22.10.2019 | 11:33 Uhr Stipendium erinnert an Ermordung der schwangeren Ägypterin El-Sherbini

In Dresden wird heute das das Marwa El-Sherbini-Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz verliehen. Es erinnert an einen grausamen Mord und appelliert an Menschenrechte.

Die Ägypterin Marwa El-Sherbini
Das Familienfoto zeigt die Marwa El-Sherbini bei ihrer Hochzeit. Die 31-Jährige war 2009 bei einer Gerichtsverhandlung vor den Augen ihres kleinen Sohnes im Gerichtssaal niedergestochen worden. Bildrechte: dpa

Die Stadt Dresden verleiht heute das Marwa El-Sherbini-Stipendium für Weltoffenheit und Toleranz. Dabei wird Maya Singh, Tochter indischer Eltern ausgezeichnet. Die junge Frau studiert an der Evangelischen Hochschule Dresden und engagiert sich vielfach für die Gesellschaft. "Ich freue mich, dass wir mit der neuen Vergabe des Marwa El-Sherbini-Stipendiums den Staffelstab für Weltoffenheit und Toleranz würdig weitergeben können", erklärte Dresdens Oberbürgermeister Dirk Hilbert. "Mit Maya Singh wurde eine junge Frau ausgewählt, die ihre beispielhaften persönlichen Erfahrungen heute einsetzt, um anderen zu helfen. Wir dürfen gespannt sein auf das vielfältige Engagement und die Aktivitäten der frisch gebackenen Brückenbauerin zwischen den Kulturen."

Toleranz als wichtiger Wert

Professor Eckhard Beyer, Geschäftsführer von DRESDEN-concept sagte: "Es ist heute genauso wichtig wie vor zehn Jahren, die Werte Toleranz, Weltoffenheit und Respekt in der Stadtgesellschaft zu verbreiten. Die Partner im DRESDEN-concept stehen hinter diesen und sind froh mit Maya Singh eine zusätzliche Botschafterin in die Stadt zu haben." DRESDEN-concept ist ein Verbund aus Wissenschaft und Kultur.

Marwa El-Sherbini mit 16 Messerstichen getötet

Das Stipendium erinnert an die Ermordung der ägyptischen Pharmazeutin Marwa El-Sherbini. Sie war nach einer Gerichtsverhandlung mit 16 Messerstichen getötet worden. Ziel des Stipendiums ist die Förderung zukünftiger Führungs- und Fachkräfte, die gesellschaftliche Verantwortung übernehmen und sich aktiv für Freiheit, Demokratie und Menschenrechte einsetzen. Das Stipendium wird es von Sachsens Integtrationsministerin Köpping und Dresdens Bürgermeister Lamontain übergeben. Es beträgt 750 Euro monatlich und wird alle zwei Jahre zum Semesterstart vergeben.

Die neue Marwa El-Sherbini-Stipendiatin Maya Singh
Die neue Marwa El-Sherbini-Stipendiatin Maya Singh (Mitte) mit Integrationsministerin Petra Köpping und dem Raoul Schmidt-Lamontain, Bürgermeister für Stadtentwicklung in Dresden. Bildrechte: SMGI/Marion Doering

Stipendiatin engagiert sich gegen Rassismus

Maya Singh ist in Nordrhein-Westfalen geboren und lebt seit 2013 in Dresden. Neben ihrem Studium engagiert sie sich in den Studentenvertretungen der Hochschule, organisiert Veranstaltungen zu Themen wie Rassismus und Feminismus und unterstützt als Tutorin ausländische Studierende. Sie arbeitete sie als studentische Aushilfe im Büro für Gleichstellung der Hochschule, wo sie an der Erstellung des Diversitätskonzepts der EHS mitwirkte. Weiterhin engagierte sie sich ehrenamtlich im "Kinderhaus Rabe" der Diakonie Dresden oder im Verein "Internationale Gärten Dresden e. V." aktiv.

Hintergrund: Die Ermordung der Ägypterin Marwa El-Sherbini jährt sich in diesem Jahr zum zehnten Mal. Die Pharmazeutin kam im Jahr 2005 zusammen mit ihrem Mann, dem Genforscher Elwi Ali Okaz nach Deutschland. 2006 wurde der gemeinsame Sohn geboren. 2008 wurde Okaz als Doktorand am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik angestellt. Im August 2008 wurde Marwa El-Sherbini von ihrem späteren Mörder auf einem Dresdner Spielplatz als "Islamistin" und "Terroristin" beschimpft. Nach Anzeige bei der Polizei wurde gegen den Beschuldigten Anzeige erhoben. Bei der Gerichtsverhandlung am 1. Juli 2009 tötete der Angeklagte die Pharmazeutin El-Sherbini, als diese nach ihrer Zeugenaussage den Gerichtssaal verlassen wollte mit 16 Messerstichen und verletzte ihren Mann lebensgefährlich. Der dreijährige Sohn wurde Zeuge, wie seine Mutter verblutete. Die Staatsanwaltschaft sprach von einem Einzeltäter, der aus einer "extrem ausländerfeindlichen Motivation" handelte. Der Mörder wurde am 11. November 2009 durch das Landgericht Dresden wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt – das Gericht stellt die besondere Schwere der Schuld fest.

Quelle: MDR/kt

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 22.10.2019 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 22. Oktober 2019, 11:33 Uhr

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