Kunstaktion vor dem Kulturpalast in Dresden
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Kunst vorm Kulturpalast Ein Trojaner für Dresden

Die Kunst ist frei. So lautet das Motto einer Aktion, die seit Freitagabend vor dem Dresdner Kulturpalast zu besichtigen ist: ein fünf Meter hohes und halbe Tonne wiegendes Trojanisches Pferd.

von Wolfram Nagel

Kunstaktion vor dem Kulturpalast in Dresden
Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Die Geschichte ist schnell erzählt: Troja wurde von den Griechen belagert. Mit einer List verschafften sie sich Zugang zur Stadt. Die Kämpfer versteckten sich im Bauch eines hölzernen Pferdes. Die Trojaner glaubten, es sei ein Geschenk der Götter und zogen es herein. Für die Stadt bedeutete das den Untergang.

Kunstaktion vor dem Kulturpalast

Die Initiatoren vom Dresdner Verein Pro Mitsprache e.V. betrachten ihr "Trojanisches Pferd" als Gegenprojekt zu Kunstinstallationen wie den Bussen von Manaf Halbouni vor der Dresdner Frauenkirche. Gegen das "Monument" hatten unter anderem Anhänger von Pegida und der Identitären Bewegung protestiert. Es sei viel Steuergeld geflossen, so ein Argument der Kritiker.

Das "Trojanische Pferd" sei hingegen privat finanziert worden. Vereinssprecher Rene Jahn beziffert die Aufwendungen auf rund 50.000 Euro. Handwerker, Unternehmer, Anwälte, Musiker und andere Künstler zählten zu den Geldgebern. Unter ihnen ist etwa die Loschwitzer Buchhändlerin Susanne Dagen, Mitinitiatorin der Dresdner Charta 2017 um Uwe Tellkamp. Diese wurde auch vom Psychoanalytiker Hans Joachim Maaz unterschrieben, der das Projekt am Freitag miteröffnet hat. Ebenso beteiligt ist die ehemalige DDR-Bürgerrechtlerin Angelika Barbe.

Pro Mitsprache e.V. Der gemeinnützige Verein "Pro Mitsprache" ist als interaktive Plattform für Bürger der Stadt Dresden gegründet worden. Der Verein will sich nach eigenen Angaben mittels Demonstrationen, Kunstaktionen und anderen Aktivitäten für gelebte Demokratie und Sicherheit in der Stadt einsetzen.

Initiative kritisiert Flüchtlingspolitik

Zwar lautet das Motto "Die Kunst ist frei", doch will der Verein Pro Mitsprache mit dem Objekt auf Entwicklungen im Land aufmerksam machen, die nicht unwidersprochen bleiben dürften. "Entwicklungen, die unsere Tradition und unsere Kultur zerstören", hieß es. Ein zweites Argument: Die Regierung handle an den Menschen vorbei. Auch in Troja sei das Volk nicht gefragt worden. So musste es zur Katastrophe kommen. Die Initiatoren sehen sich in der Rolle des Priesters Laokoon, der vergeblich davor gewarnt hatte, das Geschenk anzunehmen.

Der Psychoanalytiker Maaz nannte das trojanische Pferd ein Symbol für List und Naivität. Für die List stehe die "Unkontrollierte Masseneinwanderung, die unsere westliche Lebensform herausfordert und infrage stellt", so Maaz. Zur Naivität gehört aus seiner Sicht die Annahme, "dass Willkommenskultur und Integrationsbemühungen das Problem der Migration" lösen könnten.

Kunstaktion vor dem Kulturpalast in Dresden
Das "Trojanische Pferd" ist fünf Meter hoch und wiegt etwa eine halbe Tonne. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Dialog statt Konfrontation

Wenige Besucher widersprachen einer solchen Interpretation des Mythos aus der Odyssee. Eric Hattke vom Dresdner Verein Atticus warnte hingegen vor einfachen Antworten und Feindbildern, versteckt im Bauch des Trojanischen Pferdes.

Unter dem Deckmantel von Freiheitsliebe und Heimatliebe versuchen rechtsnationale Gruppierungen moralisch-gesellschaftliche Grenzen zu verschieben. Dafür kann dieses Pferd durchaus stehen.

Eric Hattke Vorsitzender Atticus e.V.

Atticus e.V. "Atticus" ist ein ein gemeinnütziger Verein aus Dresden der sich besonders in den Bereichen politische und interkulturelle Bildung sowie Integration engagiert. Nach eigenen Angaben setzt sich der Verein "für ein lebendiges, weltoffenes, partizipatives, inklusives und vielfältiges Dresden und Sachsen" ein.

Ein Mann unterschreibt auf einem Plakat, auf dem "Kunst ist frei" steht.
Besucher der Kunstaktion drücken ihre Zustimmung mit Unterschriften auf einem Plakat aus. Bildrechte: MDR/Wolfram Nagel

Rene Jahn wertet das Projekt schon jetzt als Erfolg. Es sei viel diskutiert worden und dabei friedlich geblieben. Der Verein sei von vielen Bürgern aufgefordert worden, seine Arbeit fortzusetzen, so Jahn. Ein Besucher kam sogar auf die Idee, die Aleppo-Busse und das trojanische Pferd gemeinsam aufzustellen. Dann stünden zwei konträre Ansichten gleichberechtigt gegenüber und man könnte trefflich streiten, ohne sich zu beschimpfen.

Zunächst bildet das Objekt am Montagabend die Kulisse für die "Große Friedensdemonstration" von Pegida, bei der gegen die Angriffe in Syrien demonstriert werden soll. Anschließend wird es abgebaut. Später soll das Pferd auf Reisen gehen. Zwei Städte hätten sich schon für das Kunstprojekt interessiert, so Vereinssprecher Jahn.

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 16.04.2018 | 09:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

Zuletzt aktualisiert: 16. April 2018, 12:30 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

38 Kommentare

18.04.2018 07:33 HERBERT WALLASCH, Pirna 38

An @33-Dresdner Lehrer - Was soll man darunter verstehen " wußten nichts ... konnten mit dem Bild nichts anfangen ". Ging es da rein um das aktuelle Geschehen, das Foto oder auch um den grichischen Mythos?. Falls Letzters, so wäre das ein absolutes Armutszeugnis für Schüler und Lehrer.Natürlich färbt der Alltag auch auf die Schüler ab, die gemachten Erfahrungen, die angestrebten Ziele und die Möglichkeiten dahin zu gelangen. Freigeist kann heutzutage nur der sein, der sich das auch finanziell leisten kann, ansonsten wartet man auf Richtungsorjentierung von oben und stößt dann mit ins Horn. Genau wie zu DDR-Zeiten, nur mit anderen Vorzeichen, obwohl man uns Anderes einreden will.

17.04.2018 22:13 Meliorator 37

@Hippiehooligan 32:

1. Seit wann ist man rechts, wenn man gegen fundamentalreligiöse Terrormilizen ist? Ist man als Linker FÜR religiöse Terrormilizen? Wissen Sie eigentlich was Marx dazu sagt? Sollten sie mal lesen.

2. Man muß kein "Rechter" sein, um zu wissen, um was für Busse es sich handelte. Man muß einfach nur lesen können. Daß Sie diesen Skandal nicht mitbekommen haben, spricht für sich.

3. Der "Künstler" hat übrigens sogar an dieser Installation festgehalten, als öffentlich wurde, daß diese Busse im Original der Ahrar ash-Sham dienten.

Dabei stellt sich die Frage, seit wann genau er das wußte. Also wenn ich ein Projekt mache, dann weiß ich so was. Zumal es auf dem offiziellen Reuters-Foto zu erkennen war. Damit stellt sich dann auch die Frage, ob Sie mit Ihrer perfiden Unterstellung der Fehlinterpretation richtig liegen. Das können wir wohl ausschließen.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

17.04.2018 22:07 Bernd L. 36

Dresdner Lehrer:
Dann sollten Sie den Schülern die Metapher vom Trojanischen Pferd erklären (ist auch gut für die Allgemeinbildung) , ein Beispiel angeben, und dann auf die Installation verweisen. Die Schüler kommen schon drauf, notfalls die Eltern.
Die Frage nach den Personen, die das Pferd reingeholt haben, würde ich nicht beantworten - das könnte Sie eventuell Ihren Job kosten.
Querdenker:
Breitscheidplatz wäre ein sehr geeigneter Platz.

17.04.2018 21:50 Dresdner Lehrer an Elisa 35

Warum wollen Sie Kommentar 19 falsch verstehen ? Ich habe ein differenzierteres Verhältnis zu älteren Menschen ausgedrückt und lediglich, dass ich nicht wirklich nachvollziehen kann, wie Menschen, die im Alltag vernünftig sein mögen, bei den Pegida-Kundgebungen "ausrasten". Was dieses verhalten angeht und das, was von der Bühne kommt - haben Sie je in den letzten Monaten als Außenstehender unvoreingenommen eine Pegida-Rede und die Zuhörerreaktion wahrgenommen ? Oder die allgemeine Reaktion der Dresdner an einem Montag ? "Ach die schon wieder"... Als Lehrer bin ich unserem Wissensstand, unseren Lehrplänen, unseren Gesetzen, der Verfassung unseres Freistaats und dem Grundgesetz verpflichtet. Das verbietet mir nicht, eine differenzierte Meinung zu haben. Die wollen die Schüler egal welcher Seite hören. Sie teilen sie nicht unbedingt und das - wieder im Rahmen unserer Ideen - ist i.O., aber sie respektieren sie, wenn ich sie erklären kann.

[Liebe User,
bitte bleiben Sie beim Thema.
Kommentare ohne Bezug zum Thema des Artikels werden entsprechend unserer Kommentarrichtlinien (http://www.mdr.de/service/kommentarrichtlinien100.html) nicht freigegeben.
Ihre MDR.de-Redaktion]

17.04.2018 20:31 Querdenker 34

Wunderbare Kunstaktion! In der Interpretation wirklich frei, da nicht stark vorbelastet, wie die drei Busse, auf der die Fahne der Islamisten im Original wehte und die wahrscheinlich auch von ihnen erbaut wurde. Ich hoffe das Pferd geht auf Reisen durch Deutschland. Zum Beispiel zum Breitscheidplatz in Berlin.

17.04.2018 20:00 Dresdner Lehrer 33

an Bernd L.: Eine ganze Reihe Schüler wussten nichts, konnten auch mit dem Bild nichts anfangen, hielten das für Kram. Die Mitschüler, die das schon kannten, erklärten das und die Aussage fast alle für "Schrott", selbst die sagen wir "etwas rechteren".
an ralf meier: nun ja - die alten Griechen liebten auch die Helden auf der Seite Trojas. Nicht umsonst waren sie ebenso und fast mehr Günstlinge der griechischen Götter... Die Helden um Odysseus schlachteten sich ja ganz gern gegenseitig ab und gingen selbst aus griechischer Sicht ziemlich würdelos mit den Toten um - die meisten im Pferd spielten sonst aber kaum eine Rolle... Natürlich ist das OT. Ich habe den Nonsens mit dem Pferd nicht ins Spiel gebracht ;)

17.04.2018 19:20 Hippiehooligan 32

@Meliorator Hm... ein Beitrag voller bewusster Fehlinterpretationen und Behauptungen. Was für ein Genie muss man sein, um aufgerichtete Busse sofort zu durchschauen, während ein trojanisches Pferd scheinbar voller künstlerischer Raffinesse steckt. Diese Rechten sind offenbar allwissend. Beeindruckend...

17.04.2018 18:48 Elisa 31

@ Dresdner Lehrer 19
Wer so pauschal von "Einpeitschern, Lügnern und Hetzern" spricht, ist in seiner Wahrnehmung sehr mit Vorurteilen behaftet. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Sie als Lehrer neutral ihre Arbeit leisten.
Ihre Einstellung älteren Menschen gegenüber ist ungerecht.

17.04.2018 17:17 Ulrike 30

Habe es geschafft, das künstlerische Werk zu besichtigen. Auch lohnte es sich bei der Friedens-Demo (es ging um Syrien) dabei zu sein.

17.04.2018 15:24 Meliorator 29

@Hippiehooligan 27: Eine Barrikade islamistischer Terroristen ist eine Barrikade islamistischer Terroristen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie aus Bussen oder aus Kameldung besteht. Was gibt es da hineinzuinterpretetieren? Oder halten Sie die Kopfabschneider von Ahrar ash-Sham für Freiheitskämpfer? Dann sollten sie mal den Generalbundesanwalt befragen. Der klärt Sie auf.