Eine Schreckschusspistole und Platzpatronen liegen auf einem Kleinen Waffenschein.
Bildrechte: IMAGO

Waffen in Sachsen Interesse an "Kleinen Waffenscheinen" rückläufig

Seit 2016 haben sich immer mehr Bürger in Sachsen einen "Kleinen Waffenschein" zugelegt, der zum Mitführen von Schreckschusswaffen berechtigt. Wie aktuelle Zahlen zeigen, ist das Interesse wieder rückläufig. Ein Blick auf die Lage im Freistaat.

Eine Schreckschusspistole und Platzpatronen liegen auf einem Kleinen Waffenschein.
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In Sachsen werden wieder weniger "Kleine Waffenscheine" erteilt. Nach einem sehr starken Anstieg im Jahr 2016 ist die Zahl der jährlich ausgestellten Mitführ-Erlaubnisse für Schreckschusswaffen in den letzten beiden Jahren gesunken. Das geht aus statistischen Daten aller kreisfreien Städte und Landkreise im Freistaat hervor, die MDR SACHSEN vorliegen. Die Zahl der erteilten Erlaubnisse ist in den meisten sächsischen Kommunen wieder auf dem Niveau von 2015. So wurden beispielsweise in Leipzig im Rekordjahr 973 "Kleine Waffenscheine" erteilt, 2018 waren es nur noch 229 (Stand: 30.11.2018).

Personal aufgestockt

Schreckschusspistole mit Platzpatronen.
Schreckschusswaffen können ohne Erlaubnis ab 18 Jahren erworben werden. Für das Mitführen in der Öffentlichkeit benötigt der Besitzer aber einen "kleinen Waffenschein". Bildrechte: imago/Ralph Lueger

Wegen der gestiegenen Nachfrage haben einige Städte und Landkreise in den vergangenen Jahren sogar das Personal aufstocken müssen. So wurden in Leipzig, Dresden, im Vogtlandkreis und im Landkreis Meißen die Ordnungsbehörden bereits 2016 mit je einer Stelle aufgestockt, im Landkreis Leipzig wurde der Sachbereich 2017 um eine befristete Stelle erweitert. In der Stadt Leipzig kam 2018 noch eine weitere Planstelle hinzu und auch im Erzgebirgskreis musste der Personalbedarf angepasst werden. Die Landeshauptstadt hat zudem im November 2017 die Sprechzeiten verkürzen müssen, damit der gestiegene Arbeitsaufwand bewältigt werden kann. Chemnitz möchte gemäß Haushaltsplanentwurf 2019/2020 eine zusätzliche Stelle vorgesehen, um den erhöhten Bedarf zum Vollzug des Versammlungs- und Waffengesetzes abzudecken.

*Die Werte von 2018 haben einen unterschiedlichen Stand. Die ältesten Zahlen sind vom 30.09.2018, die jüngsten vom 31.12.2018.

Sachsenweit gibt es nach Angaben des Innenministeriums 18.656 "Kleine Waffenscheine" (Stand: 30.11.2018). Betrachtet man diese Zahl im Verhältnis zu den Einwohnern, haben im Freistaat deutlich weniger Menschen eine Erlaubnis zum Führen von Schreckschusswaffen als im Bundesdurchschnitt. Die Entwicklung der Bestandszahlen in den vergangenen fünf Jahren zeigt aber, dass das Interesse an dieser speziellen Waffenerlaubnis deutlich gestiegen ist. Die Zahlen haben sich in dem Zeitraum fast verdreifacht.

Auch die Zahl der Waffenbesitzer ist im Freistaat deutlich geringer als im Bundesdurchschnitt. So sind nach Informationen des Innenministeriums etwa 700 von 100.000 Menschen legal im Besitz von Schusswaffen. Bundesweit kommen auf 100.000 Einwohner rund 1.150 Waffenbesitzer. Ein Ministeriumssprecher erklärte, dass der Unterschied historische Gründe habe und im Zuge eines Angleichungsprozesses mit einem Anwachsen zu rechnen sei. Die größte Gruppe der Waffenbesitzer sind übrigens Sportschützen, gefolgt von Jägern. Die Zahl der Erben und Sammler sei hingegen marginal.

*Die Landkreise Leipzig und Meißen haben teilweise keine Angaben gemacht.

"Hände weg von Schreckschusswaffen!"

Die Entwicklung der letzten Jahre wird auch von der Gewerkschaft der Polizei kritisch beobachtet. Angesichts der Zahlen derjenigen, die legal im Besitz einer Waffe sind, gebe es aber keinen Grund, in Panik zu verfallen. Der sächsische Landesvorsitzende, Hagen Husgen, sieht als möglichen Grund für die "Aufrüstung" ein gesunkenes Sicherheitsgefühl durch verstärkte Gewaltbereitschaft, Terrorismus und Extremismus. Das bringe einige Menschen dazu, etwas zum Eigenschutz zu unternehmen.

Als Mensch kann ich das durchaus verstehen, aber als Polizist kann ich nur davor warnen - Hände weg von Schreckschusswaffen!

Hagen Husgen Landesvorsitzender Gewerkschaft der Polizei Sachsen

Eine Waffe in der Hosentasche biete keine Sicherheit. Das "ist ein Trugschluss", warnt Husgen. Das Sicherheitsgefühl steige, aber auch die Risikobereitschaft. Der Polizist glaubt, dass sich viele dadurch auch in Situationen begeben, die sie unbewaffnet wahrscheinlich gemieden hätten. Zudem würden die Folgen und Gefahren seiner Ansicht nach unterschätzt: Die Träger von Schreckschusswaffen nähmen Verletzungen anderer in Kauf, für die sie unter Umständen die Verantwortung tragen und weiterhin könne kaum abgeschätzt werden, wie das Gegenüber beim Anblick der Waffe reagiert.

Um dem Trend entgegenzuwirken, müsse der Freistaat wieder für die notwendige Sicherheit sorgen, so Husgen. Vor allem im ländlichen Raum würden die Bürger den Polizisten auf der Straße vermissen. Hintergrund sei der vierstellige Personalabbau im vergangenen Jahrzehnt. Nach Gewerkschaftsrecherchen fehlen rund 3.000 Polizeibeamte. Die Regierung sei auf dem richtigen Weg, "muss sich aber eingestehen, dass die momentan geplanten 1.000 Stellen mehr in der Polizei nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind", meint Husgen.

Waffenumgang muss gelernt sein

Die veränderte Sicherheitslage und die Einsparungen bei der Polizei werden auch von "prolegal", der Interessenvertretung für Waffenbesitz, als Ursache für die Bewaffnung der Menschen genannt. "Würde die Politik diese Punkte lösen, würden sicher viel weniger Menschen aus Sorge um ihre Sicherheit den Schutz in legalen Waffen sehen", erklärt Pressesprecher Markus Bartram. Der Verein fordert nach eigener Aussage schon lange, dass Inhaber von "Kleinen Waffenscheinen" eine verpflichtende Schulung absolvieren sollten, ähnlich zu einem Kettensägenführerschein. Kern der Ausbildung sollte die Handhabung in kritischen Situationen sein sowie die Wissensvermittlung der aktuellen Gesetzeslage zu Themen wie beispielsweise der Notwehr. Zur abschließenden Bewertung der aktuellen Entwicklungen zitiert Bartram den Sprecher des Bundesinnenministers, Sören Schmidt: Der Erteilung eines "Kleinen Waffenscheins" gehe aus behördlicher Sicht mit einem Sicherheitsgewinn einher. "Insofern ist es durchaus in unserem Sinne, dass diese Erlaubnisse weiter verbreitet werden."

Quelle: MDR/cb

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 21.01.2019 | 19:00 Uhr in den Nachrichten

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Zuletzt aktualisiert: 26. Januar 2019, 10:31 Uhr

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