Stau auf der Carolabrücke in Dresden.
Bildrechte: IMAGO

Diskussion über Sicherheit in der Stadt Dresdner fürchten vor allem den Straßenverkehr

Stau auf der Carolabrücke in Dresden.
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Wie sicher ist unser Dresden? Dieser Frage ging am Dienstagabend eine Gesprächsrunde in der Volkshochschule auf den Grund. Allerdings hielt sich das Interesse in Grenzen. Gerade einmal drei Frauen und ein Mann hatten sich eingefunden, um mit Dresdens Polizeisprecher Thomas Geithner und dem Grünen-Landtagsabgeordneten Valentin Lippmann zu diskutieren. Ordnungsamtsleiter Ralf Lübs fehlte krankheitsbedingt.

Im Vordergrund der Diskussion stand zunächst die Frage, warum gefühlte Sicherheit und tatsächliche Sicherheit so häufig auseinanderfallen. Thomas Geithner sagte dazu: "Obwohl Dresden die fünftsicherste Stadt in Deutschland ist, sind es immer die spektakulären Einzelfälle, die in Erinnerung bleiben."

Gerichtsverfahren finden zu spät statt

Eine Frau mit Erfahrungen als Schöffin bei Gericht, bestätigte diese Einschätzung. Sie sagte: "Vor etwa vier Wochen hat jemand einer Oma am Wasaplatz die Tasche entrissen. Der Täter schmiss sie um, so dass sie sich das Becken gebrochen hat. Wenn ich daran denke, stehen mir die Haare zu Berge. Ich fühle mich nicht sicher." Sie beklagte, dass häufig die Bestrafung nicht auf dem Fuße folge: "Wenn ein Gerichtsverfahren erst in einem Jahr ist, interessiert das keinen mehr. Es müsste deutlich schneller gehen."

Für Valentin Lippmann ist dieser Ärger nachvollziehbar. "Die Gerichte sind überlastet. Außerdem fehlen Staatsanwälte. Manche Verfahren wie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz werden daher bei geringer Schuld eingestellt."

Bei einer Gesprächsrunde sitzen vier Frauen und vier Männer an einem Tisch.
In kleiner Runde stellten sich der Dresdner Polizeisprecher Thomas Geithner und der Grünen-Landtagsabgeordnete Valentin Lippmann den Fragen der Bürger. Bildrechte: MDR/Stephan Hönigschmid

Gesellschaftliche Probleme - ein Fall für die Polizei?

Für Thomas Geithner sind im Bereich der Drogenkriminalität nicht nur Justiz und Polizei gefragt. "Wir können an Brennpunkten wie dem Wiener Platz in Dresden zwar einen Einsatz nach dem anderen durchführen. Das grundlegende gesellschaftliche Problem werden wir dadurch aber nicht lösen." Die entsprechenden Leute würden lediglich verdrängt werden, so Geithner.

Vor dem Hintergrund der vielen Einsätze in den vergangenen Jahren, die sich durch Fußballspiele und Demonstrationen erhöht haben, stellte der Polizeisprecher die Frage nach den Grenzen der Belastbarkeit der Polizei. "Jeder hat persönliche Erwartungen an die Polizei. Wir sollen mehr Streifen losschicken, Verkehrserziehung anbieten und die Leute beraten, wenn sie sich eine Alarmanlage einbauen. Die Kapazitäten sind jedoch begrenzt."

Härtere Strafen im Straßenverkehr gefordert

Angeregt diskutiert wurde auch beim Stichwort Straßenverkehr. Alle Besucher schilderten lebhaft ihre Erlebnisse mit Rasern, drängelnden und falsch abbiegenden Fahrzeugen und solchen, die bei Rot über die Ampel fahren. Sie waren sich einig, dass die Vergehen härter bestraft werden sollten. Hohe Geldstrafen wie in der Schweiz oder den Entzug des Autos hielten sie für richtig. Außerdem plädierten sie für ein Tempolimit auf Autobahnen.

Die Lebhaftigkeit der Diskussion erweckte den Eindruck, dass das Gefährlichste an Dresden der Straßenverkehr sei. Als Grüner nahm Valentin Lippmann diesen Ball gerne auf. "Es ist spannend, dass wir darüber reden, weil die wenigsten beim Thema Sicherheit zuerst an den Verkehr denken. Mehr Kontrollen wären nötig. Bisher fehlt dafür aber das Personal bei der Verkehrspolizei."

Quelle: MDR/sth

Dieses Thema im Programm von MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.03.2018 | 12:00 Uhr in den Nachrichten
MDR SACHSENSPIEGEL | 23.03.2018 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Mai 2018, 16:20 Uhr

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9 Kommentare

17.05.2018 14:35 Egon 9

6 handverlesene Bürger erklären was sie fürchten.
Vielleicht stellt man die einfach persönlich vor. So wie früher, als es die AfD noch nicht gab und die Kriminalitätsstatistiken noch keinen interessiert haben.

17.05.2018 10:26 Gaihadres 8

@Nr.4 & 6: Bei Dynamospielen sind - je nach Spiel und Verein - ein bis zwei Hundertschaften im Einsatz. Polizeikräfte die für die andere Tätigkeiten fehlen. Und hier bemerke ich seit der Jahrtausendwende eine deutlich höhere Polizeipräsenz als früher. Über die Gründe muss man nicht spekulieren. Wenn ich dagegen ein Spiel der Eislöwen besuche: Da trennen die Fans der Auswärtsmannschaft ein rot-weißes Absperrband und es gibt ein paar Ordnungskräfte - von den Zuschauerzahlen abgesehen ist da eine ganz andere Einstellung seitens der Fans zu bemerken. Die Stimmung ist ruhiger, um nicht zu sagen schon fast entspannt. Und was die Monate betrifft: Auch da werden regelmäßig Polizeikräfte gebunden, die anderswo fehlen. Und ich kenne nicht wenige, die an Montagen die Innenstadt generell meiden. Beides zusammen hat also durchaus Einfluss auf die allg. Sicherheitslage im Freistaat und Dresden im speziellen.

17.05.2018 08:25 Na so was 7

Grünen-Landtagsabgeordneter Valentin Lippmann: "Mehr Kontrollen wären nötig. Bisher fehlte dafür aber das Personal bei der Verkehrspolizei." Richtig erkannt, Herr Lippmann. Es ist allerdings jahrelang nicht beachtet worden, dass auch Polizisten Jahr für Jahr ein Jahr älter werden und dann sagen, "Tschüß, ich gehe jetzt in den Ruhestand, ihr könnt mich alle mal." Warum hat den niemand von den "Oberen" da mal dran gedacht, es müsssen jedes Jahr genügend junge Menschen in Ausbildung gehen ? Da wird gewartet und erstmal nichts gemacht. Nur, hier bringt der Spruch, "Wer nichts macht, macht keine Fehler" keine Punkte. Was ist die Lösung: Da gibt es auf einmal "Wach- oder Hilfspolizisten", die nach dreimonatiger Ausbildung auf die Straße geschickt werden. Ähnlich den "Seiteneinsteigern", die dann als Lehrer (auch drei Monate Schnellausbildung) in den Schulen vor die Klassen gestellt werden. Diese beiden Beispiele zeigen doch nur die Unfähigkeit der Regierungsparteien in den letzten Jahren.

17.05.2018 06:03 dresdnerin 6

@1 Was hat Dynamo und Montagabend mit Sicherheit in Dresden zu tun? Das verstehe ich jetzt nicht???

17.05.2018 05:44 dresdnerin 5

Bei dieser Verkehrspolitik kann einem auch Angst werden.Es sind nun mal viele aufs Auto angewiesen.Es wird ja auch verlangt das man immer weitere Arbeitswege in Kauf nimmt.Öffentlicher Nahverkehr ist in Dresden ausbaufähig.Zu Stoßzeiten und im Schülerverkehr steht man bald übereinander in Bus/Bahn.Tagsüber fahren nicht alle Linien im 10min Takt, manche alle 20/30min.Und dann fahren manche Linien zwischen 21/22Uhr und 4/5 Uhr gar nicht. Und wenn ich dann öfters den alltäglichen Wahnsinn Bergstr sehe, wo frühs Pendler in die Stadt wollen, und die Stadt nicht in der Lage ist, die Verkehrsführung bzw Ampelschaltung so zu machen das man ohne stop und go durchkommt.Aber Hauptsache da steht jetzt ein Blitzer auf der Bergstr.Ohne Worte.Die Verkehrsteilnehmer sollten sich wieder mehr aufs wesentliche konzentrieren.wie viele Autofahrer spielen am Handy rum,fahren einem ohne zu gucken in den Sicherheitsabstand.Radfahrer fahren oft wie sie wollen,gern auch bei rot und ohne Licht. Kopfhörer auf...

16.05.2018 21:49 Mal ne Anmerkung 4

@1 Was ändern Dynamo-Spiele an der Sicherheitslage ,außer das hunderte Polizisten unterwegs sind ,warum auch immer.
Übrigens beim letzten Spiel gegen Union im Stadion keinerlei Probleme und in der Stadt 2 Festnahmen in Worten ZWEI!
Und das bei einer Zuschauerzahl von über 30
000 Fans !
Und gefühlt handiert ,jeder zweite während der Fahrt mit dem PKW ,an seinem Handy rum!
Kontrollen Fehlanzeige!!!Es wird bei Rot gefahren,Radfahrer haben ihre eigenen Verkehrsregeln usw.!
Und was ist mit den "Sammelpunkten der Menschen mit viel Tagesfreizeit"?
Da wird ganztägig gesoffen und gelärmt ,in die Anlagen uriniert und Menschen belästigt!
Interressiert scheinbar niemand von den "Ordnungsbehörden" der Stadt.

16.05.2018 16:42 Brennabor 3

@ Gaihadres. Ich kann Ihnen nur beipflichten, Sie
haben mit allem Recht. Man sollte privates
Autofahren viel teurer machen und den
öffentlichen Nahverkehr attraktiver !
Zum Beispiel einen 7,5 Minuten Takt bei der
Straßenbahn ( hat es früher Mal gegeben ! )

16.05.2018 16:02 Unverständlich 2

Andere Ängste hat man in Dresden nicht,
auch nicht vor dem,
was den Montagabenden entspringt?

16.05.2018 15:01 Gaihadres 1

@MDR: Termine für solche Gesprächsrunden gehen oft unter, weil sich jeder anderweitig informiert. Vielleicht könnten Sie hier alle Ihre Kanäle im Voraus bespielen, damit man darüber informiert wird, dass solche Runden stattfinden. @Thema: Beim Verkehr kann ich nur zustimmen. Die Fahrweise ist über die Jahre viel aggressiver geworden. Ein Kernproblem sind die schlechten Ampelphasen - die verleiten aus Frust viele zum rasen - aber auch das mangelhafte Gefühl für die tatsächliche Geschwindigkeit durch neue Fahrzeuge. Blinken ist auch aus der Mode gekommen. Abgesehen von der Drogenkriminalität, den Dynamospielen und der aufgeheizten Stimmung an Montagen hab ich bisher nicht das Gefühl, dass sich die Sicherheitslage geändert hätte.