Städtebahn Sachsen Züge fallen wegen fehlender Lokführer aus

Fahrgäste auf der Bahnstrecke zwischen Neustadt in Sachsen und Sebnitz sind mindestens noch bis Ende Juni auf Schienenersatzverkehr angewiesen. Nach Angaben der Städtebahn Sachsen mangelt es weiterhin an Lokführern. Schon seit dem 18. Mai können auf der Strecke wegen fehlender Lokführer nur Busse rollen. Nach eigenen Angaben benötigt die Städtebahn für ihre Zuglinien insgesamt 40 Lokführer. Aktuell habe man aber nur 34, sagte eine Sprecherin. Allerdings liefen derzeit Bewerbungsverfahren.

VVO bestellt Bahnchef ein

Eine Regionalbahn am Bahnstreig
Bildrechte: MDR/Andreas Schrock

Der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO), der den Zugverkehr bestellt, ist verärgert. Ein Sprecher teilte auf Anfrage mit, man habe den Geschäftsführer einbestellt und einen konkreten Maßnahmeplan verlangt, wie die Misere behoben werden soll. Eine Frist wolle man dem mittelständischen Bahnunternehmen aber vorerst nicht setzen. Zunächst erhalte die Städtebahn weniger Geld, "weil sie die bestellten Leistungen nicht vertragsgemäß erbringt". Man erwarte, dass sich das zügig ändert.

Das sei auch im Interesse der Städtebahn selbst, so der VVO-Sprecher. Dem Unternehmen entstünden durch die Zugausfälle zusätzliche Kosten für den Busverkehr. Zudem laufe die Miete der nicht genutzten Züge weiter. Die Deutsche Bahn berechnet Trassengebühren für die Eisenbahnstrecke, auf der die Städtebahn aber derzeit nicht fahre.

Lokführer händeringend gesucht

Die Verträge für das Dieselnetz rund um Dresden, zu dem auch die Strecken nach Kamenz, Königsbrück und durch das Müglitztal gehören, laufen bis 2024. Eine Kündigung erwägt der VVO nach Angaben seines Sprechers vorerst nicht: "Wir erwarten, dass die Städtebahn ihr Personalproblem löst."

Der VVO-Sprecher verwies darauf, dass in der Bahnbranche derzeit händeringend Lokführer gesucht würden. Insbesondere Unternehmen im Güterverkehr würden mit hohen Löhnen locken, die sich am Lohnniveau der Deutschen Bahn orientieren. Der Verkehrsverbund habe aber keine Möglichkeit, in Ausschreibungen auch das Lohnniveau der Bieter vorzuschreiben. "In Deutschland gilt der gesetzliche Mindestlohn und mehr können wir als Besteller des Nahverkehrs nicht fordern", so der Verbundsprecher.

Die Sprecherin der Städtebahn hofft nach eigenen Angaben auf Entspannung, wenn auf anderen Strecken im Sommer gebaut wird und dort keine Züge fahren können. Der VVO findet das nach Ansicht des Verbundsprechers keine nachhaltige Lösung. Man könne nicht nur Lücken stopfen, sondern müsse für eine ausreichende Personaldecke sorgen.

Quellen: MDR/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 30.05.2017 | 10:30 Uhr in den Regionalnachrichten aus dem Studio Dresden

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6 Kommentare

03.06.2018 23:21 Motzi 6

@colditzer

Den Ausbildungsberuf mit 3 Jahren gibt es immer noch, aber wie in jedem Beruf gibt es die Möglichkeit auf Quer einzusteigen, also ohne Berufsschule mit Schwimm, Deutsch und Englischunterricht.
Und natürlich sind die Quereinsteiger keine gelernten Eisenbahner, die das ganze System mit ihren Zusammenhängen beigebracht bekommen, sondern Spezialisten im Lokfahrdienst, was aber sehrumfassend ist, je nach Einsatzgebiet dauert die Ausbildung 10-12 Monate und kann später modular erweitert werden. Einer der Personentriebwagen fährt braucht kein Gefahrengut, keinen Wagenprüfer für Güterwagen und umgekehrt usw., usw., usw.
Quereinsteiger gibts quasi in jedem Beruf, z.B durch Umschulungen bei der Arge.

03.06.2018 08:11 colditzer 5

Ich war immer der Meinung, Lokführer war zu DDR-zeiten ein Ausbildungsberuf.
3 Jahre. Ob für Diesel, Strom oder Dampf unterschiedlich, keine Ahnung.
Kann ein Ex-Lokführer mal kommentieren.
Habe im Norden gelesen, da werden Lokführer in 100 Tagen ausgebildet.
Kann es mir eigentlich fast nicht vorstellen.
Bei Kamerad war und ist der Lokführer noch ein Heldenberuf.

02.06.2018 23:20 Motzi 4

Auch der MRB war ich mit 19 Jahren Berufserfahrung zu teuer und ich bin „erst“ 38. Würde gern wieder nach Sachsen zurück.

02.06.2018 17:33 Es lebe der WETTBEWERB AUF DER SCHIENE 3

Ob nun billig oder teuer - das ist doch egal in dieser Situation.

Es fehlen eben ordentlich ausgebildete und erfahrene Lokführer überall.

Und diese Leute pflückt man nicht vom Baum, sondern bildet sie selbst aus.
Ausserdem bezahlt man die vernünftig, dann bleiben die auch und rennen nicht bei nächster Gelegenheit zur Konkurrenz.

02.06.2018 17:16 Frank 2

@ 1: Stimme Ihnen zu. Geiz ist eben nicht geil, sondern wirtschaftsschädlich!

02.06.2018 14:48 Kai 1

Das passiert durch Ausschreibungen, billig ist nicht gut. Und wenn man kein Tarif zählt erst recht. Lokführer müssen vom Gehalt leben können. Die Trillex ist genauso. Wem wundert's. Schuld sind die Verkehrverbände die immer den billigsten Anbieter nehmen. Nach der Wende alles im Osten kaputt gemacht,so das viele Lokführer in den Westen gegangen sind und nun hat man den Salat. Und es wird schlimmer.

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