Blick auf einen Weinberg mit dem Schriftzug "Saale-Unstrut Wein"
Bildrechte: MDR/L. Müller

Weinbau Weinbaugesellschaft Meißen will Genossenschaft in Sachsen-Anhalt beitreten

Sächsischer Wein könnte bald in Sachsen-Anhalt vermarktet werden. Ein Meißner Weinbaunternehmen will der Genossenschaft in Freyburg an der Unstrut beitreten. Allerdings muss die Generalversammlung in Freyburg erst grünes Licht geben.

von Lars Müller

Blick auf einen Weinberg mit dem Schriftzug "Saale-Unstrut Wein"
Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Winzervereinigung Freyburg will expandieren und hat dabei zunächst Sachsen im Blick. Die Genossenschaft der Weinbauern im Anbaugebiet Saale-Unstrut bestätigte auf Anfrage, dass die erst 2018 gegründete Weinbaugesellschaft Meißen der Winzervereinigung im benachbarten Anbaugebiet beitreten möchte. Zuerst hatte die "Sächsische Zeitung" berichtet.  

Ob die Sachsen mit einer Rebfläche von knapp 40 Hektar aufgenommen werden, liegt bei den Winzergenossen in Freyburg. Die Generalversammlung muss am 16. Februar in Freyburg entscheiden, ob eine Satzungsänderung den Weg für die Sachsen frei macht. Verbindungen zwischen der Weinbaugesellschaft aus Meißen und der Spitze der Genossenschaft in Freyburg gibt es im familiären Bereich. Winzer und Önologe Hans-Albrecht Zieger ist Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg und zugleich einer der Anteilseigner der Weinbaugesellschaft Meißen, sein Vater Reinhold Zieger ist Chef des Meißner Weinbaubetriebs. Ferner wurden 2016 schon einmal sächsische Trauben in Freyburg verarbeitet und als sächsischer Wein im Lebensmitteleinzelhandel angeboten. Das junge Meißner Unternehmen könnte mit dem Eintritt in die große Genossenschaft Freyburg von besseren Vermarktungsmöglichkeiten profitieren.

Suche nach Zukunftschancen

Ein Zug fährt duch eine Landschaft, im Hintergrund sind Weinberge zu sehen
Bei Freyburg an der Unstrut werden steile Terrassenweinberge bewirtschaftet, ähnlich wie in Sachsen. Bildrechte: MDR/L. Müller

Die Saale-Unstrut-Winzer wollen sich mit der geplanten Erweiterung für die Zukunft wappnen. Geschäftsführer Hans-Albrecht Zieger sagte: "Gegenwärtig können wir bis zu drei Millionen Liter Qualitätswein produzieren, die auf dem Markt auch nachgefragt und abgenommen werden." Wolle man die Weinmengen steigern, gehe das nur über Flächenzuwachs. Die Rebrechte sind begrenzt und die Winzervereinigung wolle aus Qualitätsgründen die maximalen Erträge nicht erhöhen. Zugleich würden ältere Genossenschaftswinzer beschwerlich zu bewirtschaftende Weinberge an Saale und Unstrut aufgeben, hieß es. Die Trauben von diesen brach fallenden Flächen fehlen mittelfristig in den Tanks der Genossenschaft.

Zieger: "Außerhalb des Anbaugebietes eröffnen sich aber für die Genossenschaft große Chancen. Das betrifft sowohl die Flächen in anderen Qualitätsanbaugebieten wie in Sachsen als auch für genehmigte Rebflächen im ganzen Bundesgebiet." Potenzial sehen die Freyburger auch in ehemaligen Tagebauflächen im Süden Brandenburgs, die aufgerebt werden könnten. Erfolgsversprechende Experimente gibt es bereits.

Sollten die Winzergenossen an Saale und Unstrut den Weinbaubetrieb von der Elbe in ihre Reihen aufnehmen, dann sollen die sächsischen Trauben den Angaben zufolge für eine hochwertige Linie sächsischer Weine separat vergoren werden.

Klare Abgrenzung gefordert

Die Weinbaugesellschaft Meißen wurde erst 2018 neu gegründet und ist der viertgrößte Weinbaubetrieb in Sachsen. Die Rebflächen hat das Unternehmen teilweise vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth gekauft und teilweise vom Weingut Schloss Proschwitz gepachtet. Hinzu kommen Flächen der Familie Zieger, deren Trauben bislang an die Sächsische Winzergenossenschaft Meißen geliefert worden waren. Zum jungen Unternehmen gehört auch die ehemalige Kellerei des Weinguts Proschwitz in Zadel, wo aktuell die Trauben vergoren werden.

Der Weinbauverband Sachsen sieht das Vorhaben kritisch. Nach Angaben von Geschäftsführer Michael Thomas ist es wichtig, dass die Weinbaugebiete Sachsen und Saale-Unstrut klar voneinander getrennt bleiben. Zentraler Punkt sei für den sächsischen Verband "der Erhalt der einzigartigen Sächsischen Weinkulturlandschaft, die konsequente Qualitätsentwicklung im gesamten Gebiet und dass wir den sächsischen Wein über die Grenzen hinaus noch bekannter machen." Alles, was dies fördere, unterstütze man. Ob das auf den möglichen Beitritt der Weinbaugesellschaft Meißen zur Winzergenossenschaft Freyburg zutreffe, "können wir mit den vorliegenden Informationen noch nicht beurteilen". Eine Zusammenarbeit der Weinbauregionen Sachsen und Saale-Unstrut ist indessen nichts Neues: Seit Jahren finden gemeinsame Jungweinproben statt und seit 2017 wird der Mitteldeutsche Weinpreis an Winzer aus den beiden Weinbaugebieten vergeben.

Weinreben
Dem Weinbauverband Sachsen ist wichtig, dass im Fall des Beitritts der Weinbaugesellschaft Meißen zur Winzervereinigung Freyburg die Weinbaugebiete klar getrennt bleiben. Bildrechte: Colourbox.de

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.01.2018 | ab 06:30 Uhr in den Nachrichten aus dem Regionalstudio Dresden

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 14. Januar 2019, 14:45 Uhr

Die Kommentierungsdauer ist abgelaufen. Der Beitrag kann deshalb nicht mehr kommentiert werden.

2 Kommentare

14.01.2019 19:59 Beekuertezet 2

Wie kann man sich nur so erniedrigen u.anderen Weinbaugesellschaften unterwerfen wollen. Seit Jahrzehnten ist Meißner Wein auf Grund seiner Qualität u.Reinheit ein Statussymbol.
Alleine schon der Name ,,Meißner Wein". Ihr macht Euch damit selber kaputt. Dann verschwindet wieder eine Rarität aus Sachsen,vielleicht nicht gleich,aber nach u.nach.
Ich wette 1:1ooo

14.01.2019 05:53 Spottdrossel 1

In Köln nennt man solches ganz einfach KLÜNGEL.

Mehr aus der Region Dresden

Mehr aus Sachsen

Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch.
Justizia arbeitet immer langsamer. Zu wenig Richter. Zu wenig Staatsanwälte. Wegen Personalmangels steigt die Verfahrensdauer seit Jahren an. In Ostdeutschland ist sie besonders hoch. Bildrechte: MDR/Enrico Chodor, honorarfrei