Schutzmaßnahmen Winzer und Obstbauern heizen dem Frost ein

Der mildeste März seit Jahren hat Obst und Wein weit austreiben lassen. Mit dem Kälteeinbruch drohen jetzt ernsthafte Schäden und Ernteausfälle durch Nachtfrost. Winzer und Obstbauern müssen ihren Kulturen einheizen. In der Nacht zum Mittwoch brannten vielerorts Feuer auf Weinbergen und in Plantagen.

von Lars Müller

Winzer und Obstbauern haben im sächsischen Elbland in der Nacht zum Mittwoch wie angekündigt Feuer in ihren Weinbergen und Obstplantagen entzündet. Damit sollten Reben und Obstblüten vor Frostschäden bewahrt werden. Das Staatsweingut Schloss Wackerbarth hatte 200 Feuerstellen auf besonders gefährdeten Lagen auf 19 Hektar geplant. Das Weingut Schuh in Sörnewitz hatte erstmals in seiner Betriebsgeschichte dem Dunkelfelder auf dem Meißner Klausenberg eingeheizt. Winzer Matthias Schuh sagte am Mittwochmorgen dem MDR, er gehe davon aus, dass durch die Feuer zunächst Frostschäden verhindert wurden. "Wir konnten mit den Feuern die Temperatur um fast zwei Grad erhöhen."

Ein Sprecher von Wackerbarth verwies darauf, dass man im Staatsweingut nach ersten Nacht "vorsichtig optimistisch" sein. "Der Gesamterfolg der Maßnahmen wird erst in drei bis vier Wochen nach dem vollständigen Austrieb der Reben erkennbar sein", so der Sprecher.

Reben ungewöhnlich weit ausgetrieben

Gefährdet sind Rebstöcke auf solchen Weinbergen, auf denen die Kälte nicht abfließen kann und sich im Tal aufstaut. Beim Dunkelfelder der Schuhs sind die sogenannten Beiaugen an den Knospen bereits sehr weit entwickelt. Diese dienen den Winzern eigentlich als Ersatz bei Frostschäden und werden erst nach den Eisheiligen ausgebrochen. Würden sie nun ebenfalls erfrieren, würde es Jahre dauern, bis die Rebstöcke sich erholten und wieder wirtschaftliche Erträge brächten.

Im Weingut Schloss Proschwitz will man unterdessen abwarten. Unternehmenssprecherin Alexandra Prinzessin zur Lippe sagte, wegen der Größe und Menge der Rebflächen seien Feuer gar nicht praktikabel. Man habe den Vegetationsfortschritt geprüft und sei zuversichtlich, dass die Knospen die tiefen Temperaturen überstehen. Lediglich auf einer Steillage in Seußlitz könne es kritisch werden.

Die angekündigten Minusgrade bereiten den Landwirten auch den kommenden Nächten noch Sorgen. Michael Görnitz vom Obstbau Görnitz in Coswig sagte, die meisten Obstbäume stünden in voller Blüte. Kirschen, frühe Äpfel, Erdbeeren und Stachelbeeren seien durch Frost jetzt besonders gefährdet.

Mit Vlies und Feuer gegen die Kälte

Über Beerensträucher hat der studierte Gartenbauingenieur doppeltes Vlies legen. In seinen Obstplantagen entzündete er Holzfeuer, um die sensiblen Blüten vor Frost zu schützen. Der Frost um diese Zeit sei nicht ungewöhnlich, so der Chef des 200-Hektar-Betriebs. Ungewöhnlich sei aber der wärmste März seit Jahren gewesen, der das Obst so früh austreiben ließ. "Es sind klassische Folgen des Klimawandels", betont der Obstbauer. Er prognostiziert Ernteeinbußen in fast allen Obstkulturen. Und das werde der Konsument zur Erntezeit auch am Preis für einheimisches Obst und Gemüse spüren. Görnitz selbst rechnet damit, dass ihn der Spätfrost in dieser Woche inklusive der Personalkosten für Nachtschichten wohl 40.000 Euro kosten wird.

Spargel bekommt Wärmedecke

Im Obsthof Ibisch in Blattersleben bei Großenhain hat Geschäftsführer Martin Ibisch die Abdeckung der Süßkirschanlage vorsichtshalber geschlossen, um kalte Luft abzuhalten. Beim Spargel wurde die Folie auf Schwarz gedreht, so Ibisch. Das halte die Wärme besser. Verluste drohten beim Spargel nicht. "Die Stangen wachsen bei Kälte nur langsamer oder vorübergehend gar nicht."

Über dieses Thema berichtet MDR SACHSEN auch im Radio und Fernsehen: MDR 1 RADIO SACHSEN | 18.04.2017| Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden | 15:30 Uhr
MDR 1 RADIO SACHSEN | 19.04.2017| Nachrichten | 07:00 Uhr
MDR SACHSENSPIEGEL | 19.04.2017 | 19:00 Uhr

Zuletzt aktualisiert: 19. April 2017, 21:36 Uhr

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