28.06.2020 | 20:00 Uhr Sachsens älteste Briefmarke wird 170

Sachsen-Dreier Briefmarke
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

Vor 170 Jahren, am 29. Juni 1850, hat das Königreich Sachsen seine erste Briefmarke herausgegeben. Die als "Sachsendreier" berühmt gewordene Marke "Sachsen 3 Pfennig rot" steht bei Sammlern hoch im Kurs - und gilt als beliebtes Fälschungsobjekt. Für Briefmarken-Experte und Vize-Präsident im Bund Philatelistischer Prüfer, Arnold Vaatz, ist der Grund dafür klar: die "Sachsendreier" sei ein "Prestigeobjekt" und werde von vielen als das Erstrebenswerteste eines ganzen Sammlerlebens betrachtet.

Auf die Beliebtheit bei Fälschern ging auch schon Georg Bühler in seinem 1978 erschienen Werk "Sachsen 3 Pfennig rot" ein. Damals urteilte er:

In der gesamten Philatelie ist keine Briefmarke bekannt, die nahezu vom Beginn ihrer Laufzeit so oft und von so viel verschiedenen Fälschern nachgeahmt wurde.

Georg Bühler aus "Sachsen 3 Pfennig rot"

Bereits 1863 wurde laut Bühler auf Fälschungen der ersten Marke Sachsens hingewiesen. Die meisten Nachahmungen seien aber "kaum eine Gefahr für die Philatelie".

Kultobjekt Sachsendreier

Laut Vaatz liegt die Marke für Sammler an einem interessanten Schnittpunkt: Einfache Leute könnten sie sich gerade noch leisten, für Spezialisten sei sie obligatorisch.

Unter den fast nicht erschwinglichen Marken ist sie die erschwinglichste.

Arnold Vaatz Vize-Präsident im Bund Philatelistischer Prüfer

Sie sei zur beliebtesten Marke avanciert und ein Kultobjekt.

Der Unterschied zwischen echt und unecht macht mitunter ein Vermögen aus. Für eine leicht kaputte, aber sauber reparierte Marke sind laut Vaatz 1.500 Euro kein ungewöhnlicher Preis. Im Originalzustand müssten schon 2.500 Euro veranschlagt werden, bei Marken mit einem besseren Farbton seien es dann 3.500 Euro. Selbst Marken, die professionell aus zwei verschiedenen Teilen zu einer zusammengesetzt wurden - sogenannte Lückenfüller - erzielten 800 Euro.

70.000 Euro bei Auktion in Wiesbaden

Für besondere Stücke geben Sammler für Laien überraschend hohe Summen aus. Im vergangenen Jahr wurden im Auktionshaus Heinrich Köhler in Wiesbaden eine "Sachsen 3 Pfennig rot", deren Echtheit Vaatz attestiert hatte, für 70.000 Euro sowie ein Viererstreifen der Marke für 90.000 Euro ersteigert. Der einzig bekannte Block aus 20 zusammenhängenden Marken befindet sich im Besitz des in London ansässigen israelischen Geschäftsmannes Joseph Hackmey. Das Auktionshaus Köhler hatte den sogenannten "Ferrari-Block" - benannt nach dem Philatelisten Philip Ferrari de La Renotière - für 920.000 Mark versteigert, später ging er für mehr als 500.000 Euro in den Besitz von Hackmey über.

Zwischen der Erstausgabe am 29. Juni 1850 - die ab 1. Juli gültig war - und der Verkaufseinstellung am 31. Juli 1851 wurden in der Leipziger Druckerei Hirschfeld 500.000 Marken hergestellt. Am 10. Dezember 1851 wurden die nicht verkauften 36.882 Marken in der Oberpostdirektion Leipzig verbrannt. Heute gibt es nach Schätzung von Vaatz noch zwischen 3.000 und 3.500 Stück.

Sachsendreier Die "Sachsendreier" ist nach dem Schwarzen Einser in Bayern die zweite Briefmarke in Deutschland. Ursprüngllich diente sie zum Frankieren so genannter Kreuzbandsendungen. Sie wurde auf das Streifband aus Papier geklebt, das Drucksachen zusammenhielt - und dann beim Öffnen meist zerrissen.

Quelle: MDR/bb/dpa

Mehr aus Sachsen