Leipziger Verein klärt auf Psychisch krank? Na und!

Die Förderung der seelischen Gesundheit ist in Deutschland bislang kein nationales Gesundheitsziel. Der Verein "Irrsinnig Menschlich" will dem Thema mit dem Projekt "Verrückt? Na und!" zu einer breiteren öffentlichen Wahrnehmung verhelfen.

Schüler in der Projektarbeit.
Wie fühlt sich eine Depression an? Was kann man dagegen tun? Die Schüler sollen seelische Krisen rechtzeitig erkennen lernen. Bildrechte: Irrsinnig Menschlich

Das Projekt "Verrückt? Na und!" wurde bereits 2001 vom Leipziger Verein "Irrsinnig Menschlich" ins Leben gerufen. Im Jahr 2014 wurde in auch in Dresden eine Regionalgruppe aus der Taufe gehoben. Gegründet hat sie die Dresdnerin Nicole Trenkmann. Seither wächst das Projekt, das sich vorrangig an Schüler der Oberschulen und Gymnasien, aber auch an junge Erwachsene richtet, auch hier stetig. Sachsenweit gibt es inzwischen drei Regionalgruppen, dazu kommen weitere in Thüringen und Sachsen-Anhalt. Bundesweit erreichte die Initiative im vergangenen Jahr mit insgesamt 69 Regionalgruppen um die 15.000 Schüler an 80 Standorten sowie 5.000 weitere in Österreich, Tschechien und der Slowakei.

Nicole Trenkmann, Projektleiterin und Leiterin der Regionalgruppe Dresden.
Die Dresdnerin Nicole Trenkmann hat die Dresdner Regionalgruppe von "Verrückt? Na und!" im Jahr 2014 gegründet und leistet mit psychisch Erkrankten Aufklärungsarbeit. Bildrechte: MDR/Jane Jannke


In Sachsen hatten Ministerin für Soziales und Verbraucherschutz Barbara Klepsch (CDU) sowie die scheidende Kultusministerin Brundhild Kurth (CDU) die Schirmherrschaft für das Projekt übernommen, das nach eigener Darstellung das schwierige Thema seelische Krisen in Schule, Ausbildung und Beruf "besprechbar machen" will. Wie sehr Aufklärung in diesem Bereich gerade bei jungen Menschen nottut, deutete 2016 eine Studie der DAK an. Demnach fürchten junge Menschen zwischen 14 und 29 psychischen Erkrankungen wie keine andere. 40 Prozent der Befragten hatten Angst, selbst zu erkranken. Die Furcht vor dem Unbekannten führt dazu, dass Betroffene häufig auf Vorurteile und Verunsicherung treffen - was wiederum zum Haupthindernis für die Inanspruchnahme von Hilfsangeboten wird. "Verrückt? Na und!" will Berührungsängste abbauen und mehr Toleranz gegenüber psychisch Erkrankten schaffen, aber auch über Frühwarnsignale aufklären und dadurch Betroffene zu einem offenen Umgang mit ihrer Erkrankung ermutigen. Als Eisbrecher und Medium fungieren dabei sogenannte "persönliche Experten"- psychisch erkrankte Menschen, die aus eigener Erfahrung berichten können.

Notfallkoffer gegen seelische Krisen.
Kleine Helfer für seelische Krisen: "Verrückt? Na und!" gibt Schülern einen Leitfaden zur Selbsthilfe in die Hand. Bildrechte: MDR/Jane Jannke

Nicht erkannte oder aus Angst vor Diskriminierung verschwiegene bzw. verdrängte psychische Erkrankungen haben häufig verheerende Folgen. "Irrsinnig Menschlich" zufolge liegen 50 Prozent der Schulabbrüche psychische Erkrankungen zugrunde. 70 Prozent aller Jugendlichen im Strafvollzug sowie 90 Prozent aller Jugendlichen, die sich das Leben nehmen, leiden an einer psychischen Erkrankung. Hinzu kommt, dass mentale Krankheitsbilder mittlerweile zur Volkskrankheit avancieren: 33 Prozent der Deutschen sind mindestens einmal pro Jahr von einer psychischen Störung betroffen. Die Mehrzahl der Erkrankungen beginnt vor dem 20. Lebensjahr. Einer von fünf Jugendlichen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren ist davon betroffen. Armut und ein niedriger Sozialstatus begünstigen eine Erkrankung bereits im Kinder- und Jugendalter. Im Schnitt vergehen vom ersten Auftreten der Symptome bis zum Eintritt einer adäquaten Behandlung acht bis zehn Jahre.

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Quelle: MDR/jaja

Zuletzt aktualisiert: 01. Oktober 2017, 15:28 Uhr