Neue Studie Vorländer: Pegida wird so schnell nicht verschwinden

Dresdner Politikwissenschaftler haben am Mittwoch eine Studie zur fremdenfeindlichen "Pegida"-Bewegung präsentiert. Die Autoren Hans Vorländer, Maik Herold und Steven Schäller liefern nach eigenen Aussagen eine erste systematische Analyse der asyl- und islamfeindlichen Bewegung, die seit Ende 2014 fast jeden Montag in Dresden demonstriert. Als Basis für das Buch mit dem Titel "Pegida - Entwicklung, Zusammensetzung und Deutung einer Empörungsbewegung" dienten den Autoren empirische Studien - sowohl eigene als auch von anderen Wissenschaftlern. Eingeflossen sind Untersuchungen zu Organisatoren, Vernetzungen, Kundgebungen und Demonstranten sowie Reaktionen von Politik, Medien und Gesellschaft.

Die wichtisten Thesen und Erkenntnisse:

  • Die Partei AfD ist der "parlamentarische Arm" der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung.
  • Bei den kommenden Wahlen werde Pegida der AfD "mehr Stimmen sichern", die sich aus der fremdenfeindlichen Bewegung rekrutieren.
  • Die fremdenfeindliche Pegida-Bewegung ist ein "Ausdruck allgemeiner Unzufriedenheit mit der Politik und im Speziellen mit der Flüchtlingspolitik".
  • Für die Parolen der selbst ernannten "Retter des Abendlandes" ist auch "die Mitte der Gesellschaft anfällig".
  • "Pegida" in Dresden ist eine "rechtspopulistische Empörungsbewegung", die "Vorbehalte und Aversionen gegen die politische und mediale Elite in Deutschland hat".
  • Die Bewegung hat ein "vulgär-demokratisches Politikverständnis" und mobilisiert fremdenfeindliche und islamkritische Ressentiments.

Pegida sucht Nähe zur AfD

Pegida sucht derzeit offen die politische Nähe zur AfD. Das frühere AfD-Mitglied Tatjana Festerling sagte in ihrer Rede am Montag bei Pegida, es gebe "keine parlamentarische Stimme, die sich gegen die deutsche Unrechtsregierung" erhebe. "Einzige Opposition in Deutschland ist die Straße, das sind wir, das ist Pegida und das ist die AfD." Dann rief sie dazu auf, bei den Landtagswahlen im März in Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt die Wahlurnen "qualmen" zu lassen.

Politikwissenschaftler Vorländer erklärte im Gespräch mit der Nachrichtenagentur epd jedoch auch, zwischen AfD und Pegida in Dresden gebe es keine unmittelbare Allianz.

Viele Teilnehmer hören nicht auf Reden

Dass Hass-Reden etwa gegen Politiker, Flüchtlinge und Journalisten von den Demonstrationsteilnehmern akzeptiert würden, bezeichnete Vorländer als ein "Phänomen, das nicht wirklich nachzuvollziehen ist". Er erklärt dies mit einer Unterscheidung zwischen Rednern und Teilnehmern. In der Tat werde eine radikale Rhetorik gepflegt, die aber von den Teilnehmern nur zum Teil geteilt werde, sagte Vorländer.

Auch würden Reden von einigen Demonstranten akustisch gar nicht wahrgenommen, sie hörten den Protagonisten gar nicht zu. Dagegen pflegten sie mit den regelmäßigen Kundgebungen "eine Form ritueller Gemeinschaftsförderung". Das "wöchentliche montägliche Ritual" sei ihnen wichtig, zum Teil unterhielten sich Teilnehmer vor allem untereinander. Pegida sei geprägt von "einer gänzlichen Anti-Haltung", mache jedoch selbst keine konstruktiven Angebote, sagte der Politikwissenschaftler.

Die fremdenfeindliche Bewegung hätte geschätzt zwischen 3.000 bis 4.000 Anhänger weniger, wenn es die Flüchtlingskrise nicht gebe, ist Vorländer überzeugt. Letztere habe jedoch der Bewegung im Herbst 2015 "neues Leben eingehaucht". Derzeit sehe es nicht so aus, dass Pegida verschwinde, so der Wissenschaftler. Die Gefahr, dass Rechtsextremisten die Themen von Pegida für ihre Zwecke instrumentalisieren, bestehe indes immer.

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175 Kommentare

26.01.2016 23:30 Melly Thomas 175

Wenn ich mir hier einige Kommentatoren lese, muss ich bemerken, dass diese offensichtlich rassistisch gegen eine Menschengruppe eingestellt ist, die der AFD ihre Stimme geben möchten. Diese Kommentatoren, die ich zu den Gut-Menschen zähle, müssen doch zuallererst wissen, was "political correctness" bedeutet! Für mich haben sie damit die Untergrenze an Niveaulosigkeit erreicht! Nach dem Motto: Wasser predigen und Wein trinken... Weiter so...

22.01.2016 16:49 schelm 174

@ 168: Mediator ist der Oberschlauberger in jedem Forum. Thema ist egal, er schlägt seit Monaten alle Foristen um Längen, egal um was es geht. Nein, stimmt nicht ganz. Wenn es um Faktenwissen geht, ist er prinzipiell schweigsam. Nur bei Themen die kein Faktenwissen benötigen, läuft er mit seiner Polemik und Agitation zu Hochform auf. Rat: Ignorieren, weil Dialog nicht möglich. Nicht aufregen, die Realität will er nicht zur Kenntnis nehmen.

22.01.2016 11:35 Horst 173

an Wo geht es hin: Ihrem Kommentar ist wieder mal nichts hinzuzufügen! Einige User holen aus uralten Ereignissen immer wieder ihre Meinungen hervor, weil sie keinerlei andere Handhabe gegen vernünftige User mehr aufbringen können! Es ist schon beschämend, wie sie es auf diese Weise immer wieder versuchen!

22.01.2016 10:40 Kurt Hugo 172

@163 lokalpatriot: Guten Morgen, gut geschlafen? Wenn Sie jetzt noch einen Abstand in mm, m oder km zwischen "Handlungen und Papieren" auf der einen wie auf der anderen Seite nennen, sind wir aufgeklärt. Schön finde ich besonders Ihre offensichtliche Sympathie für "unter der Hand" verratene Ziele gegenüber offenen, sagen wir "modifizierten" Änderungen seiner eigentlich nach außen transportierter Überzeugungen. Mir persönlich ist es lieber, ich kenne die Absichten meines Gegenüber, auch wenn sie mir gar nicht gefallen. So, aber jetzt muß ich für unseren heutigen Stammtisch die Kommentare von Mediator checken!

22.01.2016 10:12 winfried 171

@163 ... Auch ich bejahe, wie Sie, zumindest die Pegida-Thesen: 8. PEGIDA ist FÜR die Ausschöpfung und Umsetzung der vorhandenen Gesetze zum Thema Asyl und Abschiebung! und 9. PEGIDA ist FÜR eine Null-Toleranz-Politik gegenüber straffällig gewordenen Asylbewerbern und Migranten!

22.01.2016 07:55 winfried 170

Aus obigem Beitrag:"... zum Teil unterhielten sich Teilnehmer vor allem untereinander. ..." ... Hr. Vorländer beschreibt damit auch das Verhalten der Parlamentarier, z.B. im Bundestag. Also etwas "ganz Normales".

22.01.2016 07:21 Wo geht es hin? 169

@158. lokalpatriot: Wenn Sie alte Kamellen (Viehzeug, Gelumpe) ausgraben wollen, das kann ich auch, bringt aber keinen weiter. Die anderen Punkte von Ihnen (Horden, Invasoren, Vergewaltiger) sind wohl Ihrer Meinung nach nicht zutreffend? Wenn sich "Gäste" bei Ihnen zu Hause auch so benehmen würden, wie das ein Teil der Einwanderer hier tut, würden Sie diesen dann auch noch nach einem Schlag in`s Gesicht (z.Bsp.Köln) liebevoll die andere Wange hinhalten? Ihr Hinweis auf das KZ-Zitat zeigt mir allerding, dass Sie entweder das Zitat nicht im Zusammenhang gelesen haben oder böswillig für Ihre Argumentation benutzen (KZ erwähnen, sofort duckt sich jeder zusammen und es ist als Brachialkeule bestens geeignet, wenn man keine anderen Argumente hat). So macht "Diskussion" keinen Sinn!

22.01.2016 07:10 Wo geht es hin? 168

@156. Mediator Zitat von Ihnen: Warum bezeichnet Fensterling diese Menschen als Kinderschänder, Vergewaltiger und potentielle Steiniger? Zitat Ende. Weil es so ist! Und wieso "potentiell"? Ist doch schon massenweise passiert! Nach Köln berichten ja nun sogar die Mainstreammedien mehr und mehr realistischer und die Anzahl der Fälle ist äusserst beunruhigend. Ich könnte Ihnen TÄGLICH mindestens 20-30 Fälle aufzeigen, die Dunkelziffer dürfte immer noch erheblich höher sein. Und genau DIE meint Festerling auch und nicht ALLE! DAS interpretieren SIE da hinein! Und über Merkel brauchen wir gar nicht mehr reden, sie handelt diktatorisch und gegen geltendes Recht, oder wollen Sie ernsthaft besser Bescheid wissen, wie 3 ehemalige Verfassungsrichter? Würde zu Ihnen passen!

22.01.2016 00:05 Dresdner an V2Knut 167

„Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste." (Karl Jaspers). Besten Dank für die dümmliche Steilvorlage: Ihr Zitat, lieber Raketenknut, trifft vollinhaltlich auf die allmontaglichen Reden und deren nichtzuhörenden Zujubler zu. Sie glauben im Vollbesitz der Weisheit zu sein und disqualifizieren alle Kritiker als nichtsahnend. Jaspers kritisiert genau diese Denke. Übrigens auch schon unsere alten europäisch-abendländischen griechischen Denker...

21.01.2016 23:59 HOPF L. 166

@152.Torten B.:Voller Schmunzeln verfolge ich Eure Diskussion
hier in diesem Forum.Um etwas Sachlichkeit hier einzubringen,
verweise ich auf den Beitrag in der "Welt" vom 14.01.2016,mit
der CDU Politikerin Zana Ramadani(eine Frau mit muslimischen
Wurzeln aus Mazedonien),mit folgenden Überschriften:"Der Islam
macht unsere Werte kaputt".Seit wütend auf die muslimischen
Frauen".Sie war auch in der Sendung bei Markus Lanz am 20.01.
2016,und hatte in dieser Tacheles geredet.Sie erinnert mich an
die Kriminaloberkommisarin Tania Kambouri,Tochter von grie-
chischen Migranten,die in Ihrem Buch "Deutschland im Blaulicht"
(Notruf einer Polizistin)in Punkto islamische Kultur,zu dem gleichen
Ergebnis kommt.

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