Lößnitzgrundbahn
Mit Glockenläuten und Hupen bahnt sich die Lößnitzgrundbahn von frühmorgens bis abends jeden Tag ihren Weg durch Radebeul. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Unter Dampf Drei sächsische Bimmelbahnen wechseln den Besitzer

Es dampft weiter in Sachsen. Der Freistaat bezuschusst fünf Dampfeisenbahnen pro Jahr mit 8,8 Millionen Euro und will auch weiterhin an dem Verkehrsmittel aus dem vorletzten Jahrhundert festhalten. Teilweise dienen die Züge noch immer dem Schülerverkehr.

Lößnitzgrundbahn
Mit Glockenläuten und Hupen bahnt sich die Lößnitzgrundbahn von frühmorgens bis abends jeden Tag ihren Weg durch Radebeul. Bildrechte: imago/Torsten Becker

Ab dem 1. Januar 2019 wechseln die drei Schmalspurbahnen der Sächsischen Dampfeisenbahngesellschaft ihren Eigentümer. Der Regionalverkehr Erzgebirge gibt die Bahnen an den Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) und den Verkehrsverbund Mittelsachsen (VMS) ab. Rund 1,4 Millionen Euro haben die Verbünde für die Übernahme gezahlt. Der Regionalverkehr Erzgebirge - hervorgegangen aus den früheren Kraftverkehren Annaberg und Karl-Marx-Stadt - will sich aus Gründen des Vergaberechts bei Ausschreibungen künftig auf den Busverkehr konzentrieren.

Am Dampfbetrieb auf den Schmalspurstrecken Freital/Hainsberg-Dippoldiswalde-Kipsdorf, Radebeul/Ost-Moritzburg-Radeburg und Cranzahl-Oberwiesenthal soll sich nach Angaben der neuen Eigentümer nichts ändern. Jährlich werden auf den Strecken der Lößnitzgrundbahn, der Fichtelbergbahn und der Weißeritztalbahn 650.000 Menschen befördert. Auch für die 105 Mitarbeiter der nostalgischen Bahnen aus dem vorletzten Jahrhundert ändere sich nichts.

Der Erwerb der Bahnen durch die Zweckverbände zeigt, wie sehr uns die Bahnen am Herzen liegen. Durch die neue Struktur sichern wir den Erhalt dieser rollenden Industriedenkmäler.

Christoph Scheurer Verbandsvorsitzender des VMS

Öffentliche Gelder gerechtfertigt?

Doch wie wirtschaftlich sind die Strecken? Und ist die Finanzierung aus Mitteln für den Öffentlichen Personennahverkehr vertretbar? Immerhin fließen mehr als sechs Millionen Euro aus Steuermitteln pro Jahr allein in die drei Dampfeisenbahnen. Zusammen mit der Zittauer Schmalspurbahn und der Döllnitzbahn werden insgesamt 8,8 Millionen Euro in den Verkehr von Schmalspurbahnen zweckgebunden investiert.

Fakt ist: Auch die neuen Eigentümer betonen den vorrangig touristischen Charakter der Dampfbahnen, wenngleich sie im Regelbetrieb ganzjährig verkehren. VVO-Sprecher Christian Schlemper sieht die Bahnen weiterhin als unverzichtbares ÖPNV-Angebot. "Solange es Geld vom Freistaat gibt, ändern wir nichts." Die Bahnen seien politisch gewollt, vom Landtag mehrheitlich legitimiert und stünden deshalb nicht zu Debatte.

Schlemper sagte, die Lößnitzgrundbahn beispielsweise diene auch dem Schülerverkehr. Viele Schüler würden ihre Fahrräder mitnehmen, das sei mit Bussen nicht zu gewährleisten. Auf die Frage, warum die Schüler die Fahrräder benötigten, erklärte der Verbundsprecher, einige würden ins Tal radeln und nur für den Rückweg bergauf den Zug nutzen.

Manche Züge fahren nahezu leer

Zittauer Schmalspurbahn
Auch im Zittauer Gebirge gehören Dampfloks zum täglichen Bild. Bildrechte: IMAGO

Beobachtungen von Anwohnern zufolge fährt jeden Morgen um 5:15 Uhr ein Zug nahezu leer von Radebeul nach Radeburg, um die Schüler abzuholen. Schlemper erklärte auf diesen Zug angesprochen, der Fahrplan sei bereits auf Touristenströme ausgerichtet und auch die höheren Fahrpreise seien auf Touristen ausgerichtet. So fahre auch nicht jeder Zug bis Radeburg, weil dafür kein Bedarf bestehe.

Die mit Kohle befeuerten Dampfloks müssen übrigens auch nachts, wenn sie abgestellt sind, von fachkundigem Personal angeheizt werden und verursachen Energie- und Personalkosten im Stillstand.

Bekenntnis vom Ministerium

Der Freistaat Sachsen bekennt sich zu den Bimmelbahnen. Sie seien Zeitzeugen der Industriegeschichte und touristische Highlights, heißt es auf Anfrage aus dem Verkehrsministerium. Die Staatsregierung wolle deshalb insbesondere den Weiterbetrieb der in die Jahre gekommenen Dampflokomotiven langfristig sichern.

Gleichwohl wünscht sich der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Jens Jungmann, einen wirtschaftlichen Betrieb. Daher befürworte man den Einsatz von Schmalspurtriebwagen wie auf der Döllnitzbahn zwischen Oschatz und Mügeln. Für den Schülerverkehr hat sich die Döllnitzbahn aus Österreich einen modernisierten Triebwagen beschafft, der mit Diesel fährt. "Solche Art von Investition würden wir auch bei den anderen Bahnen als sinnvoll und zukunftsweisend begrüßen", so Jungmann.

Schmalspurbahnen in Sachsen Zur Sächsischen Dampfeisenbahn-Gesellschaft gehören die drei Linien Radebeul-Radeburg, Freital-Kipsdorf und Cranzahl-Oberwiesenthal. Der Verkehr wird mit öffentlichen Geldern finanziert.

Die Sächsisch-Oberlausitzer Eisenbahngesellschaft betreibt die Zittauer Schmalspurbahn und die Döllnitzbahn zwischen Oschatz und Mügeln. Auch diese Züge werden aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Zwischen Steinbach und Jöhstadt sowie zwischen Schönheide und Stützengrün betreiben Vereine Museumsbahnen, die nur zu bestimmten Tagen verkehren.

Auch auf den fünf Strecken mit Regelbetrieb kümmern sich Vereine zusätzlich um Museumsfahrzeuge und Museumsbetrieb zu besonderen Anlässen.

Quelle: MDR/VVO/VMS/lam

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - das Sachsenradio | 13.12.2018 | 09.30 Uhr in den Regionalnachrichten aus Dresden

AKTUELLES AUS SACHSEN

Zuletzt aktualisiert: 13. Dezember 2018, 17:11 Uhr

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7 Kommentare

14.12.2018 17:36 Wolfgang Nawalny 7

Es macht schon durchaus Sinn wenn auch für die eigene Kultur und heimische Technikgeschichte Geld zur Verfügung steht. Die sächsischen Schmalspurbahnen gehören zur sächsischen Kulturlandschaft dazu und sind außerdem ein toller Magnet für den Tourismus. Gerade die Zittauer Bahn hat jährlich guten Zuwachs und übers Jahr schöne Ereignisse mit viel Tradition.

14.12.2018 14:53 Bernd 6

Ich denke der Sprecher des Ministeriums uebersieht da etwas. Bei der Doellnitzbahn machen Triebwagen Sinn. Dampfbetrieb ist eh nur einmal pro Monat. Jetzt gerade wohl oefter. Bei Fichtelbergbahn, Loessnitzdackel, Weisseritztalbahn werden taeglich Touristen befoerdert zumindest im Sommer und die wollen mal mit ner Dampflokfahren. Da wuerden Triebwagen in tourismusschwachen Monaten Sinn machen. Und im Zittauer Netz sind viele Zuege eh nur am Wochenende unterwegs.

13.12.2018 20:23 Bullwin 5

Wer den Diesel nicht ehrt - ist die Dampflok nicht wert !
Leute , wenn wir nur auf die Zukunft der neuen Energien zeigen, ohne die alte begreifbare und sichtbare Technik für die Nachwelt zu erhalten, dann haben wir
die Hausaufgaben nicht gemacht !
Sicher ist -das der Dampfzug nicht kostendeckend funktioniert ,aber warum wollen wir denn alles auf den Schrott schmeißen ?
Deutschland exportiert jedes Jahr für 2 Milliarden Euro Waffen an jedes Land das es zu beschützen gilt , aber für so eine unrentabele Schmalspur haben wir kein Geld !
Das ist einfach schmalgedacht -!!!

13.12.2018 19:47 Bernd 4

@3 Sie müssen nicht mich (einem Eisenbahnfan seit 50 Jahren) nicht missionieren. Ich kenne den Unterschied zwischen Hupen und Pfeifen. Und seit heute wissen wir dass diese Kenntnis beim MDR kein Einstellungskriterium ist.
Gute freue mich wenn dann der Schiedsrichter das Spiel anhupt.

13.12.2018 17:40 Autofahrerdenken 3

Nummer 1:

Ganz ruhig bleiben!

Eine Dampflok pfeift wirklich.
Nur Autos hupen.

Das ist nicht nur ein sprachlicher, sondern auch ein Unterschied in der Erzeugung und im Klang.

Schließlich ist das Pfeifen der Lok auch ein Element der Sicherung von Bahnübergängen.
Ob Sie das glauben oder nicht.

13.12.2018 15:47 Molli statt Gorch Fock 2

Solange der Bund ein schrottreifes Segelschiff für teures Geld reparieren lässt, so kann man auch ein anderes Verkehrsmittel aus dem vorvergangenen Jahrhundert weiterbetreiben.
Das ist billiger als die Kahnerneuerung.

13.12.2018 15:11 Bernd 1

Frage warum heisst es bei einer Dampflok Pfeife wenn sie damit hupt?

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