15.11.2019 | 14:24 Uhr Bischof Rentzings Abschied: Distanzierung, Kritik und keine Reue

Sachsens Ex-Landesbischof Rentzing hat sich mit einer öffentlichen Erklärung verabschiedet. Obwohl er ankündigte, sich nicht rechtfertigen zu wollen, tat er es dennoch. Statt Reue für seine damaligen Aussagen zu zeigen, wie Kritiker erwartet hatten, beklagte er einen respektlosen Umgang mit seiner Person.

Landesbischof Carsten Rentzing (vorne) kniet während seiner Entpflichtung vor dem Altar in der Martin-Luther-Kirche vor Ralf Meister, Leitender Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD)
Der Hannoveraner Landesbischof Meister nahm die Entpflichtung Rentzings vor. Bildrechte: dpa

Der zurückgetretene Bischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen (EVLKS), Carsten Rentzing, ist am Freitag aus seinem Amt verabschiedet worden. Die Entpflichtung fand im Rahmen des Eröffnungsgottesdienstes der Herbsttagung der sächsischen Landessynode statt. Dabei rief der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands, Ralf Meister, zu Vergebung und Versöhnung auf. Christlicher Glaube entspringe aus der Versöhnung Gottes mit den Menschen. Es gelte, die Wahrheit zu suchen, nicht den Verdacht zu pflegen, so Meister.

Distanz, aber keine Reue

Anschließend gab Rentzing eine öffentliche Erklärung ab. Darin distanzierte er sich von Texten, die er für die extrem rechte Zeitschrift "Fragmente" zwischen 1989 und 1992 verfasst hatte. Sie waren von der Landeskirche als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich eingestuft worden. Die Texte und die Kritik, dass er sie verschwiegen hatte, waren ein wesentlicher Grund für seinen Rücktritt vom Amt des Landesbischofs.

Landesbischof Carsten Rentzing
Bildrechte: dpa

Jeder nationale Geist, der sich selbst erhebt, der andere abwertet, widerspricht dem Geiste meines Herrn Jesus Christus. […] Ich distanziere mich seit 25 Jahren von allem, was dem Geiste Christi widerspricht.

Carsten Rentzing Ehemaliger Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsen

Erklärungsversuche statt Entschuldigung

In seiner Erklärung sagte Rentzing, er habe sich in und durch die Kirche verändert, sei ein anderer Mensch als damals. Er habe über die Texte aus seiner Studentenzeit nie erzählt, weil er das Alte als vergangen angesehen habe. Die Inhalte nahm er weder zurück noch äußerte er Worte der Reue oder eine Bitte um Entschuldigung. Stattdessen versuchte er, seine damalige Situation und Weltsicht zu erklären. Seine damals schriftlich dargelegten Gedanken seien antidemokratisch gewesen. Er habe aber nicht zerstören, sondern verbessern wollen, so Rentzing.

Kritik an Gegnern

Landesbischof Carsten Rentzing spricht im Anschluss an seine Entpflichtung in der Martin-Luther-Kirche zu den Gästen
Für Rentzings Verleumdungsvorwürfe an seine Kritiker gab es Applaus von den Anwesenden. Bildrechte: dpa

Auf der anderen Seite beklagte der 52-Jährige einen respektlosen Umgang mit seiner Person. Schon lange sei man auf der "Suche nach einem Angelhaken" in seinem Leben gewesen und habe diesen schließlich gefunden. Anschließend zitierte er Aussagen seiner Töchter. Darin sprachen diese von Rufmord und Verleumdung sowie von Menschen, die sich an ihrem Vater schuldig gemacht hätten. Rentzing selbst betonte zugleich, von niemandem zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. Diese Entscheidung habe er ganz allein getroffen, weil er seiner Kirche weitere Diskussionen um seine Person habe ersparen wollen.

Wahl erst im kommenden Jahr

Welche Rolle Rentzing künftig in der EVLKS spielen, ob er andere Aufgaben übernehmen wird, ist unklar. Auch wird bei der viertägigen Herbstsynode nicht über seine Nachfolge beraten. Stattdessen ist für die Wahl eines neuen Landesbischofs oder einer Landesbischöfin eine Sondersynode für den 29. Februar und 1. März in Dresden angesetzt worden.

Ex-Landesbischof Carsten Rentzing 23 min
Bildrechte: MDR SACHSEN

Anm. der Redaktion: Der einleitende Text wurde auf Kritik von Lesern hin präzisiert, um ein Missverstehen zu vermeiden.

Quelle: MDR/stt/epd/kna

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 15.11.2019 | 12:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 15. November 2019, 14:24 Uhr

13 Kommentare

ralf meier vor 4 Wochen

Wie unterschiedlich die Maßstäbe doch sind. Herr Fischer von den Grünen schrieb 1978 nach der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback, des Bankiers Ponto und des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer in der Zeitschrift PflasterStrand: „Bei den drei hohen Herren mag mir keine rechte Trauer aufkommen. Das schadete seiner Kariere nicht.
Als Hanns-Eberhard Schleyer., Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, 2001 in einem offenen Brief den Bundesaußenminister wegen seines „indifferenten Verhältnisses zur Gewalt“, kritisierte“ , ließ Herr Fischer über einen Mitarbeiter mitteilen, das er sich dazu nicht äußern würde.
Es gab keinen ein Rücktritt und keinen öffentlichen Aufschrei der offensichtlich schon damals sehr politisch korrekten Qualitätsmedien
Siehe dazu BZ 10.01.2001 Antwort Joschka Fischers auf den Offenen Brief von Hanns-Eberhard Schleyer

ralf meier vor 4 Wochen

Wie unterschiedlich die Maßstäbe doch sind. Herr Fischer von den Grünen schrieb 1978 nach der Ermordung des Generalbundesanwalts Buback, des Bankiers Ponto und des Arbeitgeberpräsidenten Schleyer in der Zeitschrift PflasterStrand: „Bei den drei hohen Herren mag mir keine rechte Trauer aufkommen. Das schadete seiner Kariere nicht.

Als Hanns-Eberhard Schleyer., Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Arbeitgeberpräsidenten, 2001 in einem offenen Brief den Bundesaußenminister wegen seines „indifferenten Verhältnisses zur Gewalt“, kritisierte“ , ließ Herr Fischer über einen Mitarbeiter mitteilen, das er sich dazu nicht äußern würde.

Es gab keinen ein Rücktritt und keinen öffentlichen Aufschrei der offensichtlich schon damals sehr politisch korrekten Qualitätsmedien

Siehe dazu BZ 10.01.2001 Antwort Joschka Fischers auf den Offenen Brief von Hanns-Eberhard Schleyer

Brigitte Schmidt vor 4 Wochen

Ich habe mir jetzt die 23 Minuten Zeit genommen und die Rede von Dr. Carsten Rentzing komplett angeschaut.
Ich bin tief beeindruckt, von der Weisheit und Weitsicht, vom Glauben und der Besonnenheit dieses Mannes. Er ist wahrhaftig ein Mann des Wortes Gottes, ein geistiger und geistlicher Riese. Wahrscheinlich war er zu groß für diese Zeit und diese, unsere Kirche.
Vielleicht kommen wir nur mit Mittelmaß klar.
Ich bin zutiefst traurig und erschüttert und hoffe, daß ich von der Zuversicht unseres nunmehr ehemaligem Landesbischofes lernen kann.
Ich möchte ihm an dieser Stelle danken und ihn meines Mitgefühls und meiner Fürbitte versichern.

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