Ausgetrockneter Ackerboden
Bildrechte: Colourbox.de

24.04.2019 | 17:07 Uhr Was an der Dürre-Prognose für diesen Sommer dran ist

Droht der nächste Dürre-Sommer in Sachsen? Zahlreiche Medien zeichnen bereits ein anstehendes Horror-Szenario. Aber was verbirgt sich tatsächlich hinter der Prognose des Deutschen Wetterdienstes? MDR SACHSEN hat mit dem Agrarmeteorologen Falk Böttcher gesprochen.

Ausgetrockneter Ackerboden
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"Sollte die trockene Witterung in den kommenden Monaten anhalten, könnte sich die Dürre des Jahres 2018 wiederholen oder sogar übertroffen werden", heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Deutschen Wetterdienstes (DWD). Woran machen Sie das fest? Und kann man das jetzt überhaupt schon so genau prognostizieren?

Streng genommen ist es keine Prognose. Wir haben geschaut, was passiert, wenn jetzt der Niederschlag ausbliebe und was passieren würde, wenn wir normale oder übernormale Niederschläge bekommen. Und es sieht so aus, dass – wenn es trocken bliebe – wir noch eine ähnlich starke Trockenheitssituation haben wie im letzten Jahr. Zum Teil eben noch schlimmer, gerade was die tiefwurzelnden Gehölze angeht – Bäume und so weiter. Die können nicht mehr auf tieferliegende Reserven zurückgreifen, wenn sie keinen grundwassernahen Standort haben.

Sind die Niederschlagsdefizite aus 2018 denn ausgeglichen?

Wir hatten im letzten Jahr von 2017 noch einen großen Wasserüberschuss. Die Böden waren gut mit Wasser gefüllt - bis in tiefere Schichten. 2018 haben die Kulturen die Böden bis in tiefere Schichten leer gemacht. Und dieses Defizit ist im letzten Winter nicht aufgefüllt worden. Wir haben also nur Wasser in den oberen Bodenschichten – in so 70 bis 80 Zentimeter Tiefe maximal. Und wenn dieses Wasser verbraucht ist, dann ist eben Schluss.

Welche Probleme bestehen konkret, sollte der Sommer in diesem Jahr wieder so trocken sein wie im vergangenen Jahr?

Das könnte die Auswirkung haben, dass die Erträge in den landwirtschaftlichen Kulturen noch schlechter ausfallen als im letzten Jahr. Und das könnte auch für manche Baumarten ernsthafte Überlebensprobleme mit sich bringen. Und selbst wenn wir jetzt normale Niederschläge hätten, würden wir bis zum normalen Erntetermin keine überdurchschnittlichen Bodenfeuchten haben. Dann würden wir gerade so an der Untergrenze der Bodenfeuchte langlaufen. Es besteht also die Gefahr, dass es sehr sehr kritisch wird.

Können die Bauern irgendwie vorsorgen, um zu einer normalen Ernte zu kommen?

Nur wenn normale Niederschläge eintreten, nur dann können wir davon ausgehen, dass es normale Erntebedingungen gibt. Die Kulturen stehen eigentlich gut entwickelt im Feld, aber der Wasservorrat reicht eben – wenn es warm und trocken bleibt – vielleicht noch drei, vielleicht noch vier Wochen – je nach Standortgüte. Danach ist da wenig zu holen.

Agrarmeterologe Falk Böttcher
Falk Böttcher ist Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst. Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Gibt es neben den Bauern auch andere Lebensbereiche, die Probleme durch Dürreperioden bekommen?

Neben der Landwirtschaft ist es die Forstwirtschaft, insbesondere in den niederschlagsarmen Gebieten. Das ist gar nicht so sehr im Gebirge der Fall, das ist eher im Tiefland der Fall. Dort müssen wir schauen, wie die Waldflächen mit dem Wasserdefizit umgehen können. Da gibt es von den Förstern auch entsprechende Anpassungsstrategien. Da kann man was tun. Aber das sind eben alles auch langfristige Dinge.

Auch wenn Wetterprognosen über 14 Tage hinaus unseriös sind, gibt es trotzdem irgendwelche Anzeichen, wie das Wetter wird?

Im Moment sehen wir nicht die ganz große Umstellung in den östlichen Ländern. Es deutet sich an, dass es ein bisschen kühler wird. Das würde schon helfen, weil die Verdunstung nicht so stark ist und da würde der Wasserverbrauch ein bisschen sinken, aber eine durchgreifende Durchfeuchtung des Bodens und eine durchgreifende Überregnung sehen wir momentan nicht.

Ist das jetzt der Klimawandel?

Das muss man schon so sagen. Das Einzelereignis macht den Klimawandel nicht, aber die Häufung ist es dann doch. Und wir sehen eben, dass diese Extreme sich häufen. Die Bandbreite wird größer. Es kann genauso gut nächstes Jahr, übernächstes Jahr wieder eine nasse Situation geben, aber diese Schwankungsbreiten werden eben größer. Und diese Häufung der trockenen Ereignisse hat eben auch was damit zu tun, dass die Strömungsverhältnisse in der Atmosphäre sich verändern. Es ist nicht mehr so, dass wir diesen steten Wechsel hier in den mittleren Breiten haben. Sondern wenn sich eine Wetterlage festgesetzt hat, dann bleibt sie meistens länger bestehen. Auch diese Situation sehen wir dieses Jahr ähnlich wie im letzten Jahr momentan wieder. Ob die wirklich wieder bis zum November hält, das können wir beim besten Willen nicht vorhersagen.

Dürre treibt Landwirten Sorgenfalten auf die Stirn Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern

Die anhaltende Trockenheit treibt nicht nur den Landwirten in Sachsen Sorgenfalten auf die Stirn. Selbst die Erdbeeren müssen gewässert werden, sonst drohen auch hier Verluste.

Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Durch die extreme Trockenheit auf den Feldern wird durch die Landwirtschaftsmaschinerie Staub aufgewirbelt. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Durch die extreme Trockenheit auf den Feldern wird durch die Landwirtschaftsmaschinerie Staub aufgewirbelt. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Bevor das trockene Feld bestellt werden kann, muss es umgepflügt werden. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Auch hier wird durch den aufgewirbelten Staub die extreme Trockenheit sichtbar. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Nach dem Umpflügen kann die Sähmaschine beladen und das Feld besät werden. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Die Landwirte haben jedoch Angst, dass durch die anhaltende Dürre, die Samen vertrocknen, bevor sie sprießen. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Auch auf den Erdbeerfeldern in der Nähe von Moritzburg muss mit Hilfe von künstlicher Bewässerung nachgeholfen werden. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Hier laufen schon seit mehreren Wochen die Sprinkleranlagen. Bildrechte: Tino Plunert
Anhaltende Trockenheit auf Sachsens Feldern
Sachsens Landwirte blicken zum Himmel und hoffen, dass es bald wieder mal regnet. Bildrechte: Tino Plunert
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Quelle: MDR/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSENSPIEGEL | 24.04.2019 | 19:00 Uhr

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