Carsten Rentzing
Bildrechte: MITTELDEUTSCHER RUNDFUNK

14.10.2019 | 11:48 Uhr | Update Stellungnahme der Landeskirche: Artikel von Rentzing "verstörend"

Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen hat sich von den umstrittenen Schriften ihres Bischofs Carsten Rentzing distanziert. Die Schriften stammen aus Rentzings Zeit als Student. Gleichzeitig stellt sich die Kirchenleitung hinter den Landesbischof und hält seine Distanzierung von damaligen Positionen für glaubwürdig. Seit Rentzing Pfarrer sei, habe er keine ähnlichen Äußerungen gemacht und man müsse einen Landesbischof auch in schweren Zeiten unterstützen, heißt es.

Carsten Rentzing
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Die Evangelisch-Lutherische Landeskirche Sachsen hat sich von den umstrittenen Schriften ihres Bischofs Carsten Rentzing distanziert. Das Landeskirchenamt stufte die vor 30 Jahren in einer rechten Zeitschrift erschienenen Texte als elitär, in Teilen nationalistisch und demokratiefeindlich ein. Sie seien aus damaliger und heutiger Sicht unvertretbar, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Erklärung.

Seit seiner Ordination und während seiner Amtszeit als Pfarrer und Landesbischof unserer Landeskirche ist Dr. Rentzing mit klaren konservativen Positionen aufgetreten, aber über eine rechtsextreme oder nationalistische Denkweise ist in der kirchlichen Öffentlichkeit nichts bekannt geworden. Umso verstörender sind Texte, die Dr. Rentzing in seiner Zeit als Student veröffentlicht hat.

Aus der Erklärung der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens

Ob es weitere ähnliche Schriften Rentzings gibt, ist der Kirchenleitung nicht bekannt. Zudem sei nicht klar, ob sich aus der Teilnahme an Veranstaltungen oder durch Vorträge von Rentzing während seiner Amtszeit weitere Vorwürfe ergeben könnten. Sollte dies zutreffen, werde die Landeskirche die Öffentlichkeit umgehend informieren.

Kirchenleitung hält Distanzierung für glaubwürdig

Die Distanzierung des Landesbischofs von seinen damaligen Positionen hält die Kirchenleitung für glaubwürdig. Dass ein Mensch sich im Laufe seines Lebens entwickeln könne, dass gerade auch der Glaube an Jesus Christus Menschen verändern könne, darin seien sich alle Mitglieder der Kirchenleitung einig, heißt es. Man habe aber auch "die Problematik gesehen, dass eine solche öffentlich gewordene Vergangenheit das Handeln als Landesbischof und Repräsentant der Landeskirche gegenüber der Öffentlichkeit nachhaltig beeinträchtigen würde."

Trotzdem sei es "eine Frage der Loyalität und des Respektes, einen durch die Landessynode gewählten Landesbischof in seinem Amt auch in schweren Zeiten zu unterstützen. Die Mitglieder des Kollegiums bedauern sehr, dass eine solche Unterstützung sowohl aufgrund der Faktenlage, aber auch aufgrund des persönlichen Umgangs von Landesbischof Dr. Rentzing mit seiner Biografie in den letzten Tagen zunehmend schwieriger wurde. Aus diesem Grund zollten sie dem Schritt des Landesbischofs, sein Amt zur Verfügung zu stellen, großen Respekt. Dieser sei verbunden mit Dankbarkeit für den geleisteten Dienst in den letzten vier Jahren.  

Landeskirche ruft zu Mäßigung auf

Unabhängig von den Bewertungen des Vorganges und der Person des Landesbischofs hat die Landeskirche "zu Mäßigung in öffentlichen Stellungnahmen und zu einer geistlichen Haltung untereinander" aufgerufen. Die Ereignisse der vergangenen Tage und Wochen hätten die Zerwürfnisse in der Landeskirche gezeigt, "die alle Kirchenmitglieder beschäftigen und die Kraft des Zeugnisses der frohen Botschaft Jesu Christi schwächen".

Rentzing äußert Unverständnis und Scham über eigenes Handeln

Rentzing hat vor der Kirchenleitung eine Erklärung abgegeben. Den Angaben zufolge, stellte er den Sachverhalt so dar, "dass er diese Zeit in seinem Leben und diese Texte verdrängt habe und äußerte großes Unverständnis und Scham über das, was er damals geschrieben hat". Ob Rentzing auch gegenüber der Öffentlichkeit noch zu diesen Texten Stellung nehmen wird, muss laut Kirchenleitung ihm überlassen werden. Momentan sei er dazu nicht in der Lage.

Chronologie der Ereignisse

Mitte September wird durch einen Artikel der "Sächsischen Zeitung" bekannt, dass Landesbischof Rentzing einer schlagenden Studentenverbindung - der Alten Prager Landsmannschaft Hercynia - angehört. Bei seiner Bewerbung um das Amt des Landesbischofs hatte er das verschwiegen.

Kurz darauf fordern Pfarrer, Kirchvorsteher und andere Christen in einem öffentlichen Brief eine Erklärung Rentzings. Man erwarte "eine öffentliche und deutliche Distanzierung von allen nationalen, antidemokratischen und menschenfeindlichen Ideologien", hieß es. Die Evangelische Landeskirche äußert sich damals nicht zu den Vorwürfen. Ein Sprecher erklärt, es handle sich um "sehr persönliche Vorwürfe, zu denen Herr Rentzing nur persönlich Stellung beziehen kann".

Rentzing selbst bekennt sich zu seiner Mitgliedschaft in der umstrittenen Studentenverbindung und begründet dies mit alten Freundschaften, die ihm bis heute sehr wichtig seien. Zudem würden alle seine Aktivitäten in der Verbindung seit mehr als 25 Jahren ruhen.

Ende September fordern die Verfasser des öffentlichen Briefes mit einer Onlinepetition die öffentliche Stellungnahme und Distanzierung des Bischofs. Pfarrer Frank Martin aus Leipzig sagt MDR SACHSEN dazu, man habe keinen Rücktritt angestrebt, sondern Rentzing sollte die Chance nutzen, sich deutlich zu distanzieren.

Rentzing erklärt zwei Wochen später öffentlich seinen Rücktritt und nennt als Grund die aktuelle Diskussion um seine Person. Eine Entscheidung über den Zeitpunkt und die Bedingungen des Ausscheidens aus dem Amt muss die Kirchenleitung fällen. Am 21. Oktober will sie darüber entscheiden.

Einen Tag nach der Rücktrittserklärung werden weitere Vorwürfe bekannt. Nach Recherchen der Tagesschau und des Evangelischen Pressedienstes hat er von 1989 bis 1992 als Redakteur der extrem rechten Zeitschrift "Fragmente - das konservative Kulturmagazin" zahlreiche Texte verfasst. Darin soll Rentzing seine Verachtung für die liberale Demokratie ausdrücken und ein autoritär-elitäres und völkisches Staatsverständnis vertreten.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, zeigt sich über die neuen Vorwürfe schockiert. Er hoffe auf eine schnelle Klärung innerhalb der Landeskirche, zu der Carsten Rentzing sicher selbst beitragen werde, erklärte Bedford-Strohm. "Als evangelische Kirche müssen wir uns eindeutig und laut vernehmbar gegen rechtsextremistische Einstellungen positionieren."

Quelle: MDR/cnj

Dieses Thema im Programm bei MDR SACHSEN MDR SACHSEN - Das Sachsenradio | 14.10.2019 | 06:00 Uhr in den Nachrichten

Zuletzt aktualisiert: 14. Oktober 2019, 11:49 Uhr

17 Kommentare

Maria A. vor 8 Wochen

Tja, wenn man sich Basisdemokrat nennt, dann bedeutet das wohl, man fühlt sich als wahrer Demokrat. Ich las letztens "Wendedemokrat" in einem Forum und dazu einen tollen Kommentar. Die Folge davon, ich ziehe Wendedemokraten vor. Für mich ist es ein Mysterium, was jetzt in Leipzig abgeht, wenn ich mal den Vergleich mit den Zeiten ziehe, wo dort Geschichte geschrieben wurde, und die gerade jetzt wieder in aller Munde ist.

aus Elbflorenz vor 8 Wochen

Haben Sie mal in die Wahlgesetzes des Bundes und der Länder geschaut, wer da nicht mitwählen darf?
Antwort: die fremdländischen Mitbürger - wahlberechtigt ist nämlich allein das deutsche Wahlvolk.

Hans Frieder leistner vor 8 Wochen

@ Basisdemokrat. Ich bezweifle, ob sie die Bibel genauer kennen. Den Inhalt sicher nicht. Warum schreiben sie eigentlich nicht mit ihrem Originalnamen? Sind sie sich ihrer Meinung nicht sicher? Sie sollten erst mal Demut lernen ehe sie große Sprüche klopfen.

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