Angst vor der Masse der Flüchtlinge zu haben.

Deutlich wird auch, dass der formale Bildungsgrad in direktem Zusammenhang mit der Angst vor dem Flüchtlingsstrom steht. Unter den sächsischen Befragten mit Abitur oder Fachhochschulreife fürchten sich eher 38 Prozent. Von den Personen mit Mittlerer Reife haben 66 Prozent Angst vor dem Zustrom, bei Menschen mit Volks- oder Hauptschulabschluss sind es 71 Prozent.

Der "Sachsentrend September 2015" ist eine repräsentative Umfrage von infratest-dimap im Auftrag des MDR. Die Antworten stammen von 1.001 Personen über 18 Jahre, die zwischen dem 9. und dem 14. September 2015 interviewt wurden.

Zuletzt aktualisiert: 16. September 2015, 20:52 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

111 Kommentare

18.09.2015 12:25 Meinung99 111

@103. Stefan T - Was Sie sich damals wie heute "dachten", sollte man nicht überbewerten. Die genannte Losung kenne ich wohl, aber leider muss ich Sie an dieser Stelle herb enttäuschen. Es war in der Umbruchzeit nicht die meine; vielleicht für jemand wie Sie nur schwer vorstellbar. Nun letzten Endes war meine Meinung damals wie heute nicht von Bedeutung, das politische Establishment schert sich nicht um noch so viele Einzelmeinungen. Letztlich zeigen Reaktionen wie die Ihre, dass das "Runde" doch den Weg ins "Eckige" gefunden hat und sei nur verbal - gel?

18.09.2015 10:33 R.K 110

zu 109 genau so ist es,schlimmer wie zu stasi zeiten nur berichten was der deutsche hören soll,gehirnwäsche nenne ich sowas

18.09.2015 04:16 Schlund Georg 109

in den öffentlichen Medien, die mittlerweile staatlich gelenkt sind, werden Umfragewerte veröffentlicht, die mit Sicherheit getürkt sind und niemals der Realität entsprechen. In meinem grossen Bekannten- und Kollegenkreis gibt es nicht einen Befürworter der Asylpolitik und auch im Westen werden die Leute scharenweise die AFD wählen. Es wird grosse Veränderungen geben in der Parteienlandschaft und dann wird das Geschrei gross sein. Wer wohl dafür die Verantwortung trägt?

17.09.2015 20:03 uwe 108

Wenn man sich vorstellt, dass laut Umfrage die Linksparteien zusammen 37% haben, dann kann einem jetzt schon Angst werden vor der nächsten LTW. Wenn die ans Ruder kommen, gibt es unkontrollierten Ausländerzustrom, Abschiebungen von kriminellen Asylanten werden aufgehoben usw. usf.

17.09.2015 18:46 Anne Wand 107

Da haben sich die Konsensdemokraten von den "verschiedenen" Parteien soviel Muehe gegeben, unser einfaeltig-tristes Leben mit "buntem und vielfaeltigem Flair zu wuerzen", und dann sowas! Undank ist der Welten Lohn! /:=)

17.09.2015 18:01 Paulchen 106

"Die AfD holt auf und zieht mit der SPD gleich" LOL

17.09.2015 16:34 bernd berger 105

nunja,es ist eine unüberlegte politik wie so oft von merkel und co,sie zielt in der regel auf popullaritätspunkte ab,in verkennung der realen gegebenheiten und schadet mehr als alles andere.aber einsicht ist dann fehlanzeige,es sind dann andere schild oder sie sind eben nazis.
man denke an energiewende,russlanddsanktionen,elektroautos,griechenland,alles getöne und ein schuß in den ofen.typisch merkel und union.aber es gibt ja auch nur noch luschen und ja sager dort,die anderen sind gegangen.

17.09.2015 16:08 bernd berger 104

nunja,es ist eine unüberlegte politik wie so oft von merkel und co,sie zielt in der regel auf popullaritätspunkte ab,in verkennung der realen gegebenheiten und schadet mehr als alles andere.aber einsicht ist dann fehlanzeige,es sind dann andere schild oder sie sind eben nazis.
man denke an energiewende,russlanddsanktionen,elektroautos,griechenland,alles getöne und ein schuß in den ofen.typisch merkel und union.aber es gibt ja auch nur noch luschen und ja sager dort,die anderen sind gegangen.

17.09.2015 15:54 Stefan T 103

@84. Meinung99: "Es sind reine Wirtschaftflüchtlinge mit dem Willen, sich nun in unserer "Wertegemeinschaft" ihren Wert(betrag) vom Lben abzuholen"
.
Wie war noch gleich der Spruch: "Kommt die D-Mark bleiben wir, kommt sie nicht, gehn wir zu ihr". Kommt Ihnen das bekannt vor? Nein? Das dachte ich mir...

17.09.2015 14:37 Johannes Dietzelt 102

@ Maria A.: Entweder verschließen Sie Augen und Ohren oder Sie wollen es einfach nicht wahrhaben, weil es Ihrem Weltbild nicht entspricht.
"Gestern sind bei einem Rebellenangriff auf unter Kontrolle des syrischen Regimes stehende Stadtteile von Aleppo mindestens 38 Menschen ums Leben gekommen, darunter seien 14 Kinder. Dies teilte die in Großbritannien ansässige Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte (SOHR) mit!"
Wie soll man, liebe Maria A., da Normalität herstellen?
Ich fürchte, wenn man glaubt, alle Flüchtlinge kommen hier her, weil wir so reich sind, verkennt man ein Großteil der Hauptflüchtlinge.
Gott sei Dank helfen überhaupt ein paar reiche Länder, während sich andere z.B. Saudi-Arabien oder leider auch Kanada etc. wegducken!
Die CDU ist nicht für die Flucht der Flüchtlinge verantwortlich, genausowenig wie alle anderen Partein in Deutschland!

Mehr aus der Region Dresden