Ein Mann schaut sich frische Triebe an Rebstöcken an.
Winzer Hendrik Weber ist im Weinberg mit dem Ausbrechen überflüssiger Triebe beschäftigt. Das sichert ihm im Herbst gute Trauben für die Grundweine, aus denen er Sekte herstellt. Bildrechte: Sektmanufaktur Perlgut

Sekttag in Radebeul und Meißen Junger Winzer lässt die Sektkorken knallen

Sachsens Winzer lassen zum Deutschen Sekttag die Korken knallen. Die Sektmanufaktur Perlgut und das Staatsweingut Schloss Wackerbarth laden zur Verkostung ihrer Sektkreation ein. Bis der perlende Genuss aber trinkreif ist, benötigen die Winzer viel Ausdauer und Geduld.

Ein Mann schaut sich frische Triebe an Rebstöcken an.
Winzer Hendrik Weber ist im Weinberg mit dem Ausbrechen überflüssiger Triebe beschäftigt. Das sichert ihm im Herbst gute Trauben für die Grundweine, aus denen er Sekte herstellt. Bildrechte: Sektmanufaktur Perlgut

Die Mai-Sonne lässt die Temperatur auf dem Weinberg von Hendrik Weber im Meißner Spaargebirge gegen Mittag auf knapp 30 Grad Celsius klettern. Der 30 Jahre junge gelernte Winzer und studierte Fachmann für Weinbau und Kellerwirtschaft begutachtet die zartgrünen Austriebe seiner Spätburgunder-Reben. "Wir müssen überflüssige Triebe ausbrechen", erklärt er. "Diese Arbeit ist ein Mosaiksteinchen für gesunde Trauben im Herbst."

Sachsen ist perfekt für Sekt

Weber ist der einzige Winzer in Sachsen, der sich ausschließlich dem Sekt verschrieben hat. Seit 2013 baut er seine Sektmanufaktur Perlgut in Meißen auf, hat seit Ende 2016 die ersten Sektkreationen fertig und im Verkauf.

Sachsens Klima ist geradezu prädestiniert für die Sektherstellung. Ähnlich wie in der Champagne.

Hendrik Weber Winzer

Dem Sektmacher kommt besonders zugute, dass für Schaumweine die Trauben nicht voll ausreifen sollen. Durch viele kühle Nächte zum Ende des Sommers bleibt die für den Sekt notwendige Säure in den Beeren erhalten.

Geerntet wird alles von Hand, damit nur gesundes unversehrtes Lesegut im Keller landet. Weil Weber seine Weinberge naturnah ohne Herbizide und Pestizide bewirtschaftet, begegnen ihm bei der Arbeit eine Vielzahl von Insekten, geschützten Reptilien, Amphibien und einheimische  Vögel. Auch beim Abpressen der ganzen Trauben geht es äußerst schonend zu. Die Mostausbeute beträgt maximal 66 Prozent, damit verhindert der Winzer unerwünschte Gerbstoffe in den Grundweinen. Diese darf Hendrik Weber übrigens in Coswig im Weingut Matyas ausbauen, wo er als Kellermeister beschäftigt ist. Nach und nach will er aber das Versekten in die Manufaktur nach Meißen verlegen. "Bis dahin haben wir aber noch einiges zu tun."

Hier knallen am Sonnabend zum Sekttag die Sektkorken Zum Deutschen Sekttag am Sonnabend, dem 12. Mai, bietet das Staatsweingut Schloss Wackerbarth in Radebeul ab 11 Uhr spezielle Führungen zur Sektherstellung an. Im Gutsrestaurant wird ein extra kreierte Sektmenü serviert. Die Sektmanufaktur Perlgut lädt ab 14 Uhr zur Verkostung ins Weingut Matyas, Spitzgrundstraße 12 in Coswig, ein. Um 15 und um 17 Uhr verrät Winzer Hendrik Weber bei Kellerführungen, wie aus Grundweinen der prickelnde Flaschengärsekt wird.

Sport sorgt für nötige Ausdauer und Kondition

Der Winzer hat als Firmengründer fast immer eine Sieben-Tage-Woche. Vom Rebschnitt zu Jahresbeginn bis zur Weinlese steht er selbst tagein tagaus in den Rebzeilen. Ausdauer und Kondition bringt der 30-Jährige von seinem Hobby mit.

In seiner recht knappen Freizeit ist er Leichtathlet und hat sich seit seiner Kindheit den Wurfdisziplinen verschrieben. Unterstützt er wird er in seinen Weinbergen von Familie, Freunden und seinem Arbeitgeber. Schon während seines Studiums in der renommierten Weinbauschmiede Geisenheim im Rheingau hat er in seiner sächsischen Heimat erste Weinberge erworben und aufgerebt. Die 127 Perlen des  Logos seiner jungen Sektmanufaktur erinnern an die ersten 127 Spätburgunder-Jungpflanzen, die er auf dem Meißner Kapitelberg direkt in seinem Anwesen auf einen neu angelegten Weinberg gesetzt hat.

Inzwischen bewirtschaftet Weber rund 1,5 Hektar Rebfläche - in Steillage - in den bekannten sächsischen Weinlagen Meißner Kapitelberg und Radebeuler Lößnitz für seine Sektproduktion. "Ich verarbeite ausschließlich sächsische Trauben." Bis aus denen allerdings der perfekte Sekt wird, vergehen Jahre.

Bildergalerie Von der Rebe bis zum Schaumwein

Bis aus einer Weintraube prickelnder Sekt wird, hat ein Winzer viel zu tun. Los geht es mit dem Rebschnitt im Winter. Fertig ist guter Schaumwein oft erst Jahre später nach langem Hefelager.

Ein Winzer schaut in eine Sektflaschen, die er falsch herum in die Luft hält.
Mehr als 20 Mal geht jede Flasche durch die Hände des Winzers. Bildrechte: Sektmanufaktur Perlgut
Ein Winzer schaut in eine Sektflaschen, die er falsch herum in die Luft hält.
Mehr als 20 Mal geht jede Flasche durch die Hände des Winzers. Bildrechte: Sektmanufaktur Perlgut
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Höherer Druck als in einem Autoreifen

Nachdem die Grundweine im Edelstahltanks oder Holzfass ausgebaut sind, werden diese mit Zucker und Hefe versetzt in Flaschen gefüllt. Während der sogenannten traditionellen Flaschengärung liegt der Sekt - je nach Sorte und gewünschtem Stil - teilweise mehrere Jahre auf der Hefe. Gesetzlich vorgeschrieben sind mindestens neun Monate. Verschlossen sind die Flaschen dabei mit einem Kronkorken.

Erst vor dem Degorgieren (Enthefen) kommen sie ins Rüttelpult und werden von Hand gedreht bis sich die Hefe im Flaschenhals gesammelt hat. Dann wir der Hefepfropfen gefroren und mit geübtem Griff herausgeschossen, wobei der Kronkroken mit einem speziellen Werkzeug geöffnet wird. Danach wird dem Sekt noch eine Dosage - eine Mischung aus Wein und Zucker - hinzugefügt.

Mit Naturkorken wird die Flasche schließlich verschlossen und mit einer Agraffe - einem Drahtkörbchen - gesichert. Immerhin liegt der Druck bei rund sechs bar und ist damit doppelt so hoch wie der eines gut aufgepumpten Pkw-Reifens. Nun fehlen nur noch die Kapsel und das  Etikett.

Mit Geduld ans Ziel

Weil Hendrik Weber seine Sektmanufaktur genauso nachhaltig betreibt, wie er seine Weinberge bewirtschaftet, investiert er nur nach und nach und immer dann, wenn er wieder Sekt nach langer Reifezeit verkauft hat. "Geduld ist da schon gefragt", gibt er zu und macht sich daran, die überzähligen Triebe aus der nächsten Rebzeile auszubrechen. In wenigen Tagen beginnt er damit, die Reben in den Drahtrahmen zu stecken.

Sektproduktion in Sachsen In Sachsen ist das Staatsweingut Schloss Wackerbarth als großer Sekthersteller bekannt. Ein Teil der Produktion begründet sich auf der Tradition der Marke "Bussard", deren Ursprung 1836 in einer Fabrikation für moussierende Weine liegt. Auch das Prädikatsweingut Schloss Proschwitz baut seit einigen Jahren eine Sektlinie auf und hat die gesamte Produktion in die eigene Kellerei geholt. Flaschengärsekte haben ferner die Winzergenossenschaft Meißen und das Radebeuler Stadtweingut Hoflößnitz im Angebot, wobei die preiswerteren Varianten meist keine sächsischen Schaumweine sind. Zudem werden von den großen Betrieben auch einfache Tankgärsekte angeboten, die weniger Finesse haben. Viele kleinere Weingüter und Winzer im Anbaugebiet experimentieren ebenfalls mit eigenen Winzersekten zur Ergänzung ihres  Weinsortiments. Sie geben ihre Grundweine häufig zum Versekten in darauf spezialisierte Weingüter. Im vergangenen Jahr bestanden in Sachsen nach Angaben des Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie 22 Sekte aus dem Anbaugebiet die Qualitätsweinprüfung, in diesem Jahr bereits sieben.

Quellen: MDR/lam

Dieses Thema in Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 11.05.2018 | 18:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 08. Mai 2018, 08:56 Uhr

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