Teufelsturm
Der Waldumbau in der Sächsischen Schweiz ist gar nicht so einfach. Bildrechte: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V./Frank Richter

Waldumbau in Sachsen Zehn Jahre Verzug im Nationalpark Sächsische Schweiz

Der Waldumbau im Nationalpark Sächsische Schweiz dauert bis zum Jahr 2030. Das sind zehn Jahre mehr, als es die Vorgaben der Internationalen Naturschutzunion erlauben. Die Ursache liegt nicht nur in der Geschichte, sondern auch in einer schwankenden Akzeptanz der Bevölkerung.

Teufelsturm
Der Waldumbau in der Sächsischen Schweiz ist gar nicht so einfach. Bildrechte: Tourismusverband Sächsische Schweiz e.V./Frank Richter

In der DDR der 1970-er Jahre hieß das Motto: Fichten in Monokultur. Ein Desaster. Denn der Borkenkäfer fühlte sich in dieser Monokultur recht wohl. Er raffte ganze Bestände an Fichten wieder dahin. "Wir machen den Förstern keinen Vorwurf", so Hanspeter Mayr, der Sprecher der Nationalparkverwaltung, "es war ja die blanke Not. Die Bäume mussten schnell hochgezogen werden."

Borkenkäfer: Schädling oder schlauer Ingenieur?

Mit der Wende 1990 setzte ein gezielter Waldumbau ein. Das Motto nun: Vom Nadelwald zum Mischwald, in dem auch Laubbäume ihre Berechtigung haben. Die Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz blickt seitdem mit einem wohlwollenden Auge auf den Borkenkäfer. Der Borkenkäfer sei zwar ein Schädling, sagt Sprecher Mayr. Er sei aber auch nützlich. Denn er sorge dafür, dass die Fichten verschwinden und sich dafür im Unterholz Buchen breit machen können.

Hanspeter Mayr, der Sprecher der Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz
Bildrechte: Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz/Theresa Brose

Der Borkenkäfer ist ein Ingenieur. Er operiert uns die Fichten aus dem Wald.

Hanspeter Mayr Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz

Doch zu viele Borkenkäfer schaffen Kahlflächen, die jedem Besucher ins Auge springen. Der Nationalpark bekomme ein Akzeptanzproblem, so Mayr: "Dann kommen die Menschen und sagen: So viele Kahlflächen haben wir uns aber nicht vorgestellt." Die Konsequenz: Die Nationalparkverwaltung muss beide Sichtweisen gegeneinander abwägen und den Waldumbau deshalb manchmal auch verlangsamen.

Waldarbeiter im Winter in Hochform

Drei Waldarbeiter mit Helm stehen an einer Forsterntemaschine
Im Winter kommen Holzerntemaschinen vom Typ Harvester zum Einsatz. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz/Hanspeter Mayr

Der zweite Grund für den Verzug beim Waldumbau ist der Wechsel der Jahreszeiten. Gearbeitet wird nicht im Sommer, sondern im Winter. "Wir arbeiten nur außerhalb der Vegetationsperiode; und außerhalb der Brutzeit", erklärt Mayr.

Damit soll die Natur im Nationalpark in besonderer Weise geschützt werden. Das verzögert den Prozess um Jahre. Manchmal ist Hanspeter Mayr ungeduldig: "Ich möchte das ja auch noch erleben."

Waldumbau auch mit Eichhörnchen

Insgesamt ist Mayr aber durchaus zufrieden. Die Fichten verschwinden langsam. Die Buchen sind gesundheitlich stabiler und eine willkommene Alternative. Für die Verbreitung der Samen sorgten Eichelhäher und Eichhörnchen, so Mayr. "Die Buchen haben nach dem Laubaustrieb ein helles Grün. Das kann man sehr schön sehen." Parallel werden pro Jahr etwa 30.000 Weißtannen in der Sächsischen Schweiz angepflanzt. Die Gesamtbilanz: 60 Prozent des Waldes sind bereits neu sortiert.

Eine tote Fichte liegt umgestürzt am Steilhang
Borkenkäfer leisten in der Regel ganze Arbeit: Die toten Fichten müssen raus. Bildrechte: Nationalparkverwaltung Sächsische Schweiz/Sina Klingner

Probleme mit der Internationalen Naturschutzunion gibt es laut Mayr übrigens nicht. Die Fachleute akzeptierten den Sonderweg beim Waldumbau im Nationalpark Sächsische Schweiz. Auch wenn er eigentlich gar nicht erlaubt ist.

Nationalpark Sächsische Schweiz: Zahlen und Fakten
Fläche 9.350 Hektar  
Wanderwegenetz 565 Kilometer insgesamt  
Besucherzahl 2,9 Millionen jährlich  
Klima subatlantisch bis subkontinental, bekannt als "Kellerklima"  
Gehölze Fichte, Rotbuche, Gemeine Kiefer, Traubeneiche, Weißtanne, Hainbuche  

Über dieses Thema berichtet MDR auch im Radio MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 23.05.2017 | Nachrichten 8:00 Uhr sowie Regionalnachrichten des Studios Dresden | 14:30 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 16. Oktober 2017, 13:02 Uhr

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4 Kommentare

25.05.2017 08:33 Spottdrossel 4

Laßt die Borkenkäfer mümmeln! Schon in 300 bis 600 Jahren wird da ein wunderbarer natürlicher Wald stocken (insofern wir uns und die Welt nicht bis dahin mittels Atomschlag "platt" gemacht haben).

24.05.2017 12:51 Gaihadres 3

@Nr. 1: Ihr Beitrag ist - wie so üblich - nicht nur völlig hanebüchen, sondern diesmal ein Unfug der seines gleichen sucht. Bereits im ersten Abschnitt können Sie von der Problembewältigung in den 70iger Jahren lesen, die in der Monokultur geendet hat. Bereits da wurden Erfahrungswerte ignoriert, dass hat schon einmal gar nichts mit irgendwelchem Gutmenschentum noch mit Wohlstandsbürgern zu tun. Ihre persönliche politische Grundhaltung dürfen Sie gern für sich behalten, die interessiert niemanden. Ginge es nach Ihnen würde die Deutsche Kulturlandschaft wohl erst im einheitlich getrimmten Waldfarn enden. Soviel Hass auf die Natur und die Menschen ist mir unbegreiflich. Was stimmt mit Ihnen eigentlich nicht? Unsere Alten haben nicht geplant - wäre es anders, gäbe es keine Umweltverschmutzung oder globale Erwärmung. Meine Generation darf jetzt ausbaden, was Ihre und alle Altvorderen verbockt haben. Und Sie können mir glauben, ich bin sehr froh, dass wir der Natur wieder Raum einräumen.

24.05.2017 11:24 Pattel 2

Nicht nur deshalb würden die sich umdrehen , generell was aus Deutschland geworden ist oder noch wird.
Nur mit dem Unterschied den Vorfahren haben wir einiges schlechtes zu verdanken............wir haben die Folgen davon

24.05.2017 09:47 HERBERT WALLASCH, Pirna 1

Dieses elende bundesdeutsche Gutmenschentum von satten Wohstandsbürgern, wo es jahrzehntelang darum ging sich an der selbstüberlassenen Natür zu berauschen, hat überall seine Spuren hinterlassen. Sei es an den Bahndämmen, Häfen, Aussichtspunkten oder Elbhängen, jahrhundertlange Erfahrungswerte wurden bewußt ignoriert, Hauptsache Natur. Ein Umdenken kann aber die Fehler der Vergangenheit (BRD) nicht mehr ungeschehen machen, unsere Alten haben für Jahrzehnte geplant, die würden sich im Grab entsetzt umdrehen, was daraus geworden ist.

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