10.11.2019 | 15:49 Uhr Martinstag in Sachsen - Was wird da gefeiert?

Am 11.11. verbinden sich viele Traditionen aus der Antike, dem Mittelalter und dem 19. Jahrhundert. Am deutlichsten wird das bei Martinsfesten, Gottesdiensten und Lampionumzügen überall in Sachsen. Was da genau gefeiert wird und warum, erklärt MDR SACHSEN in der Übersicht.

Kinder stehen am 11.11.2013 während dem Sankt-Martins-Umzug mit Laternen auf dem Winterfeldtplatz in Berlin.
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Am Montag wird in Sachsen in fast allen Kirchgemeinden der St. Martinstag bei zahlreichen Gottesdiensten und Andachten gefeiert. Im Anschluss daran finden vielerorts Lampionumzüge und Martinsfeuer statt. Viele Feiern werden gemeinsam von evangelischen und katholischen Christen gestaltet, teilte das Evangelisch-Lutherische Landeskirchenamt Sachsen mit.

Wer oder was wird eigentlich gefeiert?

Mit den Martinsfeiern wird an die historische Gestalt des Martins erinnert. Der Mann aus dem heutigen Ungarn war im 4. Jahrhundert römischer Offizier. In Frankreich in Amiens soll er um 338 einen Bettler getroffen haben, der in der Kälte zitterte und kaum mehr als Lumpen getragen haben soll. Der Legende nach soll Martin seinen Mantel zerschnitten und dem Mann geschenkt haben. In der Nacht darauf ist ihm Christus erschienen. Martin ließ sich daraufhin taufen und verließ den Militärdienst. Er trat in die Dienste eines Bischofs, wo er sich als Exorzist betätigte und später als Einsiedler lebte.

Nach dem Tod des Bischofs wünschten sich die Gläubigen den bescheidenen und beliebten Martin als Nachfolger. Der jedoch versteckte sich im Gänsestall. Das Geschnatter der Federtiere verriet ihn. Angeblich wurde er gegen seinen Willen nach Tours gebracht und zum neuen Bischof gewählt. Bischof Martin starb am 11.11. Sein Einsatz für Nächstenliebe und Barmherzigkeit wird bis heute mit Martinsumzügen und Martinssingen gewürdigt. St. Martin gilt auch als Schutzpatron der Armen.

Mehr über die Legende des Heiligen Martins lesen Sie hier:

Was hat es mit der Martinsgans auf sich?

Eine Wurzel des Ursprungs bezieht sich auf die Legende des Verstecks im Gänsestall. Andererseits lässt sich der Brauch des Martinsgangsessen darauf zurückführen, dass früher immer am Martinstag der Kirchenzehnt und die Pacht bei den Bauern abgeliefert werden musste. Nach dem 11.11. begann die 40-tägige Fastenzeit vor Weihnachten. So ein Gänsebraten war auch ein Grund, vorher noch einmal festlich zu essen. Das gilt auch für spezielles Gebäck. Da in der Fastenzeit Butter, Eier und Milch nicht gegessen werden durften, wurden die Zutaten in speziellen Schmalzbroten und Hefekuchen verbacken. Im Rheinland kennt man Stutenkerle und Weckmännchen.

Martinsgänse in Sachsen - Rund 406.000 Gänseküken sind in diesem Jahr bislang in Sachsen geschlüpft.
- In Sachsen gibt es sieben Geflügelbrütereien - darunter vier für Gänse.
- In den vier Betrieben wurden rund 639.100 Eier zum Ausbrüten gelegt.
- Damit liegt Sachsen bei der Brut von Gänsen nach Niedersachsen den zweiten Platz ein.
- Bundesweit schlüpften 2019 rund 1,14 Millionen Gänseküken.

Quelle: Landesamt für Statistik Kamenz

Eine andere Überlieferung aus Frankreich erzählt, dass Martin als Bischof predigte, als er durch eine Schar schnatternder Gänse unterbrochen wurde, die in die Kirche gewatschelt kam. Die Tiere wurden gefangen genommen und gebraten verspeist.

Warum finden Lampionumzüge statt?

Feuer
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  • Die Laternenumzüge waren in katholischen Gebieten Brauch, weil am Abend des Martinstages die Kinder von Haus zu Haus zogen und von betuchteren Bauern Leckereien bekamen. Die hatten am Stichtag 11.11. ihre Pacht und Zinsen in Form von Getreide, Fleisch oder Nahrungsmitteln bekommen. Während ihres Umgangs trugen die Kinder Lichter und Lampen bei sich.
  • In evangelisch geprägten Regionen wurde mit Lampionumzügen dem Geburtstag des Reformators Martin Luthers am 10. November gedacht. Luther wurde am 11. November auf den Namen des Tagesheiligen getauft. Oft enden Lampionumzüge mit einem Martinsfeuer, das in vielen Gemeinden als Freudenfeuer wahrgenommen wird.
  • Im alemannischen Raum in der Schweiz kennt man am 11.11. das Fest des Räbenlichts. Früher wurden spätestens am 11.11. die letzten Feldfrüchte eingebracht. Die damaligen Grundnahrungsmittel Rüben (Räbe) wurden ausgehöhlt, mit Kerzen bestückt und von Kindern durch die dunklen Straßen getragen.

Hier finden Martinsfeste in Sachsen statt

Sicherheits-Tipps für den Martinsumzug

  • Sicherheitsxperten raten, genügend Sicherheitsabstand zu Feuer, Fackeln und dem Martin auf dem Pferd zu halten.
  • Grundsätzlich spreche nichts dagegen brennende Kerzen in Lampions. Allerdings reichten Windböen oder kleine Rempler manchmal aus, damit die Laterne Feuer fängt. Daher sollten Kerzen möglichst gut gesichert werden und in der Mitte der Laterne stehen. Für Stumpenkerzen gibt es spezielle Halterungen, Teelichte können mit Klebeband am Boden befestigt werden.
  • Kleine Kinder sollten besser einen Leuchtstab oder LED-Licht tragen.
  • Kinder sollten helle Kleidung, die möglichst mit Reflektoren ausgestattet ist, zum abendlichen Umzug gehen. So werden sie von Autofahrern gut gesehen.
  • Fackeln sollten nur unter Aufsicht eines Erwachsenen getragen werden. Der TÜV empfiehlt kurze und leichtere Fackeln mit einer kürzerer Brenndauer, weil Kinder noch nicht so viel Kraft haben und mit der Zeit die Konzentration nachlässt.
  • Es gibt Pech- und Tuchfackeln, Wachsfackeln oder Bambusfackeln mit Lampenöl. Auf Fackeln mit brennbaren Flüssigkeiten sollte verzichtet werden, weil sie auslaufen und Verbrennungen oder Brände verursachen können. Selbstgebaute Fackeln haben bei Umzügen Experten zufolge nichts zu suchen.
  • Heißes Wachs oder Pech kann tropfen und den Fackelträger verletzen. Gefährdet sind besonders Gesicht und Hände. Als nützlich haben sind Arbeitshandschuhe beim Fackeltragen erwiesen. Offene, lange Haare sollten zusammengebunden werden. Auch weite Ärmel, Fransen oder Schnüre an der Kleidung gelten als ungeeignet.
  • TÜV-Experten raten von als "sturmfest" gepriesene Fackeln ab. Bei stärkerem Wind können Kleidung, Haut oder Haare in die Flamme geraten.
  • Viele Pferde ängstigen sich vor Feuer. Kinder mit Laternen und Fackeln sollten daher Abstand zum Tier halten. Wenn ein Pferd Tier ein Kind verletzt oder Schäden anrichtet, haftet dafür nach Angaben von Versicherern der Pferdehalter.
  • Bei Laternenumzügen von Kindergarten oder Schulen sind Kinder gesetzlich unfallversichert. Auf Eltern trifft das nach Angaben der Deutschen Vermögensberatung nur zu, wenn sie zum offiziellen Betreuungspersonal gehören. Bei privaten Umzügen greift nach Schäden die private Unfallversicherung.

Mit ihren selbstgebastelten Laternen nehmen Kinder Masha (l-r), Finnja, Moritz und Keno am 11.11.2014 in Berlin am Martinsumzug teil.
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Quelle: MDR/kk/AFP/dpa/TÜV

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.11.2019 | ab 06:40 Uhr im Programm
MDR SACHSENSPIEGEL | 11.11.2019 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 10. November 2019, 15:50 Uhr

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